16.07.12

Jubiläum

Der Räuber hat Geburtstag

Hotzenplotz wird 50. Zum Jubiläum erscheinen drei kolorierte Jubiläumsbände

Von Anne Klesse
Foto: Thienemann Verlag

Räuber Hotzenplotz will Großmutters Kaffeemühle haben, aber die lässt sich nicht Bange machen

3 Bilder

Das Kinderbuch "Der Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler feiert seinen 50. Geburtstag – es erschien am 1. August 1962 im Thienemann Verlag. Die Fortsetzungen "Neues vom Räuber Hotzenplotz" und "Hotzenplotz 3" folgten 1969 und 1973. Weltweit verkauften sich die Bände bis heute mehr als 7,5 Millionen Mal, allein in Deutschland gingen mehr als fünf Millionen Ausgaben über den Ladentisch. Zum Jubiläum erscheinen am 19. Juli drei gebundene Jubiläumsausgaben. Otfried Preußler, ehemaliger Volksschullehrer, war 1956 mit "Der kleine Wassermann" der Durchbruch als Kinderbuchautor gelungen. Er lebt in Oberbayern und gibt schon lange keine Interviews mehr. Im Oktober wird er 99 Jahre alt.

Zum großen Hotzenplotz-Jubiläum gibt der Thienemann Verlag den Kinderklassiker mit kolorierten Zeichnungen heraus. Die Originale in Schwarz-Weiß stammen von Franz Josef Tripp, der außer dem "Räuber Hotzenplotz" auch Preußlers "Das kleine Gespenst" und Michael Endes "Jim Knopf" illustriert hat. Er starb 1978. Der Ladenburger Illustrator Mathias Weber hat Tripps Zeichnungen zum Jubiläum liebevoll bearbeitet. Mit ihm sprach Anne Klesse.

Berliner Morgenpost: Herr Weber, haben Sie mit Herrn Preußler vorab über ihre Arbeit gesprochen?

Mathias Weber: Nicht direkt mit ihm, aber mit seiner Tochter, die ihn jetzt in geschäftlichen Dingen vertritt. Zusammen mit den Lektorinnen haben wir uns im Thienemann Verlag in Stuttgart getroffen und das Projekt besprochen. Es ging ja darum, die Originalzeichnungen von Franz Josef Tripp zu kolorieren. Die Frage war dann, in welcher Farbigkeit das geschehen soll und mit welcher Technik. Im Vorfeld hatte ich Probezeichnen angefertigt und der Familie Preußler geschickt, um zu zeigen, in welche Richtung meine Vorstellungen gehen.

Berliner Morgenpost: War es schwer, Familie Preußler von der Weiterentwicklung der alten Illustrationen zu überzeugen?

Mathias Weber: Es gab keine Probleme, es lief alles reibungslos. Der Kontakt war sehr angenehm. Der Verlag hatte die Weiterentwicklung angeregt, insofern war das für Frau Preußler bei unserem Treffen keine Überraschung. Da ich schon lange für den Verlag arbeite – in der Vergangenheit habe ich zum Beispiel die Figuren aus "Jim Knopf" für die neue Kinderbuchausgabe illustriert – habe ich schon mehrfach Zeichnungen im Sinne von Herrn Tripp weitergeführt.

Berliner Morgenpost: Wie denkt man sich überhaupt in das Werk eines anderen Zeichners hinein?

Mathias Weber: Zur Vorbereitung habe ich erst einmal ganz viel über Franz Josef Tripp gelesen und mir alle seine Zeichnungen intensiv angeguckt. Die Geschichten und seine Figuren – ob nun "Der Räuber Hotzenplotz", "Das kleine Gespenst" oder "Jim Knopf" – gefielen mir aber ohnehin schon immer, insofern fiel es mir leicht, seine Arbeit fortzuführen. Im Gegensatz zu dem "Jim Knopf"-Projekt ging es bei "Räuber Hotzenplotz" ja nicht darum, den Originalen neue Zeichnungen hinzuzufügen, sondern ausschließlich darum, die Originalstrichzeichnungen zu kolorieren.

Berliner Morgenpost: Sie sind Jahrgang 1967. Kannten Sie Räuber Hotzenplotz aus Ihrer eigenen Kindheit?

Mathias Weber: Ja natürlich! Ich habe die Bücher sehr oft vorgelesen bekommen und später auch selbst gelesen. Ich habe zwei Brüder, sechs und neun Jahre älter als ich, die hatten das erste Buch schon im Regal, als ich zur Welt kam. Von daher kannte ich Räuber Hotzenplotz quasi von Anfang an. Eigentlich hatten wir zu Hause die gesamte Otfried-Preußler-Bibliothek stehen. Außer Räuber Hotzenplotz fand ich vor allem "Das kleine Gespenst" immer gut.

