20.02.13

Potsdam

Landtags-Architekt beschimpft Ministerium und Baukonzern

Brandenburgs Abgeordnete sollen einen neuen Landtag bekommen. Architekt Peter Kulka droht nun beim Endspurt mit Rückzug.

Von Gudrun Mallwitz
Foto: Massimo Rodari
Massimo Rodari
Peter Kulka, Architekt vor seiner Baustelle, dem neuen Landtag in Potsdam

Beim symbolischen letzten Hammerschlag für das Kupferdach des neuen Landtags in Potsdam ist es in Anwesenheit von Mäzen Hasso Plattner und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zu einem Eklat gekommen: Architekt Peter Kulka erhob am Dienstag bei der Feier schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen des Prestige-Baus.

Er beklagte "ständige Auseinandersetzungen" zwischen Finanzministerium als Bauherrn und dem Baukonzern BAM Deutschland. Sie schadeten dem Vorhaben massiv. Als Architekt sei er längst zwischen die Mühlen der juristischen Kämpfe um die Kosten geraten. "Bürokratie ist ein schlechter Bauherr", mahnte Kulka.

Der Architekt dürfe nicht "fünftes Rad am Wagen sein", kritisierte er scharf. "Ich habe bereits einmal überlegt, aus dem Projekt auszusteigen", sagte Kulka mit bebender Stimme. "Jetzt überlege ich das ein zweites Mal."

Anlass für Kulkas Ausbruch: Das Finanzministerium hat ihm mitgeteilt, die von ihm geplante und von der Gestaltungskommission des Landtags befürwortete Kuppel über dem historischen Treppenhaus sei aus Kosten- und Zeitgründen derzeit nicht vorgesehen.

Finanzminister Helmuth Markov (Linke) sagte gegenüber der Berliner Morgenpost, die Kuppel könnte später immer noch aufgesetzt werden. Der Landtagsneubau sollte schon in diesem Jahr fertig werden, ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest. Die Abgeordneten können die Büros voraussichtlich erst 2014 beziehen.

Umplanungen und Streit um die Mehrkosten

Die Arbeiten verzögern sich durch Umplanungen und den Streit um die Mehrkosten. 120 Millionen Euro waren für den Bau vorgesehen, er könnte bis zu 18,5 Millionen Euro teurer werden.

Der Milliardär Hasso Plattner, der mehr als 20 Millionen Euro für die historische Fassade und über 1,6 Millionen Euro für das Kupferdach spendete, zeigte Verständnis für Kulkas Ärger. "Da ist schon was Wahres dran", sagte Plattner. "Bauen ist schwierig." Platzeck sagte: "Ich schätze Kulkas Emotionalität. Ohne sie wäre er kein so guter Architekt."

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wollte sich nicht äußern. Der Stadt hatte Kulka Ignoranz vorgeworfen. Bei der Gestaltung der Umgebung des Landtagsschlosses beziehe sie den Architekten nicht ein. Der geplante Neubau für die Weiße Flotte nahe des Schlosses sei "ein Verbrechen", so Kulka.

Er war als Redner gar nicht vorgesehen, das Finanzministerium habe ihm verboten, sich zu den Ehrengästen zu stellen. "Das sind Stasi-Methoden", so Kulka zur Berliner Morgenpost. "So etwas sei in Dresden undenkbar. Dort wurde gerade erst im Residenzschloss der von Kulka gestaltete Riesensaal als Museum eröffnet.

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