26.02.13

Indizienprozess

DNA-Spuren - Gutachter im Scholl-Prozess erneut befragt

Ex-Bürgermeister Heinrich Scholl beteuert, seine Frau nicht getötet zu haben. DNA-Spuren belasten ihn. Ein Gutachter musste erneut aussagen.

Foto: dpa
Der Ludwigsfelder Ex-Bürgermeister Heinrich Scholl spricht mit seiner Anwältin Heide Sandkuhl. Scholl soll seine Ehefrau im Dezember 2011 in einem Waldstück erdrosselt haben, er selbst beteuert seit über einem Jahr seine Unschuld
Der Ludwigsfelder Ex-Bürgermeister Heinrich Scholl spricht mit seiner Anwältin Heide Sandkuhl. Scholl soll seine Ehefrau im Dezember 2011 in einem Waldstück erdrosselt haben, er selbst beteuert seit über einem Jahr seine Unschuld

Kurz vor den Plädoyers im Prozess gegen den früheren Kommunalpolitiker Heinrich Scholl (70) ist der Verfasser eines Gutachtens zu DNA-Spuren vom Tatort erneut befragt worden.

Die Richter am Landgericht Potsdam lehnten einen Beweisantrag am Dienstag zwar zunächst ab, in dem die Anwälte von Scholl Zweifel an der Neutralität des Biochemikers geäußert hatten. Dennoch musste sich der Gutachter im Anschluss an die Vernehmung einer Sachverständigen des Landeskriminalamtes Brandenburg zu Unklarheiten im Gutachten äußern.

Auf dem Slip der erdrosselten Ehefrau des Angeklagten waren DNA-Spuren gefunden worden, die von dem Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde stammen könnten.

Schnürsenkel wichtiges Indiz

Auch die Schnürsenkel von Heinrich Scholl gewinnen zentrale Bedeutung. Mit ihnen wurden die Ehefrau und der Hund des angeklagten Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde erdrosselt worden. Laut Gutachten wurden an ihnen DNA-Spuren entdeckt, die auf Scholl weisen.

Ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg hatte vor dem Landgericht Potsdam berichtet, der Angeklagte sei Hauptverursacher von Spuren an dem Schnürsenkel, mit dem der Hund getötet wurde. Dessen Kadaver war 2011 neben der Leiche von Brigitte Scholl (67) gefunden worden.

Die Kosmetikerin wurde mit einem vergleichbaren Schnürsenkel erdrosselt. Auch an diesem Band fanden sich Spuren, die laut dem LKA-Biochemiker auf Scholl weisen. Brigitte Scholls Leiche war Ende Dezember 2011 halbnackt in einem Wald gefunden worden.

Scholl streitet Tat ab

Der 70-Jährige bestreitet, seine Frau erdrosselt zu haben – kriminalistische Kleinarbeit ist darum in dem Indizienprozess gefragt. Mehr als 80 Zeugen wurden bislang gehört. Deren Antworten hatten mitunter mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen. Auch Ergebnisse zur Ortung des Handys von Scholl am Tattag ließen Fragen offen.

Den DNA-Spuren kommt deshalb eine umso größere Bedeutung zu. Das wissen auch Scholls Verteidiger: Anwältin Heide Sandkuhl und ihr Kollege Stefan König in die Verhandlung eine Wissenschaftlerin mitgebracht, die sie bei der Befragung immer wieder um Rat fragten.

Tatsächlich konnte der LKA-Experte nicht ausschließen, dass die Spuren von Scholl aus dem täglichen Gebrauch stammten und vor der Tat an die Schnürsenkel gelangten. "Aber wie kommen dann die Schnürsenkel an den Tatort?", so Rechtsanwalt Sven Rasehorn am Rande des Prozesses. Er vertritt Scholls Sohn, der in dem Verfahren Nebenkläger ist.

Dass die Schnürsenkel aus dem Haushalt der Familie Scholl stammten, scheint belegt: Auch DNA vom Opfer wurde an ihnen sichergestellt. Zudem fand die Polizei derartige Bänder in der Garage der Familie.

Am Vormittag war unklar, ob noch am Dienstag mit den Plädoyers begonnen wird.

Quelle: dpa/mim
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