Siemens-Besuch
Wowereit im fliegenden Klassenzimmer
Die Frage ist kniffelig. Wie heißt die älteste Kirche der Stadt, wollen die Schüler der 9. Klasse der Marianne-Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte in Buch von Klaus Wowereit wissen. Der Regierende Bürgermeister überlegt. "Die Marien- oder die Nikolaikirche", antwortet Wowereit.
Von Gilbert Schomaker
"Die Marienkirche ist richtig", zeigt sich die Klassenlehrerin gnädig und nickt Wowereit zu. Der Regierende Bürgermeister hat schon viele Schulen besucht. Allerdings nicht wie an dem gestrigen Tag. Denn Wowereit sitzt nicht im Klassenzimmer in Buch, sondern bei Nokia Siemens Network in Charlottenburg. Per Videoschaltung wohnt er dem Unterricht in Bild und Ton auf der elektronischen Tafel in Buch bei. Anhand des "fliegenden Klassenzimmers" wird dem Senatschef die Unterrichtstechnologie der Zukunft präsentiert.
In diesem Siemens-Werk mit seinen 450 Mitarbeitern geht es um den Datentransfer. Kurz gesprochen: Wie kommt die Frage zu Wowereit und seine Antwort wieder in Bild und Ton auf den tafelähnlichen Bildschirm der Marianne-Buggenhagen-Schule in Buch? Dank optischer Netzwerktechnik, die bei Nokia Siemens Network gefertigt wird, können Daten im großen Stil transportiert werden. Bei seinem Werksbesuch erfährt der Regierende Bürgermeister, was Hochtechnologie made in Berlin bedeutet: So arbeitet man zurzeit an Breitband-Seekabeln, die den Datentransfer in der Karibik deutlich verbessern sollen. Wie wichtig die Produkte vom Siemensdamm für die weltweite Übermittlung von Daten, Telefongesprächen, SMS oder Videos im Internet sind, zeigt eine Schätzung. "Wir erwarten, dass sich bis 2015 der globale Datenverkehr über Mobilfunknetze um 10 000 Prozent erhöhen wird", sagt Herbert Merz Leiter Operations. Das entspricht einem Datenaufkommen von 6,3 Milliarden Menschen, die täglich ein digitalisiertes Buch herunterladen. Um solche Mengen bewältigen zu können, braucht man optische Netze, die Daten sozusagen mittels Licht transportieren. Über solche Breitbandnetze ist in Zukunft auch der Energieverbrauch der Heizungen monatlich ablesbar. Diese Netze sind auch für das Herunterladen großer Datenmengen aus dem Internet, beispielsweise für das 3-D-Fernsehen, wichtig. Das Problem sind allerdings oft die letzten Meter vom Breitbandverteiler in der Straße ins Haus oder Büro, weil es dort Übertragungsengpässe gibt. Im Falle der Marianne-Buggenhagen-Schule in Buch sieht und hört Wowereit die Probleme: Das Bild wackelt, der Ton ist manchmal abgehackt. Aber es ist schon ein Blick in die Zukunft. Denn was jetzt ein soziales Vorzeigeprojekt von Nokia Siemens Network ist, soll in einigen Jahren Schule machen. Dann könnten kranke Schüler per Videobeamer in die Klasse geschaltet werden - oder eine Spanischklasse aus Madrid wird in den Sprach-Unterricht in Berlin eingeblendet.
Den Kindern der Marianne-Buggenhagen-Schule macht der Unterricht via Bildschirm sichtlich Spaß. Besonders, als die Lehrerin Wowereit noch eine Botschaft auf den Bildschirm nach Charlottenburg schickt: "Berlin und unsere Schule sind arm, aber sexy." Wowereit entgegnet: "Aber reich an pädagogischer Erfahrung."
"Der globale Datenverkehr wird um 10 000 Prozent wachsen"
Herbert Merz, Leiter Operations Nokia Siemens Networks
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