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Betreuung

Internet-Portal "Bilingi" vermittelt Familien mehrsprachige Babysitter und Nachhilfelehrer

Für die kleine Lara ist der Apfel ein "apple", und wenn die Tür aufgehen soll, sagt sie: "Open!" Für Sprösslinge englischsprachiger Eltern nicht außergewöhnlich. Doch die Eineinhalbjährige hat zwei deutsche Muttersprachler als Mama und Papa. Allerdings redet ihre Mutter nur Englisch mit ihr. Peggy Block heißt sie - und lebt ihre Geschäftsidee in ihrer eigenen Familie.

Seit Anfang 2009 ist Blocks "bilingi.de" im Netz - ein Internetportal, über das Eltern bundesweit mehrsprachige Kinderbetreuer finden und so ihrem Nachwuchs schon in den ersten Lebensjahren Fremdsprachen nahebringen können. Auch Nachhilfelehrer und Haushaltshilfen können ihr Profil veröffentlichen. Interessierte Familien senden zur Kontaktaufnahme eine Email. Der Service ist für beide Seiten kostenlos und findet große Resonanz: Rund 4000 Nutzer verzeichnet "bilingi" bereits.

"Es melden sich vor allem Studenten, aber auch Erzieher und Mütter", sagt die 31-Jährige. Dabei stammen nicht alle potenziellen Babysitter aus dem Ausland; manche haben gar keine Fremdsprachenkenntnisse. "Auch sie gehören auf bilingi", betont Block: "Familien, in denen beide Elternteile kein Deutsch sprechen, suchen oft die Unterstützung von deutschen Muttersprachlern."

Schon in der Schwangerschaft überlegte Peggy Block, "wie ich unser Kind mit Englisch in Kontakt bringen kann", sagt sie. Dabei trieb sie nicht der Ehrgeiz nach kindlicher Frühförderung, sondern ihre Begeisterung für ferne Länder. Ende der Neunziger Jahre hatte Peggy Block ein Jahr als Au Pair in den USA verbracht. "In meiner Gastfamilie fand ich wunderbare Menschen, die mir sehr viel bedeuten", schwärmt sie. Daher sollte ihr Nachwuchs früh Englisch lernen - schon um sich mit "ihrer" US-Familie verständigen zu können. Wie wichtig Fremdsprachen-Kenntnisse sind, erlebte sie später in ihrem Berufsleben: "Keinen meiner Jobs in den USA und Griechenland hätte ich ohne Englischkenntnisse bekommen."

Bis das bilingi-Portal online ging, dauerte es zwei Jahre. Die junge Mutter plante am Esstisch, den Säugling auf dem Arm. Sie rang mit Programmierern und Grafik-Designern, schrieb auf der Suche nach Kinderbetreuern Universitäten und Erzieherfachschulen an, schaltete Anzeigen und investierte Tausende von Euro. Zuschüsse als Existenzgründerin bekam sie nicht, da sie stets erwerbstätig war. Noch heute sitzt sie jeden Abend nach ihrer täglichen Teilzeitarbeit als Verwaltungsangestellte und Vollzeitarbeit als Mutter am Rechner, kontrolliert die Einträge auf Seriosität und denkt über Werbemaßnahmen nach, damit sie in Zukunft zumindest ihre Kosten decken kann. "Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit auf mich zukommt und welches Geld das alles kostet...ich würde es wohl nicht noch einmal machen", sagt Peggy Block. Doch wahrscheinlich glaubt sie das selbst nicht. "Schon immer wollte ich meine eigene Sache machen, und bilingi ist meine Leidenschaft und meine Überzeugung."

Erzwingen will Peggy Block die Mehrsprachigkeit aber in der eigenen Familie nicht. "Eine bilinguale Kita wäre schön, ich würde dafür aber nicht bis ans Ende der Stadt fahren", sagt sie. Sie holt sich die Welt lieber in ihre Welt. Im Wohnzimmer in Friedenau steht ein riesiger Leuchtglobus aus DDR-Zeiten, an der Wand hängen Fotos von der Australien-Tour mit ihrem Freund. Und einmal in der Woche kommt das australische Kindermädchen Elsa zu Lara - gefunden über bilingi.

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