01.02.13

Umstrittenes Projekt

Opus Dei will nun auch eine Mädchenschule in Potsdam

Der Laienorden darf ein Jungengymnasium errichten. Nach dem Sieg vor Gericht sprach die Morgenpost mit dem Leiter des Opus-Dei-Zentrums.

Von Gudrun Mallwitz
Foto: dpa

Horst Hennert, Chef des Opus-Dei-Zentrums : „Eine Reine Jungenschule ist sehr modern“
Horst Hennert, Chef des Opus-Dei-Zentrums : "Eine Reine Jungenschule ist sehr modern"

Der umstrittene katholische Laienorden Opus Dei hat vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig durchgesetzt, in Potsdam ein Jungengymnasium errichten zu dürfen. Nach dem Sieg der "Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft" sprach die Berliner Morgenpost mit dem Leiter des Opus-Dei-Zentrums Berlin, Horst Hennert, über die Pläne – und den Widerstand durch die rot-rote Landesregierung und die Stadt Potsdam.

Berliner Morgenpost: Herr Hennert, Brandenburg will seit fast sechs Jahren verhindern, dass Sie in Potsdam ein Jungengymnasium errichten. Sind Sie jetzt am Ziel?

Horst Hennert: Durch die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts sehen wir uns in unserem Wunsch bestätigt, Eltern eine Schule ihrer Wahl anbieten zu können. In diesem Fall ein Jungengymnasium. Möglichst zeitnah planen wir in Potsdam auch ein Mädchengymnasium. Die juristischen Grundlagen dafür sind nun gelegt, jetzt beginnt die Arbeit.

Das Bildungsministerium lehnte 2007 den Antrag der Opus Dei nahestehenden Fördergemeinschaft mit dem Argument ab, das Schulgesetz lasse eine Trennung von Mädchen und Jungen in der Schule nicht zu. Ging es nicht vor allem darum, Opus Dei zu verhindern?

Ich möchte dem Land da nichts unterstellen und gehe davon aus, dass es Ziel war, kein monoedukatives Gymnasium zuzulassen. Unsere Pläne wurden zunächst sehr positiv aufgenommen. Bald darauf wurde versucht, Opus Dei in Misskredit zu bringen. Das hat zu einer Verunsicherung in der Öffentlichkeit geführt, und das spüren wir heute noch.

In seinem Roman Sakrileg zeichnet Dan Brown das Bild einer skrupellosen Organisation.

Viele Leute beziehen ihr Wissen über das Opus Dei aus Dan Browns "Sakrileg". Das Kuriose ist, dass die Hauptperson in dem Roman, der verfilmt wurde, ein Ordensmann ist. Im Opus Dei können Angehörige eines Ordens gar nicht Mitglied werden. Es handelt sich um eine Laienorganisation. Die Geschichte ist reine Fiktion und hat mit der Realität nichts zu tun.

Wie würden Sie Opus Dei definieren?

Opus Dei ist eine Einrichtung der katholischen Kirche. Juristisch gesehen eine Personalprälatur, bestehend aus Laien und Priestern – und von der katholischen Kirche voll anerkannt. Der Gründer ist heilig gesprochen worden. Opus Dei will allen Menschen, die es wollen, dabei helfen, ihren Glauben im Alltag, im Beruf und in der Familie praktisch zu leben.

Wie viele Mitglieder hat Opus Dei in Berlin und Brandenburg?

Wir haben etwa 50 bis 60 Mitglieder. Sie kommen aus allen Berufen.

Sind reine Jungen- und Mädchenschulen überhaupt noch zeitgemäß?

Es ist sogar sehr modern. Jungen und Mädchen lernen unterschiedlich. Studien belegen, dass Jungen heute in der Schule gegenüber den Mädchen im Nachteil sind. Fast 60 Prozent der Abiturienten sind inzwischen weiblich. Die Schule soll die Jungen in ihren Stärken, der Naturwissenschaft und Mathematik, unterstützen und sie in den Sprachen fördern. Sind Mädchen unter sich, sind sie besser in den Fächern wie Chemie und Physik. Das hat sich auch an unserem seit 2009 bestehenden Mädchengymnasium in Jülich in Nordrhein-Westfalen bestätigt.

Wie konkret sind die Pläne für das Jungengymnasium in Potsdam?

Wir planen ein Gymnasium ab 7. Klasse, das wir zweizügig gründen. Begonnen wird mit maximal 50 Schülern, im Laufe von sechs Jahren soll die Schule auf bis zu 300 Schüler anwachsen.

Viele befürchten, Opus Dei wollen eine Art Gehirnwäsche betreiben.

Das ist eine falsche Vorstellung. Wir sind keine Sekte. Es gibt keine Indoktrination. Opus Dei hat keine besondere Theologie. An der Schule wird es katholischen Religionsunterricht geben. Das Gymnasium wird auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes arbeiten und Bildungsangebote unterbreiten, die der Kanon vorsieht. An der Mädchenschule in Jülich sind nur 20 Prozent des Lehrerkollegiums Mitglieder von Opus Dei. Es können auch nicht-katholische Lehrer bei uns unterrichten, so wie wir auch Kinder aufnehmen, die nicht katholisch sind. Voraussetzung ist, dass sie mit der Schul-Ausrichtung einverstanden sind.

Die Eltern, die gegen das Land klagten, haben ihre Kinder inzwischen auf andere Schulen geschickt. Besteht überhaupt noch Interesse?

Ja. Es gibt viele an so einer Schule interessierte Eltern vor allem aus Berlin, Potsdam, Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf.

Wann starten Sie?

Da wir bis zur abschließenden juristischen Klärung nicht wussten, ob wir eine solche Schule in Brandenburg überhaupt gründen können, stehen wir wieder am Anfang. Zur Finanzierung haben wir eine Stiftung gegründet, die Spenden einwirbt. Wir werden höchstens 100 Euro Schulgeld im Monat nehmen. Die Stadt Potsdam weigert sich, uns ein kommunales Gebäude oder Grundstück zur Verfügung zu stellen. Wir haben aber mehrere Immobilienangebote vorliegen. Sobald wir die Vorbereitungen abgeschlossen haben, werden wir unseren Antrag beim Bildungsministerium aktualisieren. Allerfrühester Termin für den Schulstart wäre 2014/15. Es wird aber eher später werden.

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