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Geschlechterrollen

Typisch Mädchen, typisch Junge

Eine Barbie, da waren sich Christopher und Sandra Sander einig, sollte Tochter Ronja nicht bekommen. Jedenfalls nicht von ihnen. Was nichts daran änderte, dass irgendwer doch das erste Modepüppchen als Geschenk ins Haus brachte - und aus der einen wurden mehr.

"Zum Schluss war es eine ganze Kiste, mit allem Schnickschnack", sagt der Vater kopfschüttelnd.

Inzwischen sei die Barbie-Phase zwar vorbei, erzählt die Mutter. "Aber sie hat viel damit gespielt, die Puppen angezogen und gekämmt und so weiter." Woher die Vorliebe für die von Feministinnen heftig bekämpfte Kultfigur kommt? "Von uns jedenfalls nicht", ist sich Sandra Sander sicher. Die Eltern setzten beim Spielzeug auf Vielfalt, was nicht ohne Wirkung blieb: Auch die Holzeisenbahn wurde von Ronja geliebt. "Trotzdem muss wohl ein bisschen angeboren sein", glaubt die Mutter. Als Kleinkind habe Ronja regelrecht Angst vor Schmutz gehabt. "Wenn sie einen Dreckspritzer am Finger hatte, hat sie mir gleich die Hand hingehalten." Erst mit bald drei Jahren spielte sie das erste Mal im Matsch - und fand es von da an prima.

Lillifee war eine Zeit lang aus Ronjas Schrank nicht wegzudenken, sie lächelte vom T-Shirt ebenso wie vom Bademantel. "Es ist aber auch schwer, etwas Neutrales zum Anziehen zu finden", bemängelt Sandra Sander. "Was nicht rosa ist, ist mindestens mit Blumen oder Schmetterlingen verziert." Zum Fasching ging Ronja als Prinzessin oder Meerjungfrau. Allerdings, auch die freche Pippi Langstrumpf hatte es ihr angetan. Als sich ein anderes Mädchen jüngst als Ritter verkleidete, da fand das Ronja aber "komisch". Die Art, wie die Siebenjährige die Nase krauszieht, lässt keinen Zweifel daran, wie sie das meint: "So was hatte ja sonst keiner."

Wenn es im Hause Sander ans Toben mit dem Papa geht, dann allerdings ist Ronja ihrer Namensvetterin aus dem Astrid-Lindgren-Roman ähnlicher als jeder Prinzessin. "Und Fahrrad fährt sie wie eine Wilde", so die Mutter.

Wie ein echter Kerl verhält sich Lennox. Andächtig steht er vor dem abgezirkelten Karree im Einkaufszentrum und betrachtet gebannt die Motorräder hinter dem Absperrband. Dass er "sich ruhig einmal draufsetzen" dürfe, braucht der Betreuer der Ausstellung dem Jungen nicht zweimal zu sagen: Wie der Blitz ist der Vierjährige bei dem knallgelben Krad und klettert auf den Sitz.

Ja, Motorräder zögen ihren Ältesten immer an, bestätigt Mutter Tanja Rahpyma lächelnd und schaut zu, wie der Filius, ganz professionell, den Gasgriff umfasst. "Sein Vater fährt auch eins, daher kennt er das schon." Genau wie die kleine Mathilda (2) - die sich für die eingebildete Rennfahrt ihres Bruders trotzdem kein bisschen interessiert und auf ihren rosa Schühchen davontippelt. Sicherlich, zum überwiegenden Teil sei das Rollenverhalten anerzogen, ist Tanja Rahpyma überzeugt, seit sie die Entwicklung ihrer eigenen Kinder beobachtet. Wie Mathilda sich etwa freut, wenn der Papa ihr sagt, wie hübsch er sie findet. "Da wird automatisch in ihrem Kopf verankert, dass sie die kleine Prinzessin ist." Und doch gebe es auch gegenteilige Erfahrungen. "Da sind Dinge, die offensichtlich festgelegt sind. Lennox will beispielsweise immer kämpfen, obwohl ihm das nie einer vorgemacht hat", sagt sie. "Er tobt unheimlich gerne, klettert viel und will ständig seine Kräfte messen." Die Eltern denken jetzt über eine passende Kampfsportart nach. "Irgendetwas, was nicht brutal ist, Judo oder Ähnliches." Fremden gegenüber ist Lennox zwar etwas schüchtern, zu Hause aber gibt er sich gern "ganz cool". Lego, Playmobil - seine Spielzeuge findet auch die kleine Schwester interessant. Die Tierfigurensammlung aber zeugt davon, dass in der Brust des Besitzers ein Jungenherz schlägt. "Dinosaurier findet er ganz toll, und Walfische auch", sagt die Mutter. Alles, was stark und sehr groß ist eben.

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