12.02.13

Ludwigsfelde

Indiz Schnürsenkel - DNA von Ex-Politiker am Tatort gefunden

Die Anklage gegen Heinrich Scholl ruht auf Indizien. Dazu zählen Spuren vom Tatort. An einem Schnürsenkel wurde jetzt Scholls DNA festgestellt.

Foto: dpa

Ermittler durchsuchen das Wohnhaus des Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl. Am Fundort der Leiche sind laut Gutachten DNA-Spuren von dem unter Mordverdacht stehenden Politiker gefunden worden
Ermittler durchsuchen das Wohnhaus des Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl. Am Fundort der Leiche sind laut Gutachten DNA-Spuren von dem unter Mordverdacht stehenden Politiker gefunden worden

Im Mordprozess gegen den Ex-Politiker Heinrich Scholl (70) könnten Schnürsenkel eine zentrale Bedeutung gewinnen. Mit ihnen sind die Ehefrau und der Hund des angeklagten Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde erdrosselt worden – laut Gutachten wurden an ihnen DNA-Spuren entdeckt, die auf Scholl weisen.

Ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg berichtete am Dienstag vor dem Landgericht Potsdam, der Angeklagte sei Hauptverursacher von Spuren an dem Schnürsenkel, mit dem der Hund getötet wurde. Dessen Kadaver war 2011 neben der Leiche von Brigitte Scholl (67) gefunden worden.

Kosmetikerin mit Schnürsenkel erdrosselt

Die Kosmetikerin wurde mit einem vergleichbaren Schnürsenkel erdrosselt. Auch an diesem Band fanden sich Spuren, die laut dem LKA-Biochemiker auf Scholl weisen. Auch Anhaftungen an einem Slip des Opfers könnten von ihm stammen. Brigitte Scholls Leiche war Ende Dezember 2011 halbnackt in einem Wald gefunden worden.

Der 70-Jährige bestreitet, seine Frau erdrosselt zu haben – kriminalistische Kleinarbeit ist darum in dem Indizienprozess gefragt. Mehr als 80 Zeugen wurden bislang gehört. Deren Antworten haben mitunter mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen. Auch Ergebnisse zur Ortung des Handys von Scholl am Tattag ließen Fragen offen.

"Aber wie kommen dann die Schnürsenkel an den Tatort?"

Den DNA-Spuren kommt eine umso größere Bedeutung zu. Das wissen auch Scholls Verteidiger: Zum 20. Verhandlungstag hatten Anwältin Heide Sandkuhl und ihr Kollege Stefan König eine Wissenschaftlerin mitgebracht, die sie bei der Befragung immer wieder um Rat fragten.

Tatsächlich konnte der LKA-Experte nicht ausschließen, dass die Spuren von Scholl aus dem täglichen Gebrauch stammten und vor der Tat an die Schnürsenkel gelangten. "Aber wie kommen dann die Schnürsenkel an den Tatort?", so Rechtsanwalt Sven Rasehorn am Rande des Prozesses. Er vertritt Scholls Sohn, der in dem Verfahren Nebenkläger ist.

Dass die Schnürsenkel aus dem Haushalt der Familie Scholl stammten, scheint belegt: Auch DNA vom Opfer wurde an ihnen sichergestellt. Zudem fand die Polizei derartige Bänder in der Garage der Familie.

Der Prozess soll an diesem Donnerstag (14. Februar) mit neun Zeugen fortgesetzt werden. Das Gericht plant bislang Termine bis Ende Februar. Es ist aber fraglich, ob dies ausreicht.

Quelle: BM
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