15.11.12

Frankfurt (Oder)

Studenten entscheiden über Buslinie nach Polen

Die geplante Verbindung von Frankfurt (Oder) ins polnische Slubice droht zu scheitern: Viadrina-Studierende sollen fünf Euro extra zahlen.

Von Jeanette Bederke
Foto: ZB

Grenze: Ein Reisebus fährt über die Frankfurter Stadtbrücke. Ob es auch einen Linienverkehr geben wird, ist unklar
Grenze: Ein Reisebus fährt über die Frankfurter Stadtbrücke. Ob es auch einen Linienverkehr geben wird, ist unklar

Lange schon ist über eine regelmäßige Buslinie von Frankfurt (Oder) in die polnische Nachbarstadt Slubice geredet worden. Am 9. Dezember sollte es endlich soweit sein. Doch das grenzüberschreitende Projekt des öffentlichen Nahverkehrs droht dreieinhalb Wochen vor dem Start zu scheitern, weil die Finanzierung nicht endgültig steht. Das hängt mit den Studenten der Frankfurter Europa-Universität "Viadrina" zusammen – sie sollen zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Schließlich würden sie am häufigsten über die Stadtbrücke pendeln, von der Uni zum Collegium Polonicum oder zu den polnischen Wohnheimen und zurück, heißt es. Fünf Euro mehr sollen sie nach einer Rechnung der Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft für ihr Semesterticket zahlen. Das macht in der Summe 60.000 Euro im Jahr und damit knapp die Hälfte der laut Wirtschaftsprognose benötigten 130.000 Euro zum Betreiben der grenzüberschreitenden Buslinie.

"Für das, was wir anbieten, sind fünf Euro zusätzlich angemessen", sagt Michael Ebermann, Geschäftsführer der Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft. Dafür gebe es einen regelmäßigen Linienverkehr täglich von 5 bis 22.30 Uhr zwischen dem Frankfurter Bahnhof, dem Stadtzentrum, der Universität, dem Collegium Polonicum, den polnischen Wohnheimen und der Slubicer Stadtverwaltung.

Nur "mäßig attraktiv"

Doch in der Studentenschaft regt sich Widerstand. "Wir haben uns stets für einen grenzüberschreitenden Nahverkehr eingesetzt, aber nicht zu diesem Preis", sagt Studentenvertreter Kai Goll. Deshalb will das Studentenparlament der "Viadrina" am Donnerstag zusammenkommen und über die Sache beraten.

Die jetzt konzipierte Verbindung sei für die Kommilitonen ohnehin nur "mäßig attraktiv", fügt Goll hinzu. "In unseren Kernzeiten des Studienbetriebes zwischen 9 und 16 Uhr verkehrt der Bus nur stündlich und hält nicht einmal direkt an der Uni." Es könne auch nicht sein, so der Studentenvertreter weiter, dass die Studentenschaft auf Dauer einen "defizitären Bus" finanziere. Denn die Umsatzerlöse für den grenzüberschreitenden Bus liegen laut Wirtschaftsprognose bei 34.000 bis 80.000 Euro, das Projekt bleibt ein Zuschussgeschäft.

Dabei wird die Buslinie seit Jahren diskutiert und geplant. Beide Partnerkommunen bemühen sich seit Langem um eine grenzüberschreitende Personen-Nahverkehrsverbindung, wie es sie schon vor dem Zweiten Weltkrieg zwischen der deutschen Kommune und ihrer Dammvorstadt am östlichen Oderufer gegeben hat. "Überfällig", nennt Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke dieses verkehrstechnische Zusammenrücken der Partnerstädte. Doch zunächst stimmten die Frankfurter 2006 in einer Bürgerbefragung mehrheitlich gegen das Projekt. Trotzdem rollte ein Jahr später im Dezember ein "Kennenlernbus" für einen Tag über die Stadtbrücke, mit guter Resonanz bei den Fahrgästen.

Straßenbahn wäre wirtschaftlicher

Zwischenzeitlich wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die man unterschiedlich zu interpretieren wusste, die aber das Thema erneut ins Gespräch brachte. Für die 1,7 Kilometer lange Strecke bezifferten die Gutachter Kosten von mehr als zehn Millionen Euro. Dann konnten sich Frankfurt und Slubice allerdings nicht einigen, ob nun ein Bus oder doch eher eine Straßenbahn über die Stadtbrücke rollen soll, wie schon Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Slubicer stimmten in einer Befragung Ende vergangenen Jahres hingegen gegen eine Straßenbahn, vor allem aus Kostengründen. Auch die polnische Verwaltung lehnte danach ab, da das Tram-Projekt "zu teuer und zu kompliziert", eine Busverbindung in der Linienführung "flexibler" sei.

Die Frankfurter Stadtverwaltung hat das Projekt Straßenbahn jedoch vor allem mit Blick auf Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit noch nicht ad acta gelegt. Laut Gutachten könnte eine solche Verbindung nämlich Einnahmen von 118.000 Euro bringen, sei betriebswirtschaftlich sinnvoll und technisch machbar.

So ist die Buslinie "nur" das Pilotprojekt, die Tram mit der Aussicht auf eine großzügige EU-Förderung das langfristige Ziel. Denn die Machbarkeitsstudie gibt den Straßenbahnbefürwortern Recht – die Tramlinie ist demnach wirtschaftlicher als ein Linienbus.

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