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Handel

Wo Väter in Elternzeit ungestört zum Kind werden können

Eine Carrera-Rennbahn gehört ebenso zum Inventar wie der Tischkicker. Im "Papaladen" in Prenzlauer Berg wird das Kind im Manne angesprochen und vor allem der Spaß am Vatersein ausgelebt.

Die Männer können gemeinsam mit ihrem Nachwuchs Weihnachtsbäume fällen, Flieger basteln, Fußball gucken oder Feuerwehrautos inspizieren. Vor einem Jahr wurde der nur 40 Quadratmeter große Laden von Bundespräsident Horst Köhler zum Ort im Land der Ideen gekürt. Seitdem platzt der Raum für Väter aus allen Nähten.

Der einzigartige "Papaladen" zog gestern nach einem Jahr Bilanz. "Eine neue Vätergeneration hat sich auf dem Weg gemacht", sagt der Leiter des Zentrums, Eberhard Schäfer. Und ihr Weg führt immer häufiger vorbei an dem Laden in der Marienburger Straße 28. Marcus Renusch kam im März zum ersten Mal mit seiner Tochter Milea hierher. Nach dem sechsten Monat hatte der Unternehmensberater die zweite Hälfte der Elternzeit übernommen. "Mir fehlte plötzlich jener Kontakt zu anderen Erwachsenen, der im Arbeitsalltag selbstverständlich ist", sagt der Vater. In den einschlägigen Krabbelgruppen, in denen Mütter ihre Netzwerke knüpfen, sei er als Mann aber immer der Exot. Im "Papaladen" sei das anders. Hier könnten sie mit den Kindern spielen und sich gleichzeitig über Themen austauschen, die eben die Männer interessieren. Er habe Netzwerke knüpfen und Freunde finden können. Außerdem, sagt er, brauche er Termine, um seine Woche zu strukturieren, sonst würde er schlicht "kaputtgehen". Das Elterncafé ist jeden Dienstag ein solcher Termin. Hier gibt es Kaffee, Mettbrötchen und anregende Gespräche.

Neue Vorbilder

"Väter in Elternzeit müssen ihre Rolle selbst finden, sie haben keine Vorbilder in ihrem Umfeld", sagt Eberhard Schäfer. Gerade deshalb sei das Zentrum so wichtig. Die Angebote richten sich schon an werdende Väter vor der Geburt. In Crash-Kursen, die von dem Träger Mannege e.V. auch direkt in den Kliniken angeboten werden, können sich die Väter vorbereiten. "Sie wollen nicht einfach nur die Mutter vertreten, sondern ihre eigene Rolle annehmen", sagt Schäfer. Neben dem Café für Väter mit Kleinkindern in Elternzeit gibt es Angebote für Väter mit Kindern jeden Alters. Abenteuerausflüge ins Zeltlager gehören dazu, ebenso Ausflüge zur Flughafenbaustelle und mittelalterliche Schwertkämpfe.

Wer Bedarf hat, kann sich auch beraten lassen. "Strategiegespräche", heißen die Beratungsangebote hier. "Männer sind auf Lösungen fixiert, sie wollen keine Probleme wälzen", erklärt Schäfer die Wortwahl. Es gibt den Finanzcheck, die Rechtsberatung oder auch Tipps zum Umgang mit Kindern in der Pubertät. Das Väterzentrum versteht sich allerdings nicht in erster Linie als Hilfsangebot für Väter in Not. Im Gegenteil: Der Laden soll ein Ort sein für ein fröhliches Familienleben. Auch die Mütter sind willkommen.

"Väter in Elternzeit sind keine Exoten mehr", sagt Marcus Renusch. Seitdem es das Elterngeld gibt, sei die Vaterzeit in der Gesellschaft besser akzeptiert. Obwohl auch er manchmal noch fragende Blicke erntet, wenn er sagt, dass er sich für seine Tochter acht Monate Auszeit von der Arbeit leistet. Da habe er wohl nicht so eine wichtige Stellung in der Firma, habe darauf einmal eine Mutter zu ihm gesagt. Der Erfolg des Ladens jedoch zeigt, dass sich das Vaterbild ändert. "Wir brauchen dringend mehr Platz", sagt der Leiter Eberhard Schäfer. Weil der Andrang so groß sei, müssten häufig auch Büro und Beratungsraum zu Spielzimmern umfunktioniert werden. "Uns wäre schon geholfen, wenn wir die Büros auslagern könnten", sagt Schäfer. Dazu müsste aber das Land die Fördersumme erhöhen. Wertschätzung vom Senat hat das Projekt jedenfalls. Gestern kam Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) in den kleinen Laden, um den Machern Unterstützung zu signalisieren.

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