08.02.13

Bauarbeiten

Bahnstrecke Berlin-Rostock bleibt noch bis Juni gesperrt

Seit September fahren keine Züge auf der Ostseestrecke. Die Bauarbeiten verzögern sich – und bald wird auch noch die S-Bahn unterbrochen.

Von Markus Falkner
Foto: ZB/DPA
Bahnstrecke Berlin-Rostock wird erneuert
Ein Gleisabschnitt in Löwenberg (Brandenburg) ist bereits neu verlegt. Verzögerungen bei den Bauarbeiten zum Ausbau der Bahnstrecke Rostock-Berlin sorgen im Landkreis Oberhavel für massive Kritik

Wer im Frühjahr mit der Bahn an die Ostsee will, hat Pech. Denn auf der wichtigen Schienenverbindung zwischen Berlin und Rostock fahren länger als geplant nur Busse statt Bahnen. Wie die Deutsche Bahn jetzt bestätigte, verzögern sich die Bauarbeiten bis zum 9. Juni 2013. Ursprünglich sollte der durchgehende Verkehr am 26. April wieder rollen.

Und für Fahrgäste zwischen Berlin und Oranienburg kommt es noch schlimmer. Voraussichtlich vom 16. Februar bis zum 3. März wird nun auch die S-Bahnlinie S1 zwischen Birkenwerder und Oranienburg unterbrochen. Auch dort fahren in dieser Zeit nur Busse.

Seit September 2012 wird an der Regionalbahn-Strecke gebaut. Auf insgesamt 63 Kilometern erneuert die Bahn Gleise und technische Ausrüstung, um die Strecke für Höchstgeschwindigkeiten bis zu 160 Kilometern pro Stunde und höhere Achslasten fit zu machen. Zeitgleich startete im Umfeld des Bahnhofs Oranienburg eine groß angelegte Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg.

Seitdem ist die Station komplett für den Regionalverkehr gesperrt. Nur mit der S-Bahn und Ersatzbussen ist Oranienburg erreichbar – bis jetzt. Denn, so ergab die bisherige Suche, auf gleich vier Flächen entlang der Fern- und Regionalbahngleise verbergen sich wohl gefährliche Hinterlassenschaften des Krieges. Die sogenannten Verdachtspunkte müssen nun geöffnet, Bombenfunde unschädlich gemacht werden.

Kritik aus Oberhavel

"Diese Arbeiten müssen absolut erschütterungsfrei ausgeführt werden", sagte ein Bahnsprecher. Und genau deshalb müsse – anders als geplant – nun auch der S-Bahnverkehr auf den benachbarten Gleisen unterbrochen werden. Für gut zwei Wochen endet die S-Bahnlinie S1 dann bereits in Birkenwerder. Von dort fahren Ersatzbusse über Borgsdorf und Lehnitz nach Oranienburg. Über Einzelheiten der Planung will die Deutsche Bahn am Mittwoch informieren.

Vor allem in Landkreis Oberhavel, in dem weite Teile seit Monaten faktisch vom Regionalverkehr, und in Kürze nun auch vom Berliner S-Bahnnetz abgeschnitten sind, sorgt die verspätete Wiedereröffnung der Strecke für massive Kritik. "Ich vermag nicht zu sagen, ob hier Ignoranz oder Unfähigkeit im Spiel ist, wahrscheinlich beides", sagte Landrat Karl-Heinz Schröter (SPD). Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) forderte die Bahn auf, den ursprünglichen Zeitplan einzuhalten. Und auch Vertreter der Tourismusbranche an der Ostsee kritisierten die Bahn. Sie fürchten Einnahmeverluste.

Als Grund für die Verzögerung der Bauarbeiten nannte die die Deutsche Bahn neben der schwierigen Munitionssuche unter anderem einen zeitweiligen Baustopp, den ein Anwohner der Strecke vor Gericht durchgesetzt hatte.

Während andere Bauabschnitte planmäßig Ende April fertiggestellt würden, könnten die Züge zwischen Löwenberg und Nassenheide sowie zwischen Fürstenberg und Neustrelitz erst zum Fahrplanwechsel im Juni wieder fahren, teilte das Unternehmen mit.

Zugleich versuchte die Bahn zu beschwichtigen. "Mit der Inbetriebnahme zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni wird die Strecke Berlin-Rostock zur Sommersaison 2013 wieder durchgängig zur Verfügung stehen", heißt es in einer Mitteilung. Zum Ende des Jahres solle planmäßig die volle Kapazität erreicht werden. Im Fernverkehr soll Rostock vom Berliner Hauptbahnhof aus dann erstmals in weniger als zwei Stunden mit der Bahn erreichbar sein.

Der Streckenausbau zählt zu den aufwendigsten Infrastrukturprojekten in der Region. Unter anderem mussten Moorabschnitte zwischen Nassenheide und Löwenberg mit 7200 bis zu 21 Meter langen Rammpfählen sowie zwischen Fürstenberg und Neustrelitz mit 16.000 sogenannten Rüttelstopfsäulen stabilisiert werden. Neben den Gleisen werden auch Eisenbahnbrücken, Bahnübergänge und Bahnhöfe erneuert, 55 Weichen und fünf elektronische Stellwerke neu gebaut. Auch nach der Freigabe der Strecke im Juni müssen Fahrgäste mit Einschränkungen rechnen, wie die Bahn bestätigte. Auf einigen Abschnitten kann der Verkehr bis Ende 2013 nur eingleisig rollen.

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