13.02.13

Wohnen

Stahnsdorf hat noch Platz für Hunderte Einfamilienhäuser

Die brandenburgische Gemeinde südwestlich Berlins hat viel Platz für Zuzügler. Ehemalige Militärflächen erlauben eine großflächige Bebauung.

Von Gudrun Mallwitz
Foto: Glanze

Die Stahnsdorfer Claus Peter und Uta Martensen vor ihrem Haus
Die Stahnsdorfer Claus Peter und Uta Martensen vor ihrem Haus

Bei den Maklern türmen sich derzeit die Anfragen nach Immobilien. Was allerdings zunehmend fehlt, sind verfügbare Häuser und Wohnungen auf dem Markt. Die brandenburgische Gemeinde Stahnsdorf südwestlich Berlins hat eigentlich noch viel Platz für Zuzügler.

Während das benachbarte Kleinmachnow höchstens noch Baulücken anbieten kann, lassen die ehemaligen Militärflächen in Stahnsdorf eine großflächige Bebauung zu. Auf einem brachliegenden Gelände einer früheren Kaserne an der Stahnsdorfer Heinrich-Zille-Straße sollen als nächstes rund 90 Einfamilienhäuser entstehen. Ganz in der Nähe des neuen Gymnasiums, das der Landkreis Potsdam-Mittelmark zum kommenden Schuljahr in Stahnsdorf eröffnet.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) will das Gelände an der Heinrich-Zille-Straße möglichst rasch vermarkten. Die Zeit drängt. Denn derzeit wird die Bima wohl kein Problem haben, einen Investor zu finden, der das Ex-Kasernen-Areal als Wohngebiet entwickelt.

Fast aber hätte kommunalpolitischer Streit die Pläne gefährdet: Die örtliche SPD schlug überraschend vor, dass auf dem Gelände nicht nur Einfamilienhäuser für junge Familien, sondern auch seniorengerechte Wohnungen entstehen. Die Fraktion SPD/Grüne wollte das im Vorentwurf des Bebauungsplanes berücksichtigt wissen. Für Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) kam der Vorstoß zu spät. "Stahnsdorf bräuchte tatsächlich mehr barrierefreie Wohnungen", sagt Albers. "Aber nicht an der Stelle." Die Planungen der Bima seien dazu zu weit fortgeschritten.

Streit um Senioren-Wohnungen

Die CDU sah das genauso. Stahnsdorfs CDU-Ortsvorsitzender Daniel Mühlner sagt: "In Stahnsdorf sind attraktive Angebote für altersgerechtes Wohnen notwendig." Wie überall zeige sich der demografische Wandel auch in der Gemeinde. Die Zahl der älteren Bewohner nimmt zu. Der Standort Heinrich-Zille-Straße komme für seniorengerechte Angebote jedoch nicht mehr in Frage. Mühlner kritisiert das zögerliche Vorgehen der Kommune: "Die Gemeindevertretung sollte den Bebauungsplan für das neue Wohngebiet endlich auf den Weg bringen." Er bedauert: "Wieder einmal herrscht in Stahnsdorf Stillstand statt Fortschritt."

Doch nun scheint es eine Einigung zu geben. Die SPD ist bereit, ihre Forderung nach seniorengerechtem Wohnen an der Heinrich-Zille-Straße zurückzuziehen. Dafür soll die Bima an anderen Wohnstandorten künftig verstärkt Wohnen für Ältere ermöglichen. Zum Beispiel im ebenfalls geplanten Wohngebiet "Schmale Enden II". Auch an der Hildegardstraße soll es später seniorengerechte Einfamilienhäuser geben. Darüber verhandelt Bürgermeister Albers mit der Bima.

Der Bund ist in Stahnsdorf der große Grundstücksbesitzer. "Die vielen Militärflächen haben für Stahnsdorf Vor- und Nachteile", sagt der Vorsitzende des Bauausschusses und CDU-Fraktionschef Claus-Peter Martensen. "Sie gingen in den Nachwendejahren ins Eigentum des Bundes über." Die Gemeinde verfüge kaum über eigene Grundstücke. "Die Bima hat überall die Hand drauf", so Martensen. "Umso wichtiger ist eine gute Zusammenarbeit", so Martensen. Klappt alles, könnten die Gemeindevertreter Ende Februar den Bebauungsplan für das Wohngebiet Heinrich-Zille-Straße beschließen.

Claus-Peter Martensen wohnt im Wohngebiet "Schmale Enden I". Die Grundstücke hat die Bima vor einigen Jahren erschlossen auf dem Markt angeboten. Erst neuerdings sucht sie Investoren, welche die Flächen künftig für sie entwickeln. Martensen ist ein inzwischen pensionierter Staatsschützer beim Bundeskriminalamt, seine Frau Uta Martensen leitet die Pressedokumentation im Bundestag. "Wir sind sozusagen Regierungsflüchtlinge aus Bonn", sagt Martensen.

Beträchtliches Wohnpotenzial

1999 war das Ehepaar zunächst zur Miete nach Kleinmachnow gezogen, zur gleichen Zeit bauten sie das Haus in Stahnsdorf in "Schmale Enden I", im Volksmund auch "Bonner Siedlung" genannt. "Wir fühlen uns hier pudelwohl", sagt der 61-Jährige. "Das liegt vor allem an der tollen Nachbarschaft." In der Siedlung kennt fast jeder jeden. Jahrelang waren noch Grundstücke frei. Innerhalb weniger Monate sind bis auf einige ganz wenige alle verkauft worden. Der Quadratmeterpreis erschlossenes Bauland liegt dem Bauausschuss-Chef zufolge in der Gemeinde bei rund 160 Euro. "Fünf Kilometer weiter in Zehlendorf zahlt man da das Dreifache", sagt Martensen.

Es gibt immer noch beträchtliches Wohnpotenzial in Stahnsdorf: Allein neben den rund 90 Einfamilienhäusern an der Heinrich-Zille-Straße könnten etwa 250 Häuser im künftigen Wohngebiet "Schmale Enden II" gebaut werden.

An der Hildegardstraße wäre Platz für bis zu 100 Häuser. Dabei sind nach dem Fall der Mauer bereits fünf Neubaugebiete entstanden. Zuerst die Vogelsiedlung, dann das Wohngebiet "Schmale Enden I" südlich des Blumenviertels und fast zeitgleich das Waldviertel sowie das Grashüpferviertel am Güterfelder Damm.

In der Markhofsiedlung wurden überwiegend Doppelhäuser gebaut, in Stahnsdorf finden sich meist Einfamilienhäuser, im Grashüpferviertel fast nur Reihenhäuser. Nur noch wenige Grundstücke sind zu haben. Bürgermeister Albers rechnet damit, dass bald alle weg sind. "Die Nachfrage steigt immens." In Internet-Immobilienportalen stellt er fest, dass "die in Stahnsdorf angebotenen Grundstücke und Häuser nicht lange auf dem Markt sind".

In die Gemeinde, die auf rund 14.000 Einwohner angewachsen ist, sind viele Familien gezogen. Zu ihnen gehört auch Familie Seifert. Der selbstständige Industrievertreter Sascha Seifert und seine Frau Corinna wohnten vorher in Zehlendorf. Vor vier Jahren bauten sie in "Schmale Enden I" ein Einfamilienhaus. Die Zwillinge, zwei Jungen, sind jetzt elf. Sie werden ab Herbst das Gymnasium besuchen. Auf dieses ist Stahnsdorf sehr stolz, denn bislang gab es in der Gemeinde keines. Der Andrang ist so groß, dass der Landkreis bereits eine bauliche Erweiterung plant.

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