03.09.09

Neue Gesetze angekündigt

Politiker fordern besseren Kinderschutz

Vor den Bundestagswahlen machen sich Politiker aller Parteien für eine Verbesserung des Kinderschutzes stark. Union und SPD setzen dabei auf eine Stärkung der behördlichen und medizinischen Kontrollen. Die Opposition wirft beiden Regierungsparteien Versagen vor und fordert mehr Geld.

Dreieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl versprechen Spitzenpolitikerinnen von Union und SPD weitere Maßnahmen zum Schutz von Kindern. Nach den gestrigen Beratungen im Kabinett forderten Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) in getrennten Mitteilungen für die nächste Legislaturperiode ein neues Gesetz zum Kinderschutz. Das Regelwerk war gescheitert, weil sich Union und SPD nicht abschließend einigen konnten. Die SPD-Fraktion hatte kurz vor der Sommerpause des Parlaments einen bereits von Kabinett und Bundesrat gebilligten Gesetzentwurf von der Leyens zum Kinderschutz nach einer Expertenanhörung als unzureichend verworfen. Dies hatte zu heftigen Protesten der Union geführt.

Auffällig war, dass die Ministerinnen bei dem in den Koalitionsfraktionen lange Zeit umstrittenen Thema auf Wahlkampfpolemik verzichteten.

Brigitte Zypries schlug eine Reform des Vormundschaftsrechts vor. Die Ministerin präsentierte dem Kabinett einen Bericht zum Thema "Familiengerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls", in dem die stärkere Beteiligung von Kindern an der Auswahl und den Entscheidungen des Vormunds angemahnt wird. Ferner sollte ein Amtsvormund künftig für nicht mehr als 50 Kinder und Jugendliche zuständig sein. Derzeit seien es zwischen 60 und 120. Außerdem muss nach Meinung von Zypries die Zusammenarbeit von Jugendämtern und Gerichten intensiviert werden.

Qualität statt Flickenteppich

Ursula von der Leyen kündigte ein neues Kinderschutzgesetz "gleich zu Beginn der kommenden Legislaturperiode" an. Sie betonte: "Für den Schutz unserer Kinder brauchen wir verlässliche Qualitätsstandards, die deutschlandweit gelten, keinen Flickenteppich." Die Ministerin sprach sich für die engere Verzahnung des Gesundheitswesens mit der Kinder- und Jugendhilfe aus. So brauchten Ärzte eine gesetzliche Klarstellung darüber, wann die Schweigepflicht gebrochen werden dürfe, um ein gefährdetes Kind zu retten. Zu viele gefährdete Familien verschwänden zudem beim Wohnortwechsel aus dem Blickfeld der Behörden.

FDP-Kinder- und Jugendexpertin Miriam Gruß warf der großen Koalition vor, beim Kinderschutz "ihre Pflichten grob vernachlässigt" zu haben. "Besonders schwer wiegt das Scheitern des Kinderschutzgesetzes", betonte sie. An der fachlichen Ausarbeitung des an sich guten Vorhabens habe es "an allen Ecken und Enden" gehapert. Gruß forderte eine Stärkung präventiver Maßnahmen, einheitliche Qualitätsstandards für die Kinder- und Jugendhilfe und eine bessere personelle Ausstattung der Jugendämter.

Linke fordern mehr Geld

Linke-Kinder- und -Jugendexpertin Diana Golze forderte mehr Finanzmittel für Länder und Kommunen. "Wenn Jugend- und Familienrichter beklagen, dass angesichts der Finanznot in Kreisen und Kommunen oft das Geld für angemessene Heimunterbringung, Betreuung oder Therapien fehlt, ist der Kinderschutz ernsthaft in Gefahr", sagte sie. Auch sei es "verantwortungslos", die personelle Ausstattung der Jugendämter zu vernachlässigen.

Die Grünen-Familienexpertin Ekin Deligöz kritisierte den "Wahlkampf" der Ministerinnen. Sie sagte: "Es hat einen fahlen Beigeschmack, jetzt ein Gesetz anzukündigen, das in fachlich vernünftiger Form schon längst fertig sein könnte." Zugleich verlangte Deligöz eine "ausreichende Finanzgrundlage" für den Kinderschutz. "Das ist bislang nicht gewährleistet und wurde von der großen Koalition weitgehend ausgeblendet."

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung eines Kinderschutzgesetzes und begrüßte insbesondere die Vorschläge zur Reform des Vormundschaftsrechtes.

Kritik kam dagegen von der Deutschen Kinderhilfe. Sie beklagte, trotz vieler Redebeiträge und eines Kindergipfels im Bundeskanzleramt habe die Koalition "echte Reformen" nicht auf den Weg gebracht. Quer durch alle Parteien genieße der Kinderschutz keine ausreichende Priorität, Bundes- und Landespolitik hätten "schlichtweg versagt". Auch das Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet sei nur ein erster kleiner Schritt, dem weitere folgen müssten.

Quelle: ddp/dpa
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Eurovision Song Contest - Press Conference
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Cascada und ihre Rivalen

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
14:45Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Hoch hinaus: Breakdancer am Blücherplatz stimmen auf das Multi-Kulti-Fest ein
14:48Karneval der Kulturen
Bis Pfingstmontag ist Kreuzberg die Bühne der Welt

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Dazwischen machen viele Events Kreuzberg schön bunt. mehr...


Monumental: Anish Kapoor steht in seiner Installation aus Wachs „1st Body“
07:34Ausstellung
Starkünstler Kapoor zeigt sein Universum im Gropius-Bau

Tonnenschwere Installationen: Starkünstler Anish Kapoor aus London bespielt den Martin-Gropius-Bau mit spektakulären Großskulpturen aus Wachs, Pigmenten und PVC - seine erste große Schau in Berlin. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote