Räumung

Polizei löst "Fürstentum Germania" auf

Jede Woche versammelten sich bs zu 150 Menschen im Schloss Krampfer. Anfang des Jahres gerieten die Bewohner in den Blickpunkt, als sie hier den "Kirchenstaat Fürstentum Germania" ausriefen und die Unabhängigkeit von der Bundesrepublik erklärten. Die Polizei hat das Schloss jetzt geräumt.

Foto: dpa / DPA

Die Polizei hat am Mittwoch Schloss Krampfer, den Sitz des umstrittenen "Fürstentums Germania", geräumt. Um sechs Uhr rückten Polizei, Bauaufsicht und Mitarbeiter der Prignitzer Kreisverwaltung an. Die Bewohner des ehemaligen Herrensitzes waren zwei Räumungsaufforderungen der Bauaufsicht nicht nachgekommen. Das Schloss diente einer Gruppe von Aussteigern als Wohn- und Versammlungsort. Ihre politischen Ansichten seien eine besorgniserregende Mischung aus Rechts- und Linksextremismus, sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) kürzlich.

"Wir gehen hier wie in anderen Fällen auch vor", sagte Edelgard Schimko von der Prignitzer Kreisverwaltung. "Die Nutzer und auch die Eigentümer des Schlosses haben die aufgezeigten Möglichkeiten nicht genutzt und nun nehmen wir in der Folge als nächsten Schritt die Zwangsräumung vor."

Zwanzig Jahre Leerstand

Mehr als zwanzig Jahre stand das Schloss leer. Die Bauaufsicht hatte darum einen Bauantrag und einen Antrag auf Umnutzung zu Wohnzwecken für das denkmalgeschützte Gebäude gefordert. Zu den Auflagen gehörten auch eine intakte Heizungsanlage, eine Kläranlage und gesicherte Stromleitungen.

Die Bewohner des Schlosses in Krampfer waren Anfang des Jahres in den Blickpunkt geraten, als sie hier den "Kirchenstaat Fürstentum Germania" ausriefen und die Unabhängigkeit von der Bundesrepublik erklärten. Zuweilen versammelten sich hier an den Wochenenden mehr als 150 Menschen und diskutierten über den Fortbestand des dritten Reiches ebenso wie über eine Verfassung und einen Volksrat für ihren Staat.

Das Spektrum der Bewohner und Sympathisanten reicht angeblich von rechtsradikalen Esoterikern über Verschwörungstheoretiker bis hin zu Mitgliedern der autonomen linken Szene. Das hatte im Ort für viel Unruhe und Unsicherheit bei den Bewohnern sorgte. Das "Fürstentum" sei auch nach der Zwangsräumung des Schlosses nicht untergegangen, sagten einige der jungen Leute jetzt trotzig. Sie dürfen das Grundstück weiterhin nutzen, Zelte aufbauen und Tiere halten. Einige haben seit langem leerstehende Häuser im Ort gemietet.

Mehrere leere Wohnhäuser gemietet

Auch im benachbarten Kleinow soll den jungen Leuten ein Gelände mit Baracken und Werkstätten verpachtet worden sein, hieß es. Dort war ein ehemaliges LPG-Anwesen vor etwa drei Jahren in den Schlagzeilen. Damals wollte angeblich die rechtsextreme NPD dort ein Schulungszentrum eröffnen.

"Was die Leute hier tun, werden sie alle noch bereuen, spätestens beim großen Volksaufstand in Deutschland, der absehbar bevorsteht", sagte Jens Willmann, einer der Bewohner des Schlosses. Auch nach der Zwangsräumung des Schlosses würden das Gelände und seine Nutzer im Blickfeld behalten, kündigten Polizei und Behörden an.

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