16.02.2013, 08:23

Cottbus 2500 Bürger protestieren gegen NPD-Aufmarsch


Rund 2500 Menschen haben in Cottbus gegen einen NPD-Aufmarsch protestiert. Die Einwohner wollen mit Veranstaltungen an die Toten des alliierten Luftangriffs vom 15. Februar 1945 auf die Lausitzstadt erinnern. Das Gedenken wird immer wieder auch von Rechtsextremen missbraucht

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Rund 2500 Menschen haben in Cottbus gegen einen NPD-Aufmarsch protestiert. Die Einwohner wollen mit Veranstaltungen an die Toten des alliierten Luftangriffs vom 15. Februar 1945 auf die Lausitzstadt erinnern. Das Gedenken wird immer wieder auch von Rechtsextremen missbraucht Foto: Oliver Mehlis / dpa

Neonazis wollten die Bombardierung von Cottbus im Jahr 1945 für ihre Zwecke missbrauchen. Tausende Gegendemonstranten haben das verhindert.

Ein breites Aktionsbündnis hat am Freitag unter dem Motto "Cottbus bekennt Farbe" gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD in der Lausitzstadt protestiert.

2500 Menschen zogen nach Veranstalterangaben durch die Straßen. "Das ist fantastisch, dass so viele Menschen klarmachen, dass sie nichts mit Rassismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus zutun haben wollen", sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke) . Cottbus habe klar gezeigt, dass es eine weltoffene Stadt ist. "Cottbus ist kein Ort für Nazis", betonte der stellvertretende Ministerpräsident.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellten sich etwa 100 Neonazis in den Weg. "Das ist ein ganz wichtiges Zeichen", meinte Bildungsministerin Martina Münch (SPD). "In Cottbus gibt es keinen Platz für Geschichtsverdrehungen." Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) ergänzte: "Die Stadt kann stolz auf sich sein, dass so viele Menschen gegen den brauen Spuk auf die Straße gegangen sind."

Polizei mit Großaufgebot im Einsatz

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Mehr als 500 Einsatzkräfte von Landeseinsatzeinheit, Polizeidirektion Süd und Bundespolizei waren im Stadtgebiet unterwegs. Bis zum Abend wurden keinerlei Zwischenfälle gemeldet. Mit friedlichen Spontandemonstrationen versuchten Teile des Aktionsbündnisses den Rechtsextremisten den Weg durch Cottbus zu versperren.

Anlass für die Gegenaktionen war der von der rechtsextremen NPD angemeldete "Trauermarsch" in Erinnerung an den Luftangriff amerikanischer B17-Bomber auf die Stadt vor 68 Jahren. "Ich freue mich wirklich darüber, dass es den Neonazis nicht gelungen ist, diesen Tag für ihre Zwecke zu missbrauchen", erklärte Markov.

Am 15. Februar 1945 wurden durch die Bombardierung der Lausitzer Eisenbahnknotenpunkt sowie angrenzende Wohngebiete zerstört. 1000 Menschen verloren in dem Bombenhagel ihr Leben – zwei Tage nach dem Inferno von Dresden. Zu den Toten gehörten Hunderte Ostflüchtlinge in abgestellten Eisenbahnwaggons.

(dpa/mim)
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