15.03.12

Bernauer Millionenraub

Geständnis 20 Jahre nach tödlichem Überfall

Ein Geständnis, bei dem viele Fragen offenbleiben: 20 Jahre nach einem tödlichen Überfall im brandenburgischen Bernau hat ein Angeklagter vor Gericht die Tat zugegeben. Doch von seinen Komplizen und der millionenschweren Beute fehlt weiter jede Spur.

Foto: dpa/DPA
Prozess tödlicher Überfall mit Millionenbeute
Der Angeklagte Klaus-Dieter L. sitzt mit einer Mütze über dem Gesicht im Verhandlungssaal des Landgerichts in Frankfurt (Oder)

Einer der mutmaßlichen Täter eines tödlichen Überfalls auf einen millionenschweren Geldtransporter in Bernau (Barnim) vor 20 Jahren hat am Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) gestanden. Bei der gemeinsam mit unbekannten Komplizen begangenen Tat im Juni 1992 wurden 3,5 Millionen Mark erbeutet, einer der Wachmänner wurde getötet. Weitere Angaben machte der 60 Jahre alte Angeklagte nicht.

Sein Geständnis war Teil einer Verständigung zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht. Dem Mann, der derzeit wegen eines anderen schweren Raubes eine längere Haftstrafe verbüßt, hätte bei einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe gedroht. Jetzt könnte er mit einer deutlichen geringeren Strafe davonkommen.

Allerdings ist der Prozess noch nicht zu Ende. Offen ist, wer die Komplizen des Geständigen waren, wer geschossen hat und wo die Beute ist. Die Staatsanwaltschaft hält es für möglich, dass der Mann mit seinem Geständnis jemanden aus dem familiären Umfeld decken will. Staatsanwältin Anette Bargenda sprach von "äußerst umfassenden und schwierigen Ermittlungen", die auch ins europäische Ausland reichten. Das Gericht hörte am Donnerstag zahlreiche Zeugen, die sich – fast 20 Jahre nach dem Geschehen – aber kaum noch an Details erinnerten.

Auf die Spur des 60-Jährigen waren die Ermittler durch eine DNA-Probe gekommen. Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft. Er war in den 70er-Jahren führendes Mitglied der sogenannten "Hammerbande", die in Berlin serienmäßig Geldboten und Geldtransporter überfiel. Die Motivation des gelernten Schriftsetzers sei stets gewesen, "das ganz große Ding zu drehen", zitierte der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs aus der damaligen Anklageschrift des Landgerichts Berlin.

Der trainierte Karatekämpfer soll Anfang der 70er-Jahre beschlossen haben, quasi erwerbsmäßig Räuber zu werden und von der Beute zu leben. Für die damals verübten Überfälle wurde er 1980 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Zunächst gelang ihm zwar die Flucht, Monate später wurde er aber wieder gefasst.

Vieles in dem Bernauer Millionenraub ist noch immer ungeklärt

Im April 1992 wurde der "Berufsräuber" auf Bewährung entlassen, nachdem er in der Haft sein Abitur nachgemacht und ein Studium begonnen hatte. Zwei Monate später hat er dann, nach eigener Aussage, den Überfall in Bernau begangen. Gefasst wurde damals jedoch niemand.

2007 wurde der Mann dann für eine ganz ähnliches Delikt vor dem Landgericht Halle erneut verurteilt – zu gut 13 Jahren Haft. Ihm wurden ein gemeinschaftlicher Überfall auf einen Geldtransporter in Sachsen-Anhalt, bei dem ein Wachmann schwer verletzt wurde, und weitere Delikte zur Last gelegt. Die Haftstrafe sitzt er derzeit ab.

Vieles in dem Bernauer Millionenraub ist noch immer ungeklärt: So hätten Ermittlungen ergeben, dass die Familie des Angeklagten 1992 über 700 000 Mark auf Konten in Österreich eingezahlt habe, sagte die Staatsanwältin. Ob das Geld aus dem Überfall in Bernau stammt, ist aber nicht nachgewiesen. Konkrete Hinweise auf die Mittäter gibt es nicht, allerdings wurden weitere DNA-Spuren sichergestellt.

Ebenfalls offen ist, ob beim zweiten Verhandlungstag am kommenden Montag (19.3.) bereits mit einem Urteil zu rechnen ist.

Quelle: dpa/nbo
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