17.02.13

Brandenburg

Tausende Enten bei Seelow wegen Vogelgrippe getötet

Nach Ausbruch der Seuche bei Seelow gilt für 21 Tage ein Sperrkreis, in dem alles Geflügel beobachtet wird. Halter sollen Symptome melden.

Von Isabell Jürgens
Foto: dpa
Vogelgrippe: Tötung der Tiere hat begonnen
Noch lebende Enten werden in einem Käfig aus einem Stall einer Entenmast-Firma nahe Seelow (Brandenburg) abtransportiert. Sie werden gekeult

Pünktlich um 8.30 Uhr am Sonnabend haben die Mitarbeiter einer Fachfirma für Tierseuchenbekämpfung damit begonnen, sämtliche 14.500 Enten eines Mastbetriebs in der kleinen 200-Seelen-Gemeinde Altlangsow bei Seelow im Oderbruch zu töten. Die "tierschutzgerechte Räumung des Bestandes", so der technische Begriff, werde voraussichtlich bis zum Abend dauern, teile der Sprecher des Kreises Märkisch-Oderland, Tobias Seyfarth, am Mittag mit.

Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe war der Entenmastbetrieb durch einen privaten Wachschutzdienst abgeriegelt worden. Rund um den Stallkomplex gelte für 21 Tage ein Sperrkreis von einem Kilometer, so Seyfarth weiter. In ihm stehe alles Geflügel unter Beobachtung. Die Halter von Tieren in dem Bereich seien aufgefordert, Krankheitssymptome sofort zu melden, sowie alle Tiere innerhalb des Sperrkreises zu belassen. In dem infizierten Betrieb nahe Seelow war das Vogelgrippe-Virus H5N1 nachgewiesen worden.

Die Bilder von den Männern in ihren Schutzanzügen rufen bei vielen Brandenburgern schlimme Erinnerungen an das Jahr 2007 wach. Damals mussten ebenfalls Tausende Mastvögel getötet werden, die mit dem Virus, allerdings in seiner hochpathogenen Form, infiziert waren.

Erster Fall von Vogelgrippe seit Jahren

Bei einer routinemäßigen Kontrolle sind in dem Geflügelstall in Altlangsow die infizierten Tiere am Freitag entdeckt und sofort gemeldet worden. Der Bestand habe sonst keine klinischen Auffälligkeiten gezeigt, teilte das Landesumweltministerium mit.

Mit der Entdeckung des Vogelgrippevirus H5N1 ist damit erstmals seit Jahren wieder ein Fall in Deutschland nachgewiesen worden. Allerdings in einer weniger gefährlichen Variante, wie Untersuchungen inzwischen ergeben haben.

Der Kreis Märkisch-Oderland hatte noch am selben Tag das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems informiert. Bereits am Abend bestätigte es den Verdacht. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, versicherte das Bundeslandwirtschaftsministerium.

Merkblätter an Einwohner verteilt

In der Region würden jetzt alle Geflügelmastbetriebe, die Kontakt zu dem Unternehmen mit dem Vogelgrippe-Fall hatten, epidemiologisch untersucht, berichtete der Sprecher des Landkreises weiter. Insgesamt seien dort etwa 40 Betriebe ansässig. Die Einwohner erhielten zudem Merkblätter mit Anweisungen, wie sie sich innerhalb des Sperrkreises zu verhalten haben.

So dürfen etwa Halter von Hühnern ihre Tiere nicht frei herumlaufen lassen, alle Tiere müssen in geschlossenen Ställen untergebracht werden. Die Regelung gilt auch für Tauben, die Züchter müssen ihre Vögel im Schlag lassen. Die Tierhalter müssen zudem ihr Federvieh auf Anzeichen der Vogelgrippe überprüfen. Sollten Krankheitssymptome bei den Vögeln auftreten, gelte eine Meldepflicht.

Ob ein Tier erkrankt ist, lasse sich beispielsweise an einer ungewöhnlichen Kopfhaltung, Ausfluss an Augen und Schnabel, der Verweigerung von Futter, Niesen oder an einem stumpfen Federkleid erkennen, erläuterte Seyfarth. Sollte jemand so etwas beobachten, sei umgehend das zuständige Veterinäramt zu informieren.

Freigabe erst nach Kontrolle

Kreistierarzt Ralph Bötticher wies darauf hin, dass die Ursache für die Infektion bei den Enten noch unklar sei. Auch der FLI-Gegencheck könne die Herkunft des Virus nicht belegen. Denkbar sei eine Übertragung durch Wildtiere. In der Natur komme Vogelgrippe häufiger vor, ohne dass der Mensch davon etwas mitbekomme. "Bei Wasservögeln kann eine H5N1-Infektion auch ohne Krankheitssymptome ablaufen", so Bötticher.

Es könne aber auch andere Übertragungswege gegeben haben. Deshalb werden derzeit auch alle Kontaktpersonen des betroffenen Hofes, darunter Futtermittelhändler, Tierärzte und Mitarbeiter der Mastanlage, kontrolliert, ergänzte Seyfahrt. Auch wenn es sich um eine mildere Form der Vogelgrippe handele und nur ganz wenige Tiere infiziert seien, habe an der Tötung der Enten kein Weg vorbeigeführt.

"Die Tierseuchenbekämpfung schreibt die Tötung der Tiere zwingend vor", so der Landratssprecher. In den kommenden Tagen muss der betroffene Mäster die geräumten Ställe reinigen und desinfizieren lassen. Erst nach einer gründlichen Kontrolle werde der Hof wieder freigegeben.

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