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Hebammen-Protest

"Das ist fast wie ein Berufsverbot"

660 000 Geburten gab es in Deutschland im vergangenen Jahr, betreut wurden die Schwangeren vor, nach und während der Geburt von rund 18 000 meist freiberuflichen Hebammen.

Dass die Geburtshelferinnen, die oft im Klinik-Schichtdienst arbeiten, selbstständig sind, wissen viele werdende Eltern nicht. Dass über ein Zehntel in den letzten Jahren ihren Beruf aufgeben musste, erst recht nicht.

Schuld ist die Berufshaftpflichtversicherung. Jede geburtsbetreuende Hebamme muss sie abschließen, die Kosten lagen 1992 bei knapp 180 Euro, mittlerweile sind es über 2000 Euro jährlich. Bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 23 300 Euro und einem real zu versteuernden Einkommen von rund 14 000 Euro ist diese Summe für viele Hebammen kaum zu stemmen. Die Konsequenz: Die Hebammen ziehen sich notgedrungen von ihrer Kernkompetenz zurück. Sie begleiten keine Geburten mehr, sondern bieten lediglich Vor- und Nachsorgeuntersuchungen an. Denn ist die Versicherung billiger.

Kleinere Geburtshäuser trifft das hart, etliche von ihnen haben bereits schließen müssen. Auch die Zahl der Hebammen, die noch Hausgeburten betreuen, nimmt seit Jahren ständig ab. "Tagtäglich", berichtet Susanne Schäfer, Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands, "melden sich bei uns Kolleginnen ab." Grund: Weil die Hebammen trotz kräftezehrender Vollbeschäftigung nicht mal mehr ihr Existenzminimum erwirtschaften können.

Für den 1. Juli haben die Versicherer jetzt die nächste Erhöhung angekündigt. Die Haftpflichtbeiträge werden dann für die Hebammen, die auch Geburten betreuen wollen, auf rund 3700 Euro pro Jahr steigen. "Das kommt einem Berufsverbot gleich", sagt Susanne Schäfer, Hebamme aus Kleinmachnow.

Der Deutsche Hebammenverband hat daher zum Protest aufgerufen. Ab 15.30 Uhr ist eine Kundgebung vor dem Charité Campus des Virchow Klinikums am Augustenburger Platz geplant. "Wir wollen auf unsere Misere hinweisen und in welcher bedrückenden Situation wir uns befinden", so Organisatorin Ulrike von Haldenwang, Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes. "Denn nicht nur wir leiden darunter, sondern auch die werdenden Eltern."ah

https://epetitionen.bundestag.de
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