20.02.13

Potsdam

Warum Clooney und Tarantino gern in Babelsberg arbeiten

Rund um das Filmstudio tummeln sich meist nur wenige Paparazzi und kreischende Fans. Das liegt vor allem an der Diskretion der Babelsberger.

Foto: dpa

2009 drehte Quentin Tarantino in Babelsberg den Kriegs-Films „Inglourious Basterds“
2009 drehte Quentin Tarantino in Babelsberg den Kriegs-Films "Inglourious Basterds"

Branchendienste berichten von einem neuen, großen Projekt – das Filmstudio Babelsberg schweigt. Klatschreporter sichten Hollywoodstars in der Region – kein Wort dazu aus Potsdam. Paparazzi liefern die Fotos – es bleibt bei "kein Kommentar". So etwas sagt Studiosprecher Eike Wolf derzeit oft.

Oscar-Preisträger George Clooney will in Babelsberg seinen Film "The Monuments Men" drehen und hat dafür seit Wochen ein eigenes Büro auf dem Gelände des Studios. Dass dem so ist, bestätigte das Studio jedoch erst vor Kurzem. Aus gutem Grund, wie Wolf meint.

Tom Cruise kam nicht wegen Thierse

"Genauso schnell wie die Top-Projekte da sind, können sie auch wieder weg sein", erklärt er und verweist auf Hollywoodstar Tom Cruise. Der wollte 2004 im Studio und in Berlin "Mission Impossible 3" drehen. Die Crew hatte in Babelsberg Büros. Doch dann gab Bundestagspräsident Wolfgang Thierse kein grünes Licht für Dreharbeiten in der Reichstagskuppel – und weg war Weltstar Cruise.

Andere blieben: Zum Beispiel Quentin Tarantino, der mit Weltstars wie Brad Pitt in Babelsberg "Inglourious Basterds" drehte – und mit seiner Crew dort arbeitet, wo nun Clooney und seine Leute sitzen. Sie alle können auf Verschwiegenheit setzen.

"Wir brauchen nicht um Aufmerksamkeit zu kämpfen – Babelsberg kennt jeder in der Branche", sagt Wolf mit Blick auf die über 100-jährige Geschichte des Studios. "Die Referenzen müssen wir uns aber immer wieder neu erarbeiten – mit jedem neuen Film."

Das Studio gibt sich stets vorsichtig

Die Zurückhaltung ist aus Sicht des Ex-Direktors der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"(HFF), Dieter Wiedemann, angebracht – vor allem in Zeiten von Twitter und Co. "Obwohl Cast und Geld noch nicht gesichert sind, schwirrt das schon durch die Welt – dadurch werden Menschen und Projekte schnell verbrannt", meint der langjährige Hochschulleiter. "Verschwiegenheit wird darum immer wichtiger in unserem Gewerbe. Man sollte erst etwas sagen, wenn die Verträge unterschrieben sind", rät Wiedemann.

Am Rande der Berlinale war zu beobachten, wie vorsichtig das Studio ist. Obwohl die Dreharbeiten zu "The Book Thief" ("Die Bücherdiebin") mit Emily Watson und Geoffrey Rush in Kürze starten, hatte das Unternehmen dazu noch nichts mitgeteilt. Beim Empfang der Filmförderanstalt "Medienboard" stand nun Produzent Redmond Morris samt Crew-Mitgliedern auf dem roten Teppich – für die Medien der Beweis, dass Gerüchte stimmen. Sprecher Wolf bestätigte offiziell – aber erst nachdem der Produzent auch das Okay gegeben hatte.

"Klar ist das paradox", sagt Wolf. "Der Film braucht Aufmerksamkeit. Das fertige Produkt wird aufwendig beworben – aber vorher wollen die Unternehmen nichts kommunizieren." Das Studio hält sich daran, weil monatelange Verhandlungen und die aufwendige Suche nach Drehmotiven nicht vergeblich gewesen sein sollen.

Hanks und Berry waren mit deutschen Fotografen sehr zufrieden

"Außerdem brauchen wir Ruhe für die Arbeit" betont Produzent Stefan Arndt. Für "Cloud Atlas" ("Wolkenatals") hat Arndt mit den Oscar-Preisträgern Tom Hanks und Halle Berry in Babelsberg gearbeitet. "Die waren glücklich hier – weil sich die Fotografen noch benehmen", sagt Arndt. Es gilt die Persönlichkeitsrechte der Stars zu wahren. Vor allem aber geht es um den Produktionsplan. Stören Fans oder Paparazzi den geplanten Ablauf am Set, ist alles in Gefahr: die Laune der Stars, deren Lust am Spiel, der Zeitablauf – und das kostet Geld.

"Die Berliner gehen noch recht entspannt mit der Filmerei um", meint eine Mitarbeiterin von Arndt. Studiosprecher Wolf beobachtet jedoch, dass sich Foto-Jäger – Laien wie Profis – zunehmend vernetzen. Ihre Beute sind Bilder von Clooney auf Motivsuche in Berlin und Brandenburg. "Gerne sehen wir das nicht – aber verhindern können wir es nicht", meint Wolf. Nur kommentieren wird er es nicht.

Quelle: dpa/BM
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