07.09.12

Baumsterben

Wie ein Pilz Brandenburgs Eschen zusetzt

Welkende Kronen, absterbende Triebe und tote Bäume – vielen Eschen geht es schlecht. Schuld ist ein Erreger aus Skandinavien.

Foto: DPA
Esche
Von oben: Anfangs sterben nur die jüngeren Triebe und Kronenteile ab

Forstwissenschaftler warnen vor einem Sterben des Baumes mit den gefiederten Laubblättern. "Wir registrieren überall Absterbe-Erscheinungen von Eschen in unseren Wäldern", sagt Förster Jörg Kabelitz, Leiter des Reviers Grenzhaus in der Uckermark. Komplette Baumgruppen würden von der Krone her verwelken. Auch aufgeforstete Bestände seien betroffen, Totalverluste zu befürchten. Ein gravierendes Beispiel sei eine 30 Hektar große Fläche bei Berkholz.

Selbst in stabilen Mischwaldbeständen sterben Eschen. Zum Glück sei die Esche in Brandenburg nicht so verbreitet wie die Kiefer, meint der Förster. Beim Umbau der Wälder sei die Esche aber von Bedeutung. "Wir verlieren auch Eschen im Nationalpark Unteres Odertal", berichtet dessen Leiter Dirk Treichel. Die Schäden seien in den vergangenen Jahren sehr massiv und großflächig zu beobachten. Die Erkrankung wurde auch im weiteren Umfeld des Schutzgebietes beobachtet. "Im Nationalpark wird gegen das Eschensterben nichts unternommen", erklärt Treichel. Das sei nur im Wirtschaftswald sinnvoll. "Wir überlassen es dem natürlichen Verlauf, da andere Bäume diese Lücken schließen werden."

Eschenbastkäfer und Eschenkrebs setzen Bäumen zu

Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde registriert immer mehr erkrankte Exemplare. Als Verursacher gilt ein Pilz. Beobachtet werde ein durch sie ausgelöster Degenerationsprozess der Bäume, sagt Paul Heydeck vom Fachbereich Waldentwicklung und Monitoring. "Anfänglich sterben nur die jüngeren Triebe und Kronenteile ab." Trotzdem bilde der Baum noch neue Triebe. Neben dem Pilz setzten auch der Eschenbastkäfer und der Eschenkrebs den Beständen zu. "Die Kombination aller drei Schadensarten macht den Bäumen erheblich zu schaffen." Das Sterben sei in fast allen Teilen Brandenburgs zu beobachten. Besonders junge Bäume seien schwer geschädigt oder würden binnen weniger Jahre sterben.

Bis vor Kurzem ging die Wissenschaft davon aus, dass die neuartige Eschenkrankheit durch den Schlauchpilz namens Weißes Stängelbecherchen (lateinisch: Hymenoscyphus albidus) verursacht wird. In speziellen Untersuchungen in der Schweiz wurde aber festgestellt, dass es sich bei dem Erreger nicht um den bekannten Schlauchpilz handelt, sondern um eine sehr ähnlich aussehende Art mit dem Namen Hymenoscyphus pseudoalbidus sp. nov. handelt – Falsches Weißes Stängelbecherchen. Offenbar habe sich aus der bekannten Art eine neue Schwesterart entwickelt, meint Heydeck. Der Pilz besiedelt lebende Eschen, dringt in deren Holz ein und verstopft die Gefäße, was letztlich zum Absterben führt.

Seit mehr als 15 Jahren werden auch in Skandinavien und in den baltischen Staaten immer mehr Schäden an Eschen beobachtet. In Polen war bereits 1998 die gesamte Landesfläche betroffen. In vielen Ländern Europas und auch am Eberswalder Forstkompetenzzentrum laufen die Forschungen auf Hochtouren. Denn: "Es gibt derzeit keine Bekämpfungsmöglichkeit", betont der Wissenschaftler. Im Landeswald Brandenburgs bestehe nun ein Anbauverbot für die Baumart.

Quelle: dpa
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Mexiko Ist diese Frau der älteste Mensch der Geschichte?
Mexiko Hunderttausende tote Fische machen Fischern Sorgen
Kampf gegen IS USA fliegen tonnenweise Hilfsgüter in den Nordirak
Erdrutsche Hochwasser in China führt zu acht Toten
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Nina Hagens Tochter

Schauspielerin Cosma Shiva Hagen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote