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Gesundheit

Sucht im Altenheim - immer noch ein Tabuthema

Nur ungern sprechen Heimleitungen darüber, wenn die Bewohner alkoholabhängig oder tablettensüchtig sind. Auch gehen die Meinungen bei der Frage auseinander, wie man mit den betroffenen Senioren umgehen soll.

Sind Therapien im fortgeschrittenen Alter noch sinnvoll? Betroffene Altenheimbewohner sollten nach Ansicht der Frankfurter Suchtforscherin Irmgard Vogt nur auf eigenen Wunsch therapiert werden. Die geschäftsführende Direktorin am Institut für Suchtforschung an der Frankfurter Fachhochschule leitet derzeit die erste bundesweite Untersuchung über Alkoholismus in Alten- und Pflegeheimen. Die Ergebnisse der vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie sollen Mitte des Jahres veröffentlicht werden.

Für den Umgang mit suchtkranken Heimbewohnern gebe es keine einfachen Lösungen, betont die Expertin. Obwohl die Problematik des Alkoholkonsums und der Drogenabhängigkeit in Heimen zunehme, mangle es an Wissen darüber. Vor allem Pflegekräfte seien im Umgang mit suchtkranken Menschen oft überfordert, sagte Vogt. Für sie sollten Kurse eingerichtet werden, die über die Suchtproblematik informieren. Zudem verschrieben Ärzte immer mehr Medikamente, was bei vielen Senioren zu einer gesundheitsgefährlichen Übermedikamentierung führe.

Die meisten Süchtigen in Altersheimen seien keine typischen Alkoholiker, die bereits ihr ganzes Leben lang Alkohol konsumiert hätten. In vielen Fällen hätten sie erst nach dem Berufsausstieg, wegen Einsamkeit oder in Trauer mit dem Trinken begonnen.

In Deutschland haben rund 400 000 alte Menschen nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm ein Alkoholproblem, vor allem Männer. Die Zahl der älteren Tablettenabhängigen, zum Großteil Frauen, ist wohl noch deutlich höher.epd

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