Nauen (Havelland)

Brandenburger Bauer erschießt Tierarzt mit Schrotflinte

Ein 72 Jahre alter Bauer hat auf einem Hof in Klein Behnitz bei Nauen mit einer Schrotflinte einen Mitarbeiter des Veterinäramts erschossen. Der Landwirt sollte seine Rinder abgeben.

Foto: Steffen Pletl

Mit einer kaum fassbaren Bluttat mitten in der brandenburgischen Provinz müssen sich derzeit die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei in Potsdam beschäftigen. Auf einem Bauernhof in der Nähe von Nauen (Havelland) hat ein Landwirt einen Tierarzt des Veterinäramtes erschossen.

Nach ersten Erkenntnissen gab der 72-jährige Wilfried Z. die tödlichen Schüsse auf den Mitarbeiter der Behörde mit einer Schrotflinte ab, als der am Dienstagmorgen gemeinsam mit zwei Kolleginnen und zwei Tiertransportern auf dem Hof in Klein Behnitz erschienen war. Der Bauer soll mit der Haltung seiner Tiere überfordert gewesen sein.

Wie ein Polizeisprecher am Dienstagnachmittag mitteilte, fielen die Schüsse gegen 9.45 Uhr. Während der Tierarzt Frank M. tödlich verletzt am Boden lag, retteten sich seine beiden Kolleginnen auf den Nachbarhof, von wo aus sie die Polizei alarmierten. Diese traf kurz darauf mit einem Großaufgebot auf dem Hof ein.

Die ersten Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat ergaben, dass das Veterinäramt des Landkreises Havelland etwa 30 Rinder aus dem Bestand des 72-Jährigen einziehen wollte. Hierfür war ein spezielles Viehtransportfahrzeug vor dem Bauernhof von Wilfried Z. vorgefahren. Als Reaktion darauf soll der Landwirt nach einer heftigen verbalen Auseinandersetzung plötzlich um sich geschossen haben.

Der 61-jährige Frank M. starb noch am Tatort, seine Kolleginnen blieben unverletzt, erlitten allerdings beide einen schweren Schock. Der Schütze konnte nach Polizeiangaben kurz nach der Tat von Polizeibeamten überwältigt und festgenommen werden. An der Festnahme des bewaffneten und als gefährlich eingeschätzten Mannes waren auch Spezialkräfte der Polizei beteiligt. Eine Mordkommission der Polizeidirektion West hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Bis in die Nachmittagstunden haben die Beamten der zuständigen Mordkommission Spuren am Tatort gesichert.

Zwei Schüsse nach heftigem Streit

"Nach einer kurzen Pause eines lautstark geführten Gesprächs sind zwei Schüsse gefallen", sagt Zeuge Detlef Kleinow. Der 52 Jahre alte Mann wohnt vis à vis des Gehöftes. Gegenüber der Berliner Morgenpost gab er kurz nach der Tat an, dass es bereits in der Vergangenheit immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem Bauern und der Behörde gekommen war.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost war das zuständige Kreisveterinäramt schon seit Längerem mit dem Landwirt und den Zuständen auf seinem Hof befasst. Es gab offenbar mehrere Anzeigen und Untersuchungen zur Tierhaltung. So sollen die Tiere des 72-Jährigen immer wieder ausgerissen sein – offenbar, weil sie nicht genug Futter und Wasser bekamen. Auch die Gebäude des Hofes und die Weidezäune waren nach Angaben von Nachbarn schon seit Längerem in einem maroden Zustand, was die Behörde bemängelte.

Verwahrloste Tiere

Als Konsequenz aus diesen Zuständen hatte der Landkreis dem 72-Jährigen schon im vergangenen Jahr Auflagen zur Tierhaltung erteilt. So sollte er seinen Rinderbestand auf fünf Tiere reduzieren. Außerdem wurde ihm ein erfahrener Landwirt an die Seite gestellt. Sowohl aus der Kreisverwaltung als auch aus der Nachbarschaft des Schützen hieß es, Wilfried Z. habe mehrfach sehr deutlich seinen Unmut über diese Maßnahmen geäußert und zudem angekündigt, diese nicht einfach hinnehmen zu wollen.

"Dass er sich möglicherweise gegen die Wegnahme seiner Tiere wehrt, damit musste man rechnen, dass der aber gleich wie wild um sich schießt und dabei einen Menschen tötet, dass hat wohl keiner geahnt", sagte eine Nachbarin. Vielmehr hätte sie erwartet dass er sich selber etwas antun würde, denn er sei schwer krank. Vor Jahren ist es auf dem Hof zu einem Unfall gekommen. Damals hatte ein Bulle den Bauern an die Wand gequetscht. Dadurch hat er eine Niere verloren und muss seither regelmäßig zur Dialyse. Bewohner aus dem Dorf haben ihm stets geholfen, wenn er zur Behandlung im Krankenhaus war. "Seine beiden Schäferhunde mussten ebenfalls versorgt werde. Im Sommer hatten sie oftmals nicht ausreichend Wasser und mussten in der prallen Sonne im Zwinger den Tag ausharren", berichtet die Nachbarin.

"Er war Großbauer und hat mehr als 100 Hektar Land besessen", sagt eine andere Nachbarin. Seit Generationen ist die Familie Z. im Dorf ansässig, und jeder kennt den 72-Jährigen. Er lebt seit Jahren alleine, soll jedoch nach Angaben von Nachbarn eine Schwester haben, die in Berlin wohnt.

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