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Kriminalität

Wenn Kinder spurlos verschwinden

Unbekannt verzogen. Mehr weiß Klaus Voigt nicht über den Aufenthaltsort seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Seit mehr als zweieinhalb Jahren leben er und sie nun getrennt. Voigt hofft aber sehnlichst auf ein Zeichen von ihr. Jeden Tag.

- Denn seine ehemalige Freundin ist nicht allein, sondern samt der gemeinsamen Tochter untergetaucht. Das war im August 2008. Seitdem hat Voigt seine damals vierjährige Angelina nicht mehr zu sehen bekommen.

Gestern stand der 37-Jährige, der aus Stuttgart angereist war, im Schatten des Fernsehturms, um von seinem Schicksal zu berichten. Insgesamt waren mehr als ein halbes Dutzend Betroffene gekommen. Einige hatten Fotos ihrer vermissten Kinder auf ihre T-Shirts drucken lassen. Sie alle wollten auf das Problem des internationalen Kindesentzugs durch einen Elternteil öffentlich machen - am gestrigen internationalen "Tag der vermissten Kinder".

So unterschiedlich die Fälle der Menschen hier auch seien, sagte Voigt, sie alle eine, dass sie sich von den Behörden im Stich gelassen fühlen. Zwei Monate hatte die Kriminalpolizei in seinem Fall ermittelt, berichtete Voigt. Dann seien die Nachforschungen eingestellt worden, da zu vermuten sei, dass die Exfreundin, ihr neuer Ehemann und Tochter Angelina ins Ausland gegangen seien. Wohin, darüber kann auch Voigt nur spekulieren. Eine Fährte habe er nicht, denn die Kindesmutter habe allen Nachbarn etwas anderes erzählt. Zudem seien sowohl sie, als auch ihr Mann deutscher Staatsbürger.

"Kindesentzug ist ein Verbrechen"

Als vermisst ist Angelina nicht gemeldet. "Das geht nicht", sagt Voigt, da sie mit ihrer Mutter zusammen ist. Lediglich zur Aufenthaltsermittlung sei sie ausgeschrieben. "Aber was bringt mir das, wenn die sich im Ausland aufhalten", so der Vater.

Er wünsche sich einheitliche Richtlinien mit bundesweiter Geltung für Fälle von internationalem Kindesentzug. Bisher sei man nämlich zu sehr von der zuständigen Staatsanwaltschaft und deren Einschätzung der Situation abhängig. Speziell als Vater fühle sich Voigt in seiner schwierigen Situation alleingelassen. "Leider wird in Deutschland immer noch zwischen ehelichen und unehelichen Vätern unterschieden."

Hellen Sprecher kämpft schon seit einiger Zeit dafür, dass der grenzüberschreitende Kindesentzug durch die Mutter oder den Vater ganz klar als Verbrechen wahrgenommen wird. Sie selbst hat ihre Kinder seit mehr als acht Jahren nicht in die Arme schließen können, weiß nichts über den Verbleib von Hannah und Ibrahim. Der getrennt von ihr lebende Vater hatte sie nach einem Besuchstermin einfach nicht mehr zurückgebracht. "Die Opfer solcher Verbrechen sind traumatisiert, bekommen aber keine organisierte Hilfe", so Sprecher.

Es mangele an einer zentralen Anlaufstelle für Fälle dieser Art. Aus diesem Grund werben Sprecher und andere Betroffene für Engagement für die Sache. Hilfe könne von jedem kommen, betont sie, seien es Privatpersonen, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen. Außerdem fordern sie, dass die Politik die Problematik in ihrer ganzen Tragweite erkenne. Sprecher sagt: "Das ist kein familieninternes Thema, das am Küchentisch verhandelt werden kann."

Wie viele Kinder von einem Elternteil verschleppt werden, weiß keiner. Schätzungen gehen von mehreren Hundert Fällen im Jahr aus. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Mütter und Väter, die Öffentlichkeit suchen: Möglichst viele Betroffene sollen sich melden, ein Netzwerk soll entstehen. Denn Kinder, denen das Recht genommen wird mit beiden Eltern aufzuwachsen, brauchen eine Lobby.

Deshalb war auch Klaus Voigt gekommen, sein Fall - einer unter vielen - sollte publik werden. Ein Foto von Angelina hat er an einer Pinnwand festgemacht: Es zeigt ein blondes Mädchen, das lächelt und in die Kamera winkt. Dass ihre Mutter Einsicht zeigt und ihm sein Recht einräumt, die gemeinsame Tochter zu sehen, glaube er nicht. Dass er gestern in Berlin war, zeigt aber, dass er noch Hoffnung hat.

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