BBI-Starts
Ministerium dementiert neue Flugroutenplanung
Aufregung in Potsdam: Einem Zeitungsbericht zufolge sollen viele Flugzeuge, die am künftigen Flughafen BBI starten, über die Stadt hinwegfliegen. Doch Staatskanzlei und Umweltministerium dementierten nun gegenüber Morgenpost Online.
Flugzeuge, die künftig auf der Nordbahn des neuen Großflughafens BBI starten und Richtung Norden oder Osten fliegen sollen, werden direkt über Potsdam hinweg fliegen. Damit solle die Hauptstadt Berlin verschont werden. Das schreibt die "Bild" am Freitag und hat damit Aufregung ausgelöst. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) hätten sich darauf hinter den Kulissen geeinigt. In der Potsdamer Staatskanzlei liefen am Freitag die Drähte heiß. Regierungssprecher Thomas Braune dementierte, dass sich Wowereit und Platzeck auf einen solchen Vorschlag geeinigt hätten. "Diese Behauptung ist grober Unfug", sagte Regierungssprecher Thomas Braune Morgenpost Online. Er verwies auf den gemeinsamen Beschluss der Länderkabinette in dieser Woche. Berlin und Brandenburg hätten sich auf die Forderung geeinigt, dass die Flugsicherung im Wesentlichen zur ursprünglichen Routenplanung im Planfeststellungsverfahren zurückkehrt – sowie Alternativvorschläge zur Optimierung erarbeitet. Die Landesregierungen waren sich darin einig, "dass die Flugrouten in einem transparenten, offenen Verfahren zügig festgelegt werden müssen". Es solle eine "in der Gesamtregion ausgewogene und gerechte, auf ein Mindestmaß begrenzte Lärmbetroffenheit angestrebt werden".
Laut Regierungssprecher gibt es darüber hinaus keine "Nebenabsprachen" zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Regierenden Bürgermeister. "Es ist absurd zu unterstellen, Platzeck und Wowereit könnten Flugrouten nach Gutdünken und politischem Kalkül festlegen", sagte Braune.
Das Umweltministerium wies die Darstellung der "Bild" zurück, Infrastruktur-Staatssekretär Rainer Bretschneider hätte bei einer Veranstaltung in Potsdam gesagt, Brandenburg würde durch den Druck aus den reichen Berliner Vororten nun mehr belastet. Er habe vielmehr dafür gewarnt, dass "die Reichen die Belastung auf die Armen abschieben", hieß es. Die Sprecherin von Umweltministerin Anita Tack (Linke), Almuth Nüßlein, bestätigte, dass es aus dem Potsdamer Ministerium Vorschläge an die Fluglärmkommission gebe. "Es gibt aber keinen Vorschlag, der Potsdam stärker als nach den derzeitigen Plänen mit Fluglärm belastet", sagte sie Morgenpost Online. Im Gegenteil: Für die nächste Sitzung der Fluglärmkommission am 13.12. wolle das Umweltministerium einen Antrag einbringen, Berlin und Potsdam quasi zu umfliegen.
"Bild" hatte berichtet, neue Startrouten-Pläne entlasten Berlin - dafür sollen die Jets 365 Tage im Jahr direkt über Potsdam hinwegfliegen. Grundlage für diese Routenplanung sei ein Vorschlag aus dem Brandenburger Umweltministerium. Demnach solle eine "Optimierung der Flugrouten für Abflüge von der Nordbahn" erreicht werden durch "leichtes Abknicken nach Norden, hinter Blankenfelde-Mahlow auf West-Süd-West drehend, nördlich an Ludwigsfelde vorbei". Im Klartext: Lichtenrade, Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow sollen nicht überflogen werden. Zudem solle die Schleife über den Berliner Südwesten wegfallen, nach Westen verschoben werden - direkt über Potsdam.
Auch der Sprecher des Berlins Senats, Richard Meng sagte zu Morgenpost Online: "Es gibt keinen neuen Stand. Man hat sich nicht auf eine Routenführung geeinigt." Nach wie vor gelte, dass die geradlinigen Abflugschneisen sowie Varianten geprüft werden sollen. Die Deutschen Flugsicherung müsse ihre Vorschläge dann nachvollziehbar mit Daten unterlegen. Der Wowereit-Sprecher unterstrich: "Berlin und Brandenburg legen die Routen nicht fest." Dies sei allein Aufgabe der Flugsicherung und des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung.
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