08.01.14

Urkundenfälschung

Falsche Lehrerin unterrichtet jahrelang - wohl auch in Berlin

Mit einem gefälschten Abschluss hat eine Frau Schulkinder unterrichtet - jahrelang unerkannt. Die falsche Lehrerin arbeitete vor allem in Norddeutschland, gab aber wohl auch Unterricht in Berlin.

Von Regina Köhler

Eine falsche Lehrerin soll jahrelang in Norddeutschland – aber wohl auch in Berlin und Brandenburg – Schulkinder unterrichtet haben. In Mecklenburg- Vorpommern wurde sie eingestellt, als die Staatsanwaltschaft Kiel schon gegen sie ermittelte und sie kurz zuvor in Schleswig-Holstein ihren Beamtenstatus verloren hatte.

Zuvor hatte sie jahrelang Jugendliche in den Fächern Deutsch und Kunst unterrichtet. Sogar Abiturprüfungen nahm sie ab. Erst nach 18 Jahren schöpfte ein Schulleiter Verdacht und kam der falschen Lehrerin auf die Schliche.

DDR-Staatsbürgerkunde zu "Sozialkunde" gefälscht

Nach den bisherigen Ermittlungen hat die 48-Jährige ihren Abschluss gefälscht, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel am Mittwoch sagte. Die Behörde ermittele wegen Betrugs und Urkundenfälschung, die Ermittlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Nach früheren Angaben des Kieler Bildungsministeriums hatte sie 1990 ihr Diplom in Deutsch und in – der als Propagandafach geltenden – Staatsbürgerkunde abgelegt, daraus aber "Sozialkunde" gemacht.

Von 2000 bis 2008 hat die Frau auch in Berlin unterrichtet. Sie soll an der Ruth-Cohn-Schule beschäftigt gewesen sein. Das Oberstufenzentrum Sozialwesen befindet sich an der Bismarckstraße in Charlottenburg. In Berlin soll die Frau, die zuvor ihren Beamtenstatus verloren hatte, 2002 erneut verbeamtet worden sein.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte dazu lediglich: "Wir haben vor einem halben Jahr ebenfalls Strafanzeige gegen die Frau gestellt." Die Schadenshöhe betrage insgesamt rund 70.000 Euro. Der erste Hinweis, dass mit den Zeugnissen der Frau etwas nicht stimmen könne, sei von einer Schulbehörde in Schleswig-Holstein gekommen. Bei einer internen Prüfung sollen Unregelmäßigkeiten in der Personalakte der Frau aufgefallen sein. Auch vom Landesprüfungsamt Nordrhein-Westfalen sei eine Strafanzeige eingegangen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Kiel. Offenbar hat die Frau ein Abschlusszeugnis einer dortigen Hochschule gefälscht.

Die Lehrerin unterrichtete auch in Schleswig-Holstein

Die aus Wismar stammende Frau hat der Staatsanwaltschaft zufolge zunächst in Brandenburg, dann in Berlin und danach unter anderem an Gymnasien in Mölln und Lübeck unterrichtet. Laut dem Norddeutschen Rundfunk stand die falsche Kunst- und Deutschlehrerin auch in Vorpommern vor Schulklassen. Zuletzt war sie an Schulen in Lübstorf bei Schwerin und zeitgleich als Vertretungslehrerin in Bad Kleinen (Nordwestmecklenburg) beschäftigt.

Die Pädagogin hatte von 2008 bis Anfang 2013 am Thomas-Mann-Gymnasium in Lübeck und am Marion-Dönhoff-Gymnasium Mölln unterrichtet. Dem Schulleiter in Mölln war die Diskrepanz zwischen ihren guten Examensnoten und dem Auftreten an der Schule aufgefallen. "Die Performance war ganz anders als die Bewertung", hatte der Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, Thomas Schunck, im Mai 2013 gesagt, als in Schleswig-Holstein bereits über den Fall berichtet worden war. Im Februar wurde ihr demnach der Beamtenstatus entzogen.

Laut NDR wechselte sie im März 2013 nach Nordwestmecklenburg. Dies geschah trotz der laufenden Ermittlungen und der deutschlandweiten Berichterstattung. Als es dann im August 2013 den Hinweis der Ermittler an die Schulbehörden im Nordosten gab, erfolgten auch in Mecklenburg-Vorpommern Nachprüfungen. Die Lehrerin soll dann einen Auflösungsvertrag unterschrieben haben.

Behörden klären nicht auf

Offiziell soll die Pädagogin den Schuldienst aus persönlichen Gründen aufgegeben haben. Das Schulamt Schwerin soll Kollegen, Eltern und Schüler bis heute nicht über den wahren Grund informiert haben. Auch das Bildungsministerium soll über den Fall bisher nicht aufgeklärt haben. Schleswig-Holstein soll von der falschen Lehrerin 200.000 Euro Gehalt zurückfordern. In Brandenburg soll die Frau während der 13 Jahre, die sie dort im Schuldienst tätig war, mehr als 650.000 Euro Gehalt erhalten haben. Das Land soll aber keine Rückforderung gestellt haben, da vieles schon verjährt ist. Ministeriumssprecher Stephan Breiding sagte, dass die Juristen des Landes Brandenburg nur eine geringe Erfolgschance sehen würden.

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