Verbrannte Mädchen
Anwalt kündigt umfangreiche Aussage des Vaters an
Was zunächst wie ein dramatischer Unfall wirkte, wurde für die Ermittler schnell zu einem komplizierten Kriminalfall. Im Streit um das Sorgerecht soll ein dänischer Vater seine Töchter ermordet haben. Nun steht er vor Gericht.
Auf einem Waldweg zwischen den Ortschaften Kremmen und Börnicke (Brandenburg) wurde im August 2011 ein ausgebranntes Fahrzeug entdeckt.
Zitternd schützt der Mann mit einem Blatt Papier sein Gesicht vor Dutzenden von Kameras. Zahlreiche Journalisten aus Dänemark sind nach Potsdam gekommen, um über das Familiendrama zu berichten. Rund sechs Monate sind seit dem qualvollen Tod von Line Sofie (9) und Marlene Marie (10) aus dem dänischen Badeort Öster Hurup vergangen – noch immer sorgt der Fall für Entsetzen und für Schlagzeilen. Ihr Vater soll sie während eines Urlaubs in Deutschland getötet haben, weil er sie der geschiedenen Ex-Frau nicht gönnte.
Seit Dienstag muss sich der 40-Jährige wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Wegen der Erkrankung einer Richterin wurde die Verhandlung allerdings nach wenigen Minuten unterbrochen. Der Prozess soll am 1. März (9 Uhr) fortgesetzt werden. Der Verteidiger des Beschuldigten kündigte eine umfangreiche Aussage des 40-Jährigen an.
Laut Staatsanwalt Peter Petersen tötete der Vater die Mädchen im August 2011 in einem Wald bei Börnicke (Havelland). Der Däne soll die Schwestern mit einem Schlafmittel betäubt, dann den Wagen mit Benzin übergossen und angezündet haben, in dem sie saßen.
"Er hat den Tod seiner Mädchen zu verantworten", sagte Anwalt Thomas Arndt. "Es ist aber fraglich, in welcher Form er dafür zur Verantwortung zu ziehen ist." Zentrale Frage in dem Prozess wird sein, in welcher psychischen Verfassung sich der Angeklagte zum Tatzeitpunkt befand. In ihrem vorläufigen Gutachten habe die Sachverständige Cornelia Mikolaiczyk den Vater als schuldfähig eingestuft, berichteten Staatsanwalt und Verteidiger.
Sein Mandant sei bereits in Dänemark in Behandlung wegen einer Depression gewesen, so Arndt. Der gelernte Landwirt, der zuletzt zum Berufsschullehrer umsatteln wollte, habe sich vergangenen Sommer in einer schwierigen Situation befunden. Neben finanziellen Engpässen hätte das Sorgerecht für die Mädchen für Probleme gesorgt. Die Kinder seien ihm zunächst nach der Scheidung zugesprochen worden. Als er mit ihnen hätte wegziehen wollen, habe seine Ex-Frau dies verhindert.
Nach Angaben des Anwalts wollte der Däne ursprünglich Selbstmord begehen und die Töchter mit in den Tod nehmen. "Es war sein Plan, gemeinsam mit den Kindern zu sterben", so Arndt. Der Angeklagte habe damals selbst starke Brandverletzungen davongetragen, weil er zunächst auch in dem Auto gesessen habe. "Nach meiner Einschätzung war dann aber der Überlebensinstinkt größer", so Arndt.
Sein Mandant war am 12. August schwer verletzt an der Autobahn 24 (Hamburg-Berlin) umhergeirrt. Polizisten stießen dann in der Nähe auf sein ausgebranntes Auto mit zwei verkohlte Leichen - Line Sofie und Marlene Marie, wie sich später herausstellte. Ein toxikologisches Gutachten belegte Schlafmittel im Körper der Kinder. Ein Unfall, von dem der Vater der Polizei zunächst berichtet hatte, war damit widerlegt.
Die Mutter der Mädchen tritt nun in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Am 22. März soll sie nach Angaben von Gerichtssprecher Ralf-Dietrich Schulz als Zeugin gehört werden. "Vielleicht kommt sie auch schon früher", so ihr Anwalt Matthias Schöneburg. "Heute hatte sie dafür noch nicht die Kraft."
Um die Hintergründe der Tat zu klären, hat das Gericht weitere Zeugen aus dem Umfeld des Dänen geladen: seinen Psychotherapeuten, Familienangehörige, Freunde. Bislang hat Richter Frank Tiemann 13 weitere Verhandlungstage bis zum 31. Mai geplant.
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