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29.07.10

Die Stadt der Kinder

Gute Geschäfte in FEZitty

In der Stadt der Kinder lockt der Ruf des Geldes: "Willst du richtig reich werden? Komm zum Gewerbeamt und gründe deine Firma!" steht an der aus Pappe gebastelten Fassade der Behörde. Der Ruf bleibt nicht ungehört.

Viele der Sechs- bis 14-Jährigen, die täglich im FEZ dafür sorgen, dass ihre eigene Stadt wächst und funktioniert, haben sich selbstständig gemacht und hoffen jetzt auf Kunden. Sie eröffnen ein Casino mit Roulettespiel, sie preisen sich als Porträtmaler an oder verschönern Puppen.

Adrians Geschäftsidee heißt "Krimskrams". Der Zehnjährige aus Marienfelde hat einen der besten Standorte auf dem Gelände ergattert - auf der Terrasse, wo die Bürger von FEZitty alle vorbeikommen, wenn sie zum Zirkus, zur Fähre oder zur Sportarena wollen. Seine Kasse zeigt, dass er mit seiner Idee ganz richtig liegt: Krimskrams geht immer. Ausführlich testen seine Kunden die Sprungkraft der 20 Flummis, lassen sich die Skeletthandschuhe erklären, die im Dunkeln leuchten.

Adrian ist den meisten Geschäftsleuten an Erfahrung um einiges voraus. Vor vier Jahren besuchte er FEZitty zum ersten Mal, seitdem war er als Müllmann und als Fährmann, an der Uni und als Verkäufer tätig: "Ich habe bestimmt 90 Prozent aller angebotenen Berufe durch", sagt er. Jetzt macht er nach eigener Aussage den meisten Umsatz in der Stadt der Kinder: "400 bis 600 Wuhlis pro Tag - aber da sind die Steuern schon abgezogen." Wuhli, das ist die Spielwährung im FEZ, und 20 Prozent seiner Einnahmen muss er an die Stadtverwaltung abführen. Wie die Geschäfte am besten laufen, hat er schnell gelernt. "Am ersten Tag habe ich zu schnell mit mir handeln lassen", sagt er, "da waren die Einnahmen geringer." Vielleicht wird ja Adrian bald als einer der reichsten Bürger von den Reportern der "FEZitty News" porträtiert - der Kinder-Zeitung, die mit Unterstützung der Berliner Morgenpost täglich im FEZ entsteht.

Von solchen Erfahrungen ist Marc aus Rudow noch weit entfernt. Der Zwölfjährige will mit seinem Freund Kevin einen Schreibwarenladen eröffnen. Doch Kevin ist nicht da. Dabei hat Marc extra vier Stunden gearbeitet und vier Stunden an der FEZ-Kinderuni studiert - die Voraussetzung, um Stadtbürger und Unternehmer zu werden. Und während Marc seine Gewerbeanmeldung verschieben muss, hat Adrian sich bereits einen Angestellten genommen, dem er einen Wuhli mehr pro Stunde bezahlt, als die Kinder sonst in FEZitty verdienen. Und er investiert, kauft wieder Spielzeug ein, das er später auf einem Flohmarkt in Marienfelde verkaufen will: "für Euro".

Seine Mutter staunt aus der Ferne über die Geschäftstüchtigkeit ihres Sohnes. Sie hält sich im Hintergrund, wie es sich in der Stadt der Kinder gehört, und bewundert, dass "FEZitty bis auf die dezenten Betreuer allein durch das Wirken der Kinder läuft". Und wenn sie sieht, mit welchem Einsatz die Kinder ihre kleinen Läden betreiben, hat sie einen Wunsch für die Zukunft: "Hoffentlich haben die Jungen und Mädchen später im richtigen Arbeitsleben auch so viel Spaß."

Adresse: Straße zum FEZ 2 in Oberschöneweide, Tel. 53 07 10. Öffnungszeiten: Di.-So., 11-18 Uhr (sonnabends ab 13 Uhr). Eintritt: 3 Euro pro Tag, Wochenticket: 7 Euro.

Quelle: lp
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