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12.04.10

Interview

"Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind"

"Gesetz des Schulerfolgs" heißt das Programm, mit dem Eltern lernen sollen, wie sie ihr Kind in der Schule unterstützen können. Entwickelt haben es der Pädagoge und langjährige Realschuldirektor Adolf Timm und der Berliner Jugendforscher Klaus Hurrelmann.

Sie wollen die Schulpflicht an eine Fortbildungspflicht für Eltern koppeln und einen "Elternführerschein" vergeben. Anette von Nayhauß sprach mit Adolf Timm über das Elterntraining.

Berliner Morgenpost: Wieso müssen Eltern in einem Kurs lernen, wie sie ihre Kinder erziehen?

Adolf Timm: Eltern haben immer Hilfe und Unterstützung gehabt, zu jeder Zeit und in jeder Kultur der Welt. Noch nie sind Mütter und Väter so allein gewesen mit der Erziehung ihrer Kinder wie heute. Gleichzeitig sind die Herausforderungen an Kinder und Eltern riesengroß. Und deswegen brauchen Eltern Hilfe gerade auch im schulischen Bereich, sie brauchen eine schulbezogene Fortbildung.

Berliner Morgenpost: Wer braucht Ihr Training?

Adolf Timm: Das Elterntraining richtet sich an Eltern aus allen Milieus - an die Ehrgeizigen, die mit Frühgolf und Early English ihrem Kind die besten Startchancen sichern wollen: Die müssen Gelassenheit lernen. Dann gibt es die Gruppe, die die Schule einfach so laufen lässt, mit der Überzeugung, mein Kind schafft das schon. Die müssen lernen, das richtige Maß an Herausforderung für ihre Kinder zu schaffen. Und dann kommt die Gruppe der Überforderten, die keinen Zugang zur Schule haben. Die zu erreichen, ist eine besondere Herausforderung. Die Schule muss diesen Eltern aktiv entgegenkommen, die Eltern müssen ermutigt werden, sich stärker mit Bildungsfragen auseinanderzusetzen.

Berliner Morgenpost: Und deshalb muss die Teilnahme rechtlich bindend sein?

Adolf Timm: Ich bin dafür. Wir können es nicht dem Belieben der Eltern überlassen, ihre Kinder an Bildung heranzuführen. Aber auch wenn es keine gesetzliche Verpflichtung gibt, sollten die Schulen ein Elterntraining zur Eingangsvoraussetzung machen. Davon würden sie ja auch direkt profitieren, die Arbeit an den Schulen würde erleichtert werden.

Berliner Morgenpost: Was ist mit den Eltern, die keinen Elternführerschein bekommen, weil sie keine Kurse besuchen?

Adolf Timm: Man muss es zunächst einfach mal probieren. Ich gehe davon aus, dass alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Wenn eine Schule den Mut hat, die Eltern aufzufordern, an einem solchen Training teilzunehmen, dann zeigt die Erfahrung: Die Eltern machen sogar sehr gern mit.

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