Internet
Neues Informationsportal für Berliner Eltern geplant
Samstag, 13. März 2010 04:10 - Von J. Schulte am HülseBerlin - Ja, eigentlich gibt es natürlich bereits einen Internetauftritt der Senatsverwaltung für Familie. Unter www.berlin.de sollen Berliner Bürgerinnen und Bürger theoretisch alles finden können, was sie zum Thema Familie wissen wollen. Theoretisch wohlgemerkt! Denn die Suche nach wichtigen Informationen, beispielsweise zum Thema Kinder- oder Erziehungsgeld, Freizeitangeboten oder juristischen Fragen glich bisher eher einer Odyssee durch einen Dschungel. Meistens landeten die Informationssuchenden schlussendlich auf Seiten, die sie gar nicht finden wollten. Eher selten und durch puren Zufall gelangte der Nutzer mit ein paar Mausklicks tatsächlich zu der Auskunft, die er brauchte. Immer wieder gab es Beschwerden.
Jetzt reagierte der Berliner Familienbeirat gemeinsam mit dem Senat auf dieses Defizit. "Der Stadt Berlin mangelt es sicher nicht an einer Fülle von interessanten Angeboten und unterstützenden Leistungen für Familien, diese jedoch schnell und einfach im Netz zu finden, ist ein Problem", sagt auch Peter Ruhenstroth-Bauer, Vorsitzender des Berliner Beirats für Familienfragen. Dass sich Eltern in Berlin schlecht informiert fühlen und sich ein besser strukturiertes, zentrales Informationsportal wünschen, wurde in den letzten zwei Jahren durch Befragungen ermittelt. " Eltern vermissen ein Familieninformationsportal mit verschiedenen Themenbereichen, die übersichtlich strukturiert sind", sagt Ruhenstroth-Bauer. Gerade in einer Stadt, die sich immer als besonders familienfreundlich präsentiere, könne das, in Zeiten in denen fast jeder einen Internetanschluss zuhause hat, ja wohl nicht sein.
In einem gemeinsamen Projekt mit Studierenden der Universität Potsdam wurden neue Konzepte für ein Familieninformationsportal erarbeitet und im Roten Rathaus vorgestellt. Und die Studenten ließen bei der Vorstellung ihrer Vorschläge wenig Gutes an dem bisherigen Internetauftritt des Senats. "Das Verwaltungsdeutsch ist wenig ansprechend, die Fotos aus den 80er Jahren wirken altbacken und für Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund gibt es überhaupt keine Infos", sagt Studentin Lisa Rebischke. Auch das es in einer internationalen und multikulturellen Stadt wie Berlin doch wohl selbstverständlich sein müsse, dass die Informationen im Netz mehrsprachig angeboten werden, fordern die engagierte Hochschülerin. Staatssekretär Richard Meng bemüht sich zu erklären, warum der Auftritt der Senatsverwaltung im Netz so wenig ansprechend ist: "Wir kommunizieren doch aus der Absendersicht: Was hat der Staat zum Thema Familie zu sagen". Die Studenten konterten: "Aber wer braucht denn einen Internetauftritt, der mehr verwirrt, als hilft?"
Insgesamt vierzehn Potsdamer Studenten stellten drei unterschiedliche Konzepte zur Verbesserung des gegenwärtigen Angebots vor. Ihre Hauptkritikpunkte deckten sich mit der Kritik der befragten Nutzer der Seiten: völlig unübersichtlicher Aufbau, veraltete Informationen, wenig ansprechend. "Uns fiel besonders auf, dass es gerade für Minderheiten kaum Vorschläge gibt. Beispielsweise für Eltern mit behinderten Kindern fanden wir so gut wie nichts", sagt Studentin Carolin Sauer.
Staatssekretärin Claudia Zinke war sichtlich angetan von den Verbesserungsvorschlägen der Studenten, stellte aber dennoch unmissverständlich klar: "Unsere Ressourcen für dieses Projekt sind finanziell und personell begrenzt".
Das Gegenargument der Studenten, dass man sicherlich wiederum Kosten bei Beratungsstellen für Familien sparen könne, wenn Eltern sich im Internet schon vorab gut informieren könnten, leuchtete Zinke dann aber auch ein.
Nun sollen erneut Studenten mit ihrem Wissen rund um das Internet die Senatsverwaltung unterstützen: Hochschüler der Humboldt-Viadrina-School-Of-Governance boten ihre Unterstützung bei der Umsetzung der Vorschläge für das Familieninformationsportal an. Wann genau mit der Umstrukturierung der Internetseiten begonnen wird, steht bisher leider noch nicht fest. "Wir bemühen uns um einen zeitnahen Lösungsansatz", sagte Claudia Zinke lediglich. Gut, dass wenigstens die Studenten alles geben, um den Eltern der Hauptstadt Informationen zugänglich zu machen.
"Der Stadt mangelt es nicht an interessanten Angeboten für Familien. Diese zu finden, ist ein Problem."

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