27.05.10

Alarmstufe 4 an der Oder

Hochwasser an der Oder steigt weiter

Die Pegel steigen, es gilt die höchste Hochwasser-Alarmstufe – doch das Oder-Hochwasser werde deutlich kürzer dauern als die Flut von 1997, sagt Brandenburgs Innenminister Rainer Speer. Laut Landesumweltamt könnte das Wasser an der Messstelle Ratzdorf schon am Donnerstagabend seinen Höchststand erreichen. Tausende Sandsäcke wurden an den Deichen verbaut.

Foto: dpa/DPA

Solche Wälle errichten Biber im Fluss. Und das Ufer durchlöchern sie.

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Die Hochwasserlage an der Oder verschärft sich weiter: Im Landkreis Märkisch-Oderland ist am Donnerstagnachmittag Alarmstufe 3 ausgerufen worden. Der Wert am Richtpegel des Landkreises in Kienitz liege mittlerweile bei fünf Metern und das Wasser steige stündlich, sagte ein Sprecher des Landkreises in Seelow. Die Deichläufer hätten ihre Arbeit aufgenommen. Wegen der steigenden Wasserstände gilt im Landkreis Oder-Spree seit Mittwochabend bereits die höchste Alarmstufe 4.

Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) hofft, dass die Deiche an der Oder dem Hochwasser standhalten. Es bestehe die Hoffnung, dass die Flutwelle auch im besonders gefährdeten Ratzdorf (Kreis Oder-Spree) unterhalb der Oberkante der Deiche bleibe, sagte er im Inforadio des RBB. Seit Mittwoch koordiniert Speer die Arbeit der Hochwasser- Einsatzkräfte von Frankfurt (Oder) aus. Wie lange das Hochwasser an Oder und Neiße anhalten könne, sei aber noch nicht abzusehen.

Für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist die Hochwasserlage an der Oder ernst. Im Vergleich zur großen Flut von 1997 gebe es allerdings moderne und neue Deiche zum Schutz der Bevölkerung, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch in Frankfurt (Oder). Dies sei der entscheidende Unterschied zur Situation vor 13 Jahren. "Alle Vorkehrungen sind getroffen, damit Menschenleben, Hab und Gut geschützt werden", sagte Platzeck, der 1997 als Umweltminister pausenlos im Einsatz war. Platzeck hatte wegen der Hochwasserlage seinen Urlaub abgebrochen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg sagte, das Hochwasser werde noch maximal einen Tag ansteigen. Es sei nicht mit dem von 1997 zu vergleichen, sagte er dem Sender "Antenne Brandenburg". Die Flut werde dann etwa drei Tage anhalten. "Das Wasser steigt sehr viel langsamer als gestern", sagte Freude. "Wenn wir 6,50 Meter erreichen, dann wäre das schon viel. Das wäre etwa ein halber Meter weniger als 1997. Und damals gab es den Deich noch nicht. Da stand das Wasser um diese Zeit schon zwischen den Häusern." Am Pegel Ratzdorf sollte das Hochwasser schon am Abend oder in der Nacht seinen Höchststand erreichen.

Deiche bekommen "Windeln"

Der Pegelstand werde dann voraussichtlich zwei bis drei, eventuell auch vier Tage stehenbleiben. "Wir kriegen eine ganze Weile sehr hohe Wasserstände." Viele Deiche seien aber inzwischen mit einem sogenannten Flächenfilter versehen. Er sauge das Wasser ähnlich wie eine Windel auf, erläuterte Freude. So wird der Deich davor geschützt, durchzuweichen und instabil zu werden.

Kritik an der noch nicht vollständigen Sanierung aller Deiche wies Freude zurück. "13 Jahre sind da eine lächerlich kurze Zeit", betonte er. Auf den Deich an der Neuzeller Niederung – eine der Schwachstellen – seien zur Sicherheit in der Nacht in zwei bis drei Schichten rund 15.000 Sandsäcke gelegt worden. Zunächst hielten alle Wälle stand.

Das Land habe aus der Katastrophe von 1997 gelernt, sagte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Nach dem verheerenden Hochwasser in jenem Jahr waren rund 90 Prozent der rund 170 Kilometer Oderdeiche in Brandenburg saniert worden. In Brieskow- Finkenheerd wurde am Donnerstag weiter an der Sicherung einer noch bestehenden Deichbaustelle gearbeitet. "Hier wird dichtgemacht", sagte Freude.

Das Hochwasser an der Oder stieg in der Nacht zum Donnerstag pro Stunde um zwei bis fünf Zentimeter. Der Flutscheitel wird nun laut Innenministerium für Donnerstagabend erwartet. Seit Mittwochabend gilt – früher als erwartet – für den südlichen Abschnitt des Flusses die höchste Alarmstufe 4, bei der Deiche und Dämme überflutet werden können. Im nördlich gelegenen Frankfurt (Oder) wurde um 06.30 Uhr die Alarmstufe 3 ausgerufen. Bereits am Mittwoch hatte die Stadtverwaltung Sandsäcke verteilt.

In den nördlichen Landkreisen Märkisch-Oderland und in der Uckermark bereiten sich die Verantwortlichen ebenfalls auf das Hochwasser vor. Einbezogen wurden auch Polizei und Bundeswehr. Hier wird am Wochenende mit der höchsten Alarmstufe gerechnet. Die Pegelstände vor allem im Süden klettern derweil verlangsamt weiter. Am Morgen wurde in Ratzdorf eine Höhe von 6,15 Meter erreicht, in Eisenhüttenstadt waren es 6,27 Meter. Beim Jahrhunderthochwasser 1997 wurden in Ratzdorf 6,91 Meter gemessen.

Lage in Polen entspannt sich

In Polen hat sich die Lage an der Weichsel entspannt. An der Oder besteht in Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice mit zahlreichen tief liegenden Stadtteilen aber die Gefahr von Überflutungen und Deichbrüchen. Das örtliche Krankenhaus musste bereits geräumt werden.

Vielfach nicht mit High-Tech ausgestattet, hielten die polnischen Deiche nahe der deutschen Grenze das Oderwasser dennoch ebenfalls im Zaum. Im Bezirk Lubuskie, der an Deutschland grenzt, habe der Fluss bisher kaum Schäden angerichtet, sagte Innenminister Jerzy Miller in Warschau. Lediglich Brachland und Wiesen wurden überflutet. In Krosno Odrzanskie rund 20 Kilometer vor der deutschen Grenze standen mehrere Straßen unter Wasser. Als weiter schwierig bezeichnete Miller die Lage an der Warthe, einem Nebenfluss der Oder. Die Scheitel beider Flüsse würden aber glücklicherweise nicht aufeinandertreffen – und sich somit auch nicht zu katastrophalen Pegeln aufsummieren. "Das ist eine gute Nachricht." Die Warthe mündet bei Küstrin nördlich von Frankfurt (Oder) in die Oder.

Quelle: dpa/dino/mim
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