12.12.12

Paintball

Behörden schließen Bunkeranlage in Falkenhagen

Paintball-Events ohne offizielle Erlaubnis - damit soll jetzt Schluss sein. Die Falkenhagener Anlage wurde versiegelt.

Von Jeanette Bederke
Foto: picture alliance / dpa

Während der illegalen Paintball-Veranstaltungen in Falkenhagen sollen sich bereits Teilnehmer verletzt haben
Während der illegalen Paintball-Veranstaltungen in Falkenhagen sollen sich bereits Teilnehmer verletzt haben

Grüne Klebestreifen prangen an der nagelneuen Toranlage vor der Bunkeranlage mitten im Wald bei Falkenhagen. Wer das Tor öffnen will, müsste zwangsläufig erst die Klebestreifen entfernen. Doch das ist strengstens untersagt. "Versiegelt durch das Bauordnungsamt" steht auf den Klebestreifen. "Wir kontrollieren die Unversehrtheit regelmäßig, lassen uns nicht mehr auf der Nase herumtanzen", sagt Roswitha Tiede, Amtsdirektorin des Amtes Seelow-Land.

Denn die Versiegelung des Eingangs zum Bunkergelände ist das vorläufige Ende eines fast zehn Jahre andauernden Trauerspiels um das geschichtsträchtige Areal, das mit seinem vierstöckigen unterirdischen Bunker eher zum Industriedenkmal getaugt hätte, als zu einem "Eventpark". Zumal die Historie der zur Nazizeit errichteten Anlage noch nicht komplett erforscht ist.

Neuesten Recherchen zufolge soll es sich bei dem Komplex, der nach 1945 von den Russen besetzt und genutzt wurde, um den wichtigsten, streng geheimen Gefechtsstand der Sowjetunion außerhalb des Landes gehandelt haben.

Westlichste Führungsstelle

"Im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Westen wäre Falkenhagen die westlichste Führungsstelle für die militärischen Verbände der Warschauer Vertragsstaaten gewesen", sagt der Falkenhagener Heini Hoffmann, der sich bereits seit dem Abzug der Streitkräfte kurz nach dem Mauerfall mit der Geschichte des Bunkers befasst und bereits zwei Bücher darüber herausgebracht hat. Auch die Stasi wusste zu DDR-Zeiten offenbar nicht wirklich, was sich hinter den Toren zum Bunkergelände genau abspielte. In den Unterlagen wird das Objekt nach Angaben von Rüdiger Sielaff, Leiter der Frankfurter Außenstelle für die Stasi-Unterlagen, als Geheime Verschlusssache (GVS)-Sonderobjekt der sowjetischen Militärverbände bezeichnet.

Gegenüber der Bevölkerung wurde demnach die Legende einer "Autowerkstatt" gesponnen, doch daran glaubte angesichts der rund um die Uhr patrouillierender Posten niemand, zumal ausschließlich sowjetische Armeeangehörige Zutritt zu dem Gelände hatten. Westliche Geheimdienste sollen das Bunkergelände Falkenhagen für ein Sanatorium gehalten haben, will Hoffmann herausgefunden haben. Interesse an der Geschichte gab es in den 1990er-Jahren aus ganz Deutschland, sagt der Hobbyhistoriker, der regelmäßig Führungen durch den labyrinthartigen Bunker machte.

Als das Objekt den Besitzer gewechselt hatte, war damit Schluss. Im Jahr 2003 verkaufte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das 35 Hektar große Areal an einen Berliner Investor.

Der ging pleite, zeitweilig tauchte ein Insolvenzverwalter auf, dann plötzlich trat eine "deutsch-russische Gesellschaft" als neuer Eigentümer an. Deren Geschäftsführer wiederum war der erste Käufer war. "Es gibt keinen direkten Ansprechpartner", benennt Tobias Seyfarth, Sprecher des Landkreises Märkisch Oderland, das Dilemma von Gemeinde und Amt. Würde das Bunkergelände ungenutzt vor sich hin schlummern, wäre die Geschichte relativ unproblematisch. Doch das ist leider nicht so. Zeitweilig verkam das Areal zur Müllhalde. Davon zeugen unzählige Fässer und Kanister mit unbekanntem Inhalt sowie überlagerte Farbbüchsen. Erst kürzlich, berichtet Seyfarth, hätten Unbekannte dort Lkw-Reifen abgekippt. Auch gebrannt hat es dort bereits mehrfach, zudem wurde laut Hoffmann von Metalldieben alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war.