Berliner Morgenpost: Und Ihre beiden Töchter, fünf und zehn Jahre alt, lesen Sie ihnen Hotzenplotz-Geschichten vor?

Mathias Weber: Ständig! Ich habe ihnen so früh wie möglich eigene Bände gekauft und sie ihnen auch schon relativ früh das erste Mal vorgelesen. Das kam immer gut an – und tut es noch. Nicht nur weil ich es gut finde. (lacht) Die Witwe Schlotterbeck mögen sie besonders, und Kasperl natürlich. Vermutlich können sie die meisten Geschichten inzwischen auswendig. Ich glaube, Räuber Hotzenplotz spricht alle Kinder an, ob Jungen oder Mädchen, damals wie heute. Meine Töchter haben mir auch beim Zeichnen so oft es ging zugeguckt – und geschimpft, wenn ich mal über den Rand hinausgemalt habe. (lacht)

Berliner Morgenpost: War Räuber Hotzenplotz in Ihrer Erinnerung vorher schwarz-weiß oder farbig?

Mathias Weber: Ich kann es nicht genau sagen, aber ich glaube, Räuber Hotzenplotz war immer schwarz-weiß, wenn ich an ihn gedacht habe. Die erste Verfilmung 1974 von Gustav Ehmck mit Gert Fröbe war ja auch schwarz-weiß, vielleicht liegt es auch daran.

Berliner Morgenpost: In der Jubiläumsausgabe trägt Räuber Hotzenplotz nun ein grünes Hemd und einen roten Hut mit roter Feder. Mussten Sie lange ausprobieren, um die passenden Farben zu finden?

Mathias Weber: Manche Farben waren vorgegeben, zum Beispiel das Rot am Hut, denn die Cover waren ja schon in den Sechzigern bunt und darauf war der Kopf von Räuber Hotzenplotz zu sehen. Für die anderen Figuren habe ich die Texte alle noch mal gelesen und nach Hinweisen gesucht, aber da gab es kaum welche. Viele Farben haben sich dann durch die Arbeit ergeben. Es waren zum Beispiel Kontraste nötig, damit alles gut zur Geltung kommt. Und: Räuber Hotzenplotz hat ja eine Räuberhöhle im Wald, daher habe ich gleich eher an erdige Töne gedacht. Deswegen hat er nun ein grünes Hemd. Dass Kasperl eine rote Kasperlmütze bekommt, das war klar, das ist bei Kasperles nun mal so. Genauso bei Seppel – seine Lederhose muss natürlich braun sein. Wachtmeister Dimpfelmoser wiederum hat einen blauen Polizeirock bekommen, weil das Ganze ja um die Jahrhundertwende spielt, er also eine preußische Dienstuniform haben muss. Zu ihm gibt es eine schöne Anekdote: Ich hatte ihm ein rotes Dienstfahrrad gemalt. Als meine Töchter das sahen, haben sie mich darauf aufmerksam gemacht, dass im Text steht, sein Rad sei blau, mit roten Felgen. Also musste ich es ändern. Kinder sind da ganz genau, die lassen keine Fehler gelten.

Berliner Morgenpost: Gab es eine Figur in den Hotzenplotz-Geschichten, bei der es Ihnen schwer fiel, sie zu kolorieren?

Mathias Weber: Nein, eigentlich nicht. Manche Bilder waren aber besonders arbeitsintensiv. An der Doppelseite mit der unaufgeräumten Räuberhöhle zum Beispiel habe ich lange am Computer gezeichnet, da gab es viele Details zu beachten, das war Fleißarbeit. Aber ich habe mich auf jedes Bild gefreut, nie war es langweilig. Insgesamt vier Monate haben die 250 Bilder für die drei Bände gedauert. Das war eine intensive Hotzenplotz-Zeit, das kann ich Ihnen sagen – für meine ganze Familie. (lacht) Wir haben sogar das Ritual eingeführt, alle zwei Wochen die Hotzenplotz-Mahlzeit mit Bratwurst und Sauerkraut zu kochen. Auch jetzt haben wir noch einmal im Monat diesen Hotzenplotz-Tag.

Am 19. Juli erscheinen die drei kolorierten Jubiläumsausgaben im Thienemann Verlag zu je 18,90 Euro (Band 1 mit 120 Seiten, Band 2 mit 128 Seiten, Band 3 mit 128 Seiten, ab 6 J.) Außerdem gibt es alle drei Bände in einer "Schatzkiste" für 39,90 Euro. Im Hörspielverlag DAV ist zudem eine "Räuber-Hotzenplotz-Edition" erschienen. Armin Rohde liest alle drei Bände für Kinder ab 5 Jahren, 6 CDs im Schuber, limitierte Auflage für 29,99 €

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