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06.02.12

Formel 1

Mit diesem Auto will Vettel seinen Titel verteidigen

Als letztes Spitzenteam der Formel 1 hat Red Bull am Montag seinen neuen Wagen für die Saison 2012 vorgestellt. Und zeigt dabei Mut zur Hakennase.

dapd/DAPD

In der Firmenzentrale in Woking haben Lewis Jamilton (l.) und Jenson Button...

8 Bilder

Es hat ein bisschen was von einem Horrorfilm der Marke Hollywood. Im Halbdunkel umkreist die Kamera die Hauptdarstellerin des mit großem Brimborium angekündigten Präsentationsvideos von Red Bull, dazu wummert ein Bass, der wie der Herzschlag der Namenlosen klingen soll.

Im Sekundentakt leuchten Blitzlichter auf, als wäre der Drehort nicht eine Garage in Milton Keynes, sondern der rote Teppich bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Als am Ende des 86-Sekunden-Filmchens die Schatten weichen, die Schnitte langsamer und die Sequenzen länger werden, lässt der Regisseur die Blicke an den vollen Rundungen entlang bis zu ihrer Nase wandern. Und siehe da: Die ist nicht operiert.

Sie ist abgestuft, was bei der Präsentation eines Formel-1-Rennwagens im Frühjahr 2012 womöglich die wichtigere Erkenntnis ist. Bis zu einem fünf Zentimeter hohen Luftschlitz verläuft sie herkömmlich und eben, ehe sie sich in einem sanft geschwungenen Bogen zuspitzt. Sebastian Vettels Dienstwagen für die kommende Saison sieht damit deutlich anders aus als die Vorgängermodelle, aber immer noch eleganter als etwa der neue Ferrari.

Der war wegen eines unansehnlichen Höckers auf dem Frontteil, schon als "Quasimodo der Formel 1" verspottet worden. Während McLaren ganz auf einen Nasenbuckel verzichtete , sprach Rückkehrer Kimi Räikkönen, dessen Lotus in allen wichtigen Nasenangelegenheiten ein Abbild des Ferrari ist, gar vom "schönsten, hässlichen Auto" in der Königsklasse. Dabei verbirgt sich hinter dem unterschiedlichen Design der Wagenspitze weit mehr als nur die Frage nach einem hübschen Äußeren.

In dieser Saison hat sich der Automobil-Weltverband Fia mal wieder ein paar neue Regeln einfallen lassen, um einen ähnlich einseitigen Titelkampf wie in der vergangenen Saison nach Möglichkeit von vornherein zu verhindern. Eine dieser Regeländerungen ist Artikel 3.7.9 und betrifft die Frontpartie der Rennwagen. Deren Nase darf demnach nicht mehr als 55 Zentimeter über dem Asphalt schweben, um bei Unfällen das Verletzungsrisiko für die anderen Fahrer zu reduzieren, die in ihren Cockpits bisher quasi auf Augenhöhe mit den anderen Autos festgeschnallt waren.

Da viel Luft unter den Unterböden der Wagen aber einen hohen Anpressdruck auf den Asphalt garantiert und somit wichtig für die Stabilität bei Tempo 300 ist, waren die Designer bei der Konstruktion der neuen Boliden zur Kreativität gezwungen. Bis auf McLaren-Technikchef Paddy Lowe, der die Front des neuen Silberpfeils harmonisch fließend gestaltete, bewiesen alle Mut zur Hässlichkeit.

"Ein paar Dinge haben sich geändert", bestätigte Vettel im Anschluss an die Vorführung das Offensichtliche: "Aber es ist nicht so, als sei das ganze Auto neu. Man muss jetzt nicht die Gebrauchsanweisung 1:1 durchlesen, die meisten Dinge sind klar und selbsterklärend." Das findet auch Teamchef Christian Horner, weshalb er von seinen beiden Fahrern nichts Geringeres erwartet als den maximalen Erfolg: "Wir wollen beide Titel in der gleichen Art und Weise verteidigen, wie wir sie 2011 gewonnen haben." Mit anderen Worten: die totale Dominanz.

Der Motorsport-Verantwortliche Helmut Marko nutzte die Vorlage seines Chefs, um den Konkurrenzkampf mit den Verfolgern aus Italien anzuheizen: "Unser Auto ist nicht so hässlich wie der Ferrari. Wir haben versucht, das Aussehen so gut wie möglich zu stylen. Und wir haben eine technische Lösung gefunden, die um vieles besser ausschaut."

Noch nicht klar ist hingegen, wie genau sein neues Arbeitsgerät heißen wird. Nachdem ihn die "Luscious Liz" ("Leckere Liz") und "Kinky Kylie" ("Verführerische Kylie") getauften Autos in den vergangenen beiden Jahren jeweils zum WM-Titel getragen haben, firmiert der aktuelle Wagen noch unter dem offiziellen Werksnamen "RB8". Jegliche Bewerbungen sind willkommen", sagte Vettel: "Jahr haben wir erst am Mittwoch vor dem ersten Rennen den Namen festgelegt. Ich glaube, dieses Jahr sollten wir etwas früher sein. Es stehen einige Kandidaten zur Auswahl. Wir werden sehen."

Am Donnerstag wird der 24-Jährige erstmals in das Cockpit klettern; die Jungfernfahrt mit dem "RB8" bleibt jedoch seinem Teamkollegen Mark Webber vorbehalten. Der Australier macht am heutigen Dienstag bei den ersten offiziellen Testfahrten der Formel-1-Teams in Jerez/Spanien den Anfang. Dort wäre übrigens alles andere als eine Fortsetzung der Red-Bull-Dominanz eine große Überraschung. Daran kann keine Hakennase der Welt etwas ändern.

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