Interview
"Eine Garantie gibt es natürlich nie"
In keiner anderen deutschen Stadt wird so viel getrunken und gekifft wie in Berlin. Ein Interview mit der Drogenbeauftragten Christine Azara-Köhler.
Berliner Morgenpost: Nehmen die Menschen in Berlin mehr Drogen als in anderen deutschen Städten?
Christine Köhler-Azara: Nein. Natürlich muss man berücksichtigen, dass Berlin eine Metropole ist. Aber grundsätzlich ist die Situation hier durchschnittlich. Wir haben Probleme mit Alkohol. Vor allem bei sehr jungen Menschen. Beim Cannabiskonsum steht Berlin bundesweit an der Spitze. In Sachen Heroin und Kokain bewegen wir uns aber im Durchschnitt. Wir haben zum Beispiel keine Probleme mit Crack. Natürlich haben wir nur Schätzzahlen, wenn es um Heroin geht, aber die sagen, dass andere Städte wie Hamburg oder Frankfurt viel schwerer belastet sind.
Berliner Morgenpost: Sie haben zwei Kinder im Alter von 16 und 21 Jahren. Was würden Sie verunsicherten Eltern raten, die das Gefühl haben, dass ihre Kinder Drogen nehmen?
Christine Köhler-Azara: Das Wichtigste ist, dass Eltern mit ihren Kindern offen sprechen. Das sollte nicht vorwurfsvoll sein, sondern sie sollten ihren eigenen Gefühlen der Sorge und der Angst Ausdruck geben. Nachfragen, ob es da Probleme gibt oder nicht. Natürlich kann es dann passieren, dass Kinder das leugnen. Aber ich glaube schon, dass Eltern, die einen guten Draht zu ihren Kindern haben, spüren, ob da etwas im Busch ist oder nicht. Wenn man aber sicher ist, sollte man eine Drogenberatungsstelle aufsuchen. Wenn es möglich ist, das mit dem Kind gemeinsam zu machen, ist das natürlich das Allerbeste.
Berliner Morgenpost: Muss ich Angst haben, wenn mein Kind einmal einen Joint raucht oder betrunken nach Hause kommt?
Christine Köhler-Azara: Es ist heute so, dass Kinder lernen müssen, mit Substanzen umzugehen. Bei Alkohol sowieso, denn das ist ja das Schmiermittel in unserer Gesellschaft, das überall präsent ist. Eltern sollten schon im Vorfeld darüber reden, was ein vernünftiger Umgang mit Alkohol ist. Am besten ist es, wenn Eltern selbst verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit Drogen umzugehen. Dazu gehört auch Cannabis, denn in einer Stadt wie Berlin muss man damit rechnen, dass Jugendliche so etwas angeboten bekommen. Irgendeiner ist immer in der Klasse, der es schon mal probiert hat. Es gibt keinen Anlass zur Hysterie, wenn Jugendliche es einmal probieren. Viele lassen es dann ja wieder. Wenn Jugendliche mithilfe von Cannabis Probleme verdrängen, dann muss man aufpassen und davor warnen.
Berliner Morgenpost: Wie haben Sie das bei Ihren eigenen Kindern gehalten?
Christine Köhler-Azara: Bei uns war das natürlich schon durch meinen Beruf immer wieder mal Thema. Ich denke, meine Kinder haben damit keine Probleme. Aber eine Garantie gibt es natürlich nie. Beide rauchen nicht, das ist immer ein gutes Zeichen. Zigaretten sind heute meist die Einstiegsdroge. Die kommen oft noch vor dem Trinken.
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