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12.02.12

Hertha BSC

Skibbe ist das vierte Opfer von Trainer-Killer Preetz

Michael Skibbe ist der vierte Trainer, den Manager Michael Preetz in zweieinhalb Jahren wegschickt. Als Nachfolger sind zwei frühere Hoffenheimer im Gespräch.

dpa/DPA

VfB Stuttgart - Hertha BSC
Bei den Schwaben wollten die Gäste erstmals unter Trainer Michael Skibbe punkten.

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Beachtlich war sie, die Bilanz der früheren Herthaner an diesem Spieltag: Markus Babbel wurde bei seinem Einstand für 1899 Hoffenheim gegen Werder Bremen erst in letzter Sekunde der Sieg entrissen , Friedhelm Funkel eroberte mit Alemannia Aachen einen Punkt gegen Energie Cottbus , und Lucien Favre lieferte mit seinen Gladbachern beim 3:0 gegen Schalke 04 ein wahres Meisterstück a b. Die drei Trainer eint, dass sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren bei Hertha BSC aktiv waren – und dort auf unrühmliche Weise aus dem Amt schieden.

Während das Trio der Verstoßenen also einen guten Job machte, blamierte sich der ehemalige Arbeitgeber nach allen Regeln der Kunst. Beim 0:5 (0:4) gegen den VfB Stuttgart lag der Hauptstadtklub nach einer halben Stunde bereits mit drei Toren zurück und spielte in Unterzahl, weil Andreas Ottls Versuch bestraft worden war, Gegenspieler Tamas Hajnal von hinten den Unterschenkel zu brechen. So dilettantisch wie das Foul des Mittelfeldspielers war der gesamte Auftritt der Berliner. Und er hatte Konsequenzen: Einen Tag später entließ Hertha BSC Trainer Michael Skibbe und bereicherte die Bundesliga-Geschichte um ein Kuriosum.

"Skibbe wird uns alle überzeugen"

Denn Skibbe war erst in der Winterpause (gegen Ablöse) vom türkischen Erstligaklub Eskisehirspor losgeeist worden , nachdem Hertha sich zuvor von Markus Babbel getrennt hatte. Die Gründe für dessen Demission liegen bis heute im Dunkeln – sportlich standen die Berliner gut da. "Skibbe wird uns alle überzeugen", jubelte Präsident Werner Gegenbauer. Sechs Wochen später bekommt er von Preetz eine Kopie von Skibbes Entlassungspapieren für seine Unterlagen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass es keine gute Idee war, Skibbe zu verpflichten. Denn wie überzeugt müssen die Verantwortlichen von ihrer Entscheidung sein, wenn sie diese nach fünf Spielen schon wieder revidieren? Und wie groß wird die Rückendeckung für den neuen Trainer sein, wenn Manager Michael Preetz bereits den vierten Übungsleiter in zweieinhalb Jahren entließ?

Unweigerlich ergibt sich die Schlussfolgerung, dass das Problem offenbar nicht auf der Bank, sondern in der Geschäftsstelle sitzt. Die Bilanz von Preetz jedenfalls ist verheerend. Als er 2009 einen internen Machtkampf gegen seinen Ausbilder Dieter Hoeneß gewann und den Altvorderen wegschickte, stieg Hertha prompt ein Jahr später ab. Lucien Favre, mittlerweile zum Messias von Mönchengladbach aufgestiegen, wurde von Preetz zügig entsorgt.

Nachfolger Friedhelm Funkel ging als einer der erfolglosesten, bestimmt aber als der unbeliebteste Hertha-Trainer in die Vereinsgeschichte ein. Und als in Markus Babbel ein erfolgreicher Trainer gefunden war, der den Klub zurück in die Bundesliga führte, zerstritt sich der Manager so dermaßen mit seinem Untergebenen, dass auch diese Beziehung vorzeitig in die Brüche ging.

Auch bei dem Personal in kurzen Hosen hatte Preetz selten ein glückliches Händchen. Als er vor der Zweitligasaison 2010/2011 einen großen Transfer genehmigt bekam, entschied er, für 1,8 Millionen Euro Stürmer Rob Friend aus Mönchengladbach zu holen. Der enttäuschte auf ganzer Linie. Auch die Rückholaktion von Artur Wichniarek ein Jahr zuvor war gefloppt, der Pole hatte in 19 Spielen kein Tor erzielt.

Nun muss Preetz wieder einmal einen neuen Trainer suchen. Es sei seine Verantwortung für Hertha BSC, die Fehleinschätzung zu korrigieren, sagte Preetz am Sonntag zu Skibbes Entlassung. Besonders die Art und Weise der Niederlage in Stuttgart habe den Klub zum Handeln gezwungen. Die Juniorentrainer Rene Tretschok und Ante Covic sollen am kommenden Wochenende als Interimstrainer fungieren und gegen Meister Dortmund das Unmögliche möglich machen.

Noch bei Amtsantritt hatte Skibbe auf Sicht "das obere Tabellendrittel" angestrebt. Eine Aussage, die nicht nur bei Heribert Bruchhagen auf Unverständnis stieß. "Ich habe mich sehr gewundert, dass Michael ein Szenario entworfen hat, das total unrealistisch gewesen ist. Damit hat er eine Erwartungshaltung aufgebaut, der er nicht gerecht werden konnte", sagte der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt. Von 2009 bis 2011 hat Bruchhagen mit Skibbe zusammengearbeitet und ihn dann entlassen.

Nach "Morgenpost Online"-Informationen soll Ralf Rangnick nun Wunschkandidat der Berliner sein. Aus dessen Umfeld ist allerdings zu hören, dass er ein Engagement in der Hauptstadt kategorisch ausschließt. Nun gilt der gerade in Hoffenheim entlassene Holger Stanislawski als Kandidat.

Kommen Götz oder Röber zurück?

Auch Falko Götz, der in Berlin bereits zweimal auf dem Chefsessel saß, ist im Gespräch: "Wenn ein Angebot käme, würde ich es nicht ablehnen und mich nicht scheuen, Verantwortung zu übernehmen", sagte er "Morgenpost Online". Auch Jürgen Röber, der Hertha zwischen 1996 und 2002 trainierte und mit dem der Klub 1999 die Champions-League-Zwischenrunde erreichte, soll gesprächsbereit sein. Allerdings nur in Doppelfunktion als Trainer und Manager.

Das allerdings würde bedeuten, dass Michael Preetz gehen müsste. Der schloss zwar persönliche Konsequenzen kategorisch aus. Nach "Morgenpost Online"-Informationen mehren sich im Verein allerdings die Stimmen, die Preetz’ Abgang fordern . Intern soll mit einer Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer geliebäugelt werden, der im April 2011 als Sportlicher Leiter des Red-Bull-Konzerns entlassen wurde. "Wer fünf Trainer in zwei Jahren hat, kann nicht immer nur sagen: 'Das waren die Trainer.’ Da müssen wir uns alle selbst an die Nase fassen. Das schließt nicht nur den Manager ein, sondern auch das Präsidium", sagte Präsidiumsmitglied Norbert Sauer.

Die Hauptstadt jedenfalls ist in heller Aufregung. Am Sonntag versammelten sich 200 Hertha-Fans und stürmten auf das Vereinsgelände, um dort die Spieler zur Rede zu stellen. "Heute haben die Fans alles Recht der Welt, uns zu kritisieren", sagte Kapitän Andre Mijatovic. Nach einer Aussprache zogen die erbosten Anhänger von dannen. Sie ließen einen ratlosen Verein zurück.

Mitarbeit: Uwe Bremer

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