Anziehungspunkt für Paintball-Spieler aus ganz Europa

Darüber hinaus wurde der Bunker Falkenhagen zum Anziehungspunkt für Paintball-Spieler aus ganz Europa. Als Veranstalter trat ein Unternehmer aus Frankfurt (Oder) auf, der sich nach Angaben der Amtsdirektorin mehrfach in Gemeinderatssitzungen als angeblicher Pächter der Bunkeranlage vorstellte. "Der wollte daraus einen Freizeitpark mit Kletterwald, Bogenschießanlage, russischer Saunalandschaft und Hotel machen." Für eine Stellungnahme war der Mann allerdings nicht erreichbar.

Zunächst, so hatten ihm Kreis, Amt und Gemeinde klar gemacht, müsste der Mann einen Bauantrag stellen. "Das Gelände liegt im Außenbereich, ist im Flächennutzungsplan von Falkenhagen ein weißer Fleck, da damals noch militärisch genutzt", erklärt Gemeindevertreter Hartmut Lietsch. Nach seinen Angaben habe der Frankfurter "einen verbindlichen Eindruck" gemacht. Man sei wirklich offen gewesen für die Pläne des Pächters, habe ihm mehrfach erklärt, was er zu tun habe, damit sein Freizeitpark genehmigt werden könnte, ergänzt Amtsdirektorin Tiede. Um ihm entgegen zu kommen, gestattete ihm das Amt in den vergangenen Jahren mehrfach Paintball-Treffen.

Offenbar dachte der Pächter, dass er so weiter machen könnte – ohne die erforderlichen Genehmigungen und ohne Sicherungsmaßnahmen an der alten Bausubstanz auf dem Gelände. Das einzige, was er erneuerte, war die Toranlage, die jetzt versiegelt ist, um dem Treiben auf dem Bunkergelände Einhalt zu gebieten. Denn ungerührt lud der Paintball-Veranstalter im Internet weiterhin zu großen Treffen nach Falkenhagen; und zwar ohne Zustimmung der Behörden, die erst durch anonyme Hinweise aufmerksam wurden. Daraufhin verfügte das Amt Seelow-Land im vergangenen Jahr bereits eine "Nutzungsuntersagung", die der angebliche Bunker-Pächter aber ignorierte, wie Tiede beschreibt. "Unsere Konsequenz war die Versiegelung, denn auf dem Gelände lauern Gefahren", sagt die Amtsdirektorin.

Ungesicherte Schächte

"Wir müssen dafür Sorge tragen, dass niemandem etwas passiert", ergänzt Kreissprecher Seyfahrt. "Es gibt dort ungesicherte Lüftungsschächte des Bunkers, die 20 Meter in die Tiefe gehen." Während der illegalen Paintball-Veranstaltungen sollen sich Teilnehmer bereits an Stahlträger-Resten verletzt haben und in eingefallene Versorgungskanäle gestürzt sein.

Bevor dort Ruhe herrsche, müsse wohl erst "ein Unglück" passieren, mutmaßt Gemeindevertreter Lietsch. "Eigentlich", sagt er, "sollte der Verkauf des Geländes von 2003 rückgängig gemacht werden, weil keinerlei Auflagen einer zivilen Nutzung erfüllt wurden." Diesen Gedanken hatte man auch im Amt Seelow-Land und erkundigte sich beim Bundesamt für Immobilienaufgaben. "Die interessiert gar nicht, was damit passiert. Die Behörde ist nur froh, die Immobilie los zu sein und würde sie keinesfalls zurücknehmen", heißt es dazu aus dem Amt.

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