DDR

So war das süße Leben der SED-Funktionäre in Wandlitz

Viele SED-Funktionäre wohnten in einem abgeschotteten Areal bei Bernau. Tafeln geben jetzt Erläuterungen zu den Häusern und Bewohnnern

Die Honeckers haben in diesem Haus in der Waldsiedlung Wandlitz gelebt, eine Tafel gibt dazu Erläuterungen

Die Honeckers haben in diesem Haus in der Waldsiedlung Wandlitz gelebt, eine Tafel gibt dazu Erläuterungen

Foto: imago/Ulli Winkler

Wandlitz. Kinder fahren mit dem Rad zum Liepnitzsee. Dichter Kiefernwald dämpft den Verkehrslärm der Bundesstraße B273. Mitten in dieser Idylle liegt das weitläufige Areal der Brandenburg Klinik. Bis vor Kurzem deutete kaum etwas auf die frühere Nutzung des Geländes hin: Hier residierte fast 30 Jahre lang die DDR-Nomenklatura in der berühmt-berüchtigten "Waldsiedlung Wandlitz". Jetzt gibt es vor Ort erstmals Hinweistafeln und Erläuterungen. Beispielsweise darüber, wer wo wohnte, wie die Abriegelung funktionierte oder die Sonderversorgung mit West-Waren.

"Habichtweg 5 – ehemals Haus 11: Margot und Erich Honecker" ist auf einer Tafel zu lesen, sie war langjährige Ministerin für Volksbildung, er Staatsratsvorsitzender. Ein paar Meter weiter wird über das Domizil von Stasi-Chef Erich Mielke informiert. "Nun weiß auch der Laie, wie die 23 Wohnstätten mit jeweils bis zu 15 Zimmern genutzt wurden", so Claudia Schmid-Rathjen, Kulturamtsleiterin im Rathaus Wandlitz.

"Eine Landschaft der Macht" als Museumsprojekt

Die neuen Stelen und Schilder sind Teil des von der Gemeinde Wandlitz und dem Potsdamer Zentrum für zeithistorische Forschung initiierten Museumsprojekts "Waldsiedlung Wandlitz – Eine Landschaft der Macht". Begleitend dazu eröffnete eine Sonderausstellung im "Barnim Panorama" Naturparkzentrum (Breitscheidstr. 8–9; 16348 Wandlitz, bis 9. November täglich außer freitags 10–18 Uhr). "Wir möchten mit unserem Erbe offen umgehen und den Mythos Wandlitz entzaubern", erklärt Claudia Schmid-Rathjen. Dazu habe man mehrere Jahre vor Ort und in der Behörde des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) recherchiert. Die "Waldsiedlung" stehe als Symbol für Privilegien und Abschottung der SED-Chefetage vor der DDR-Lebenswirklichkeit. All das würde nun am authentischen Ort kenntlich gemacht, sagt Projekt-Kuratorin Elke Kimmel.

Durchs schwere Eisentor von "Volvograd", wegen der Vorliebe etlicher Spitzenfunktionäre für die schwedische Automarke von Einheimischen so betitelt, kann heute jedermann spazieren. Besucher gelangen zur Schwimmhalle, in der Stasi-Boss Mielke gern frühmorgens seine Bahnen zog sowie zum "Ladenkombinat Sonderversorgung", dessen Angebot mit West-Produkten nach der Wende für Schlagzeilen sorgte. Bis zu 650 Bedienstete sorgten für die Haushalte der Politbüro-Familien. "Erläutert wird auch die tägliche Protokollstrecke zwischen der Waldsiedlung und den Arbeitsorten ihrer Bewohner", so Claudia Schmid-Rathjen.

Den ganzen Landstrich in Beschlag genommen

Eine 120 Quadratmeter große Bodenkarte im Museum Barnim Panorama verdeutlicht die Ausmaße diverser Sonderobjekte. Dazu zählten auch die ausgedehnte Jagdgebiete sowie die Datschen der Funktionäre. "Das alles nahm einst einen ganzen Landstrich in Beschlag", betont Elke Kimmel. Die Sicherheitsbestimmungen für Honecker und Co. seien ständig erweitert worden. Laut Erich Honeckers Bodyguard Bernd Brückner sei dessen Gattin Margot eine der wenigen gewesen, die sich zeitweise auch ohne Personenschutz durch die Republik bewegte – mit Perücke und im eigenen Wartburg.

Egon Krenz soll eher widerwillig in die märkische Abgeschiedenheit gezogen sein, ebenso SED-Chefideologe Kurt Hager. Andere Genossen monierten aufwändige Anmeldeverfahren für Besucher. Dafür nahmen Angehörige von Spitzenfunktionären gern die Möglichkeit wahr, in Wandlitz ihre Privat-Pkw kostenlos zu betanken.

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