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Projekt für Hochschulabsolventen

Vor dem Job an die Schule

Wenke Binder spricht fließend Englisch, und sie hat ihr Studium in Internationaler Betriebswirtschaftslehre und Französisch gerade abgeschlossen. Sie will später einmal im Managementbereich arbeiten. Aber jetzt will sie erst einmal Erfahrungen an einer Schule sammeln.

Die 22-Jährige ist seit Schuljahresbeginn an der Kurt-Schwitters-Gesamtschule in Pankow aktiv. Hier betreut sie die Schülerfirma der Schule und hilft Kindern, die Förderbedarf haben. Und vor allem im Fach Englisch kann sie kundige Hilfe leisten. Bereits während ihres Studiums hat sie in Ferienlagern in den USA gearbeitet und Erfahrungen mit schwierigen Schülern gesammelt. Die kommen ihr nun zugute.

Wenke Binder ist über das Projekt "Teach First Deutschland" an die Schule gekommen - eine Organisation, die Hochschulabsolventen (nicht Lehramtsstudenten) für zwei Jahre an Schulen vermittelt. Doch nicht immer funktioniert so ein Einsatz in den Klassenzimmern reibungslos: Bei Ina Grimmer hat es zum Beispiel nicht geklappt. Auch sie wurde zum Anfang des Schuljahres von Teach First Deutschland vermittelt: an die Carl-Friedrich-Zelter-Schule in Kreuzberg. Aber bevor es richtig losgehen konnte, war es auch schon wieder vorbei. Der Personalrat von Friedrichshain-Kreuzberg lehnte die Einstellung der jungen Frau ab.

Ina Grimmer wurde an der Hauptschule mit offenen Armen empfangen und war bei den Schülern sehr beliebt. Umso größer ist ihre Enttäuschung darüber, dass sie ihre Arbeit nicht fortsetzen kann.

Die 27-Jährige, die fließend Englisch und Türkisch spricht, hat in Passau Wirtschaft, Sprachen und Kultur studiert. Später einmal will sie bei einer internationalen Organisation tätig sein. Zunächst aber wollte sie sich vor allem um Schüler nicht deutscher Herkunft kümmern. "Von diesem Umweg verspreche ich mir wichtige Erfahrungen für meine spätere Arbeit", sagt sie.

Personalrat blockiert Projekt

"Frau Grimmer hat sich sofort sehr engagiert, viele Ideen mitgebracht und schnell einen guten Draht zu den Schülern gefunden", sagt Schulleiter Robert Hasse. Doch das zählte für den Personalrat nicht. Begründung: Statt Programme privater Institutionen zu finanzieren, sollte das Geld zur elementaren Sicherung des Unterrichts verwendet werden. Zum Beispiel für längerfristige Verträge für Vertretungslehrer oder zur Aufstockung der Stellen für Sonderpädagogen.

Schulleiter Robert Hasse kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Seine Schule könne eigenverantwortlich entscheiden, wie die zur Verfügung stehenden Mittel aus dem Personalkostenbudget ausgegeben werden, sagt er. Der Personalrat würde mit seiner Ablehnung die Arbeit der Schule blockieren. Zumal es in anderen Bezirken durchaus möglich sei, mit Teach First Deutschland zusammenzuarbeiten. "Als Schule im sozialen Brennpunkt haben wir zudem einen besonderen Bedarf an engagierten Mitarbeitern", sagt Hasse.

Probleme wie in Friedrichshain-Kreuzberg gibt es auch in Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. In diesen Bezirken lehnte der Personalrat es ebenfalls ab, mit Teach First Deutschland zusammenzuarbeiten.

Diese Haltung stößt nicht nur bei Schulleitern auf Unverständnis. Eberhard Laube, in der Verwaltung von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) für Personalangelegenheiten zuständig, wirft den betreffenden Personalräten ein veraltetes Bildungsverständnis vor. "Es ist wichtig, dass Schulen sich für Menschen mit anderen Lebenserfahrungen und Ausbildungen öffnen", betont er. Die Personalkostenbudgets seien nicht nur für die Einstellung von Vertretungskräften, sondern auch für derartige Projekte gedacht. Wie sie diese Mittel einsetzen, sei den Schulen überlassen. Es könne deshalb nicht angehen, dass sich die Personalräte anmaßen, in die Eigenverantwortung der Schulen einzugreifen.

Allein in Berlin haben sich 29 Bildungseinrichtungen um einen Fellow von Teach First beworben. Vier davon, darunter auch Ina Grimmer, konnten aufgrund der ablehnenden Haltung der Personalräte bislang nicht wie geplant eingesetzt werden.

Jürgen Schulte vom Gesamtpersonalrat der Lehrer betont, dass man grundsätzlich nichts gegen den Einsatz motivierter Hochschulabsolventen an Schulen habe. Diese Leute dürften aber nicht aus dem Budget für Vertretungslehrer bezahlt werden. Schulte fordert die Bildungsverwaltung auf, die Fellows mit anderen Mitteln zu finanzieren: "Es ist einfach widersinnig, Leute von außen einzustellen, solange noch rund 1000 Lehrer nur einen befristeten Vertrag haben." Das Geld - für den zweijährigen Einsatz der 29 Fellows sind rund zwei Millionen Euro gebunden - sollte deshalb dazu verwendet werden, möglichst viele dieser Verträge in unbefristete Anstellungen umzuwandeln. Schulleiter Robert Hasse will dennoch nicht aufgeben. "Wir brauchen Leute wie Ina Grimmer", sagt er. Die junge Frau habe eine wöchentliche Schulversammlung ins Leben gerufen, auf der Probleme des Schulalltags diskutiert werden.

Die Fellows sind sehr beliebt

Als Moderatorin habe sie außerdem geholfen, die anstehende Fusion der Carl-Friedrich-Zelter-Hauptschule mit der Eberhard-Klein-Hauptschule zu einer neuen Sekundarschule vorzubereiten. "Frau Grimmer hat genau die Fähigkeiten, die wir für diese Vorhaben dringend brauchen", so Hasse.

Auch Roman Radzioch, stellvertretender Schulleiter der Kurt-Schwitters-Schule, ist des Lobes voll von seiner neuen Mitarbeiterin Wenke Binder. Neben ihr habe die Schule sogar noch einen zweiten Fellow engagiert. "Beide sind gute Leute, die selbstständig arbeiten und sich sofort gut in das Kollegium integriert haben", sagt er. Mit ihrer jungen, frischen Art würden die Fellows von den Schülern begeistert angenommen.

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