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Stotternden Kindern schnell Therapie bieten
Montag, 21. Dezember 2009 05:04Stotternde Kinder werden nach Expertenmeinung in etlichen Fällen viel zu spät therapiert und behalten deswegen die Sprachstörung ihr Leben lang.
"Die falsche Empfehlung "Das verwächst sich schon" ist heute leider immer noch viel zu oft zu hören - leider auch bei Ärzten und Therapeuten", sagte der Mediziner und Leiter der Kasseler Stottertherapie, Alexander Wolff von Gudenberg.
"Die Empfehlung, bei erkennbaren Stottern mit einer Therapie zu warten, ist grundfalsch", warnte Wolff von Gudenberg, der selbst stottert und seine Doktorarbeit über Stottertherapien schrieb. "Das Beste ist, so früh wie möglich professionelle Hilfe zu holen, am besten schon im Vorschulalter", erklärte der Experte.
Stottern trete in der Regel zwischen dem dritten und achten Lebensjahr auf, ein Beginn der Sprachstörung erst im Erwachsenenalter sei "absolut selten". Mit jedem Tag ohne Therapie steige die Gefahr, dass sich das Stottern verfestige.
Wolff von Gudenberg zufolge stottern hierzulande gut 800 000 Menschen. "Das sind etwa ein Prozent der Bevölkerung. Dieser Wert ist konstant und findet sich übrigens überall auf der Welt, unabhängig von der jeweiligen Gesellschaft." Forscher hätten belegt, dass sich die Veranlagung für Stottern vererbt.
Besonders in der Schule werde das Problem oft verkannt. "Zu uns in die Kasseler Stottertherapie kommen viele Schüler, die sich aus Angst vor der Redeflussstörung nicht am Unterricht beteiligen", sagte Wolff von Gudenberg. Lehrer, Eltern, aber auch Kinderärzte müssten viel stärker informiert werden. "Wenn das Thema erst einmal falsch angegangen wird, entsteht bei den Betroffenen nicht selten ein zunehmender Leidensdruck und ein wahrer Marathon an unergiebigen Therapieformen." Problematisch sei dabei nach wie vor auch, dass es zu wenige Spezialisten für die Behandlung gebe. "Die wenigen wirklichen Experten haben lange Wartezeiten", sagte Wolff von Gudenberg, der selber zwölf Therapien durchmachte - von Logopädie bis hin zur Psychoanalyse.
Nach einer Berechnung der Kasseler Stottertherapie liegen die Behandlungskosten in Deutschland pro Jahr bei mindestens 75 Millionen Euro. Ein großer Teil davon werde allerdings für Therapien ausgegeben, die überhaupt keinen langanhaltenden Erfolg hätten.
Weitere Informationen zu diesem Thema sind im Internet auf der Webseite der Kasseler Stottertherapie zu finden: www.kasseler-stottertherapie.de . Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe sammelt auf ihrem Online-Auftritt Hinweise zu Seminaren, Kongressen sowie eine Vielzahl von Erfahrungsberichten: www.bvss.de .dpa

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