04.02.13

Baustelle

Auch der Potsdamer Landtag wird teurer und später fertig

Brandenburgs Landtagsabgeordnete werden umziehen. Doch das Stadtschloss ist noch eine Baustelle. Und Mehrkosten drohen auch.

Foto: dpa

Das neue Potsdamer Stadtschloss als künftiger Landtag ist schon ein Hingucker. Im Frühjahr 2013 sollen die Gerüste fallen. Doch Vorsicht: Umzugswagen sollten nicht voreilig bestellt werden
Das neue Potsdamer Stadtschloss als künftiger Landtag ist schon ein Hingucker. Im Frühjahr 2013 sollen die Gerüste fallen. Doch Vorsicht: Umzugswagen sollten nicht voreilig bestellt werden

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat am Montag schon wieder eine Baustelle besucht, auf der die Kosten explodieren und es weitaus langsamer vorangeht als geplant.

Wie beim Pannen-Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld steht derzeit für die Eröffnung des neuen Landtags auf dem Alten Markt in Potsdam immer noch kein fester Termin. Der neue Landtag mit der historischen Fassade des einstigen Stadtschlosses sollte bereits im vergangenen Dezember fertig sein. Der Bau wird in öffentlich-privater Kooperation errichtet.

Beim Rundgang sagte der technische Leiter Thomas Weber für den Generalbauträger BAM Deutschland: "Wenn der Kunde mitspielt, kann in zwei bis drei Monaten ein Eröffnungstermin festgelegt werden. Wir geben Gas." Zuletzt hatte die niederländische BAM die Eröffnung für das Frühjahr 2014 in Aussicht gestellt.

Die BAM und das Finanzministerium als Auftraggeber streiten derzeit über die Mehrkosten von rund 18,4 Millionen Euro für das 120-Millionen-Euro-Projekt. Der Bauträger beantragte mehr als 100 Änderungen, das Finanzministerium erkannte aber nur einen Teil davon an. Bald soll ein Schiedsgericht entscheiden.

Im Inneren entsteht ein moderner heller Bau

Während Finanzminister Helmuth Markov (Linke) und der Architekt des Landtagsschlosses, Peter Kulka, sich optimistisch gaben, dass der Fertigstellungstermin Ende dieses Jahres gehalten werden kann, warnte Matthias Platzeck: "Mit Terminen sind wir vorsichtig geworden." Der Flughafen-Aufsichtsratschef und -Mitgesellschafter zog auch da eine Parallele zum BER-Projekt – und lächelte dabei sogar noch.

Die Abgeordneten des Landtags hatten den Neubau in der historischen Stadtmitte nach jahrelanger Diskussion im Jahr 2005 beschlossen. Bisher ist das Parlament in einer ehemaligen Kriegsschule in einem maroden und zu kleinen Backsteinbau auf dem Brauhausberg untergebracht.

Der Software-Milliardär Hasso Plattner ermöglicht mit seiner Spende von rund 20 Millionen Euro die historische Fassade, auch finanziert er für weitere 1,6 Millionen Euro das Kupferdach. Fassade und Kupferdach sind weitgehend fertig. Im März sollen die Planen an den Fassaden fallen.

Im Inneren entsteht ein moderner heller Bau. Das Zusammentreffen von Historie und Moderne ist eine große Herausforderung für den Dresdner Architekten Peter Kulka. Zumal die Befürworter des originalen Wiederaufbaus sich mit ihm um jedes Detail streiten. Vor allem bei der Gestaltung des Treppenhauses gehen die Vorstellungen weit auseinander. Kulka verzichtete auf den Einbau des historischen Treppengeländers. Die nun geplante geschwungene Treppe und die Brüstung sind modern gestaltet.

Während im Plenarsaal noch roher Beton das Bild bestimmt und auf den Gängen nur der Estrich aufgetragen ist, liegen in den Abgeordnetenbüros schon die roten Teppichböden. Leere Einbauregale und Schränke stehen bereit. "Sehr preußisch und sehr schlicht", befand Platzeck nach dem ersten Blick.

Erstmals besichtigte er das eigene Büro. Es ist größer als die üblichen 18 Quadratmeter und verfügt über ein Vorzimmer und einen Besprechungsraum. Platzeck blickt vom Arbeitszimmer über den Innenhof auf das Fortunaportal und die Nikolaikirche. "Potsdam hat wieder sein Herz gefunden", sagte Platzeck. Zwischen Nikolaikirche, Fortunaportal und Altem Rathaus zeige sich wieder das alte Zentrum.

Platz für 150 Abgeordnete

Das Brandenburger Parlament besteht aus 88 Abgeordneten. Der künftige Landtag ist für 150 Parlamentarier ausgelegt – falls es doch noch zu einer Länderfusion mit Berlin kommt. Bis dahin soll der Landesrechnungshof mit zur Miete einziehen.

Es ist Raum für 371 Büro- und 21 Versammlungsräume entstanden. Auf die Fußböden kommen etwa 9000 Quadratmeter roter Teppich. Obendrein sind etwa 1000 Türen einzubauen. 200 Handwerker aus 30 Betrieben arbeiten derzeit auf mehreren Etagen.

Im Landtag interessierte sich Platzeck unter anderem dafür: Wie viele Zuschauer passen auf die Tribüne? Es sind 170. Wie groß ist ein normales Abgeordnetenbüro? 18 Quadratmeter. Oder: Wie hoch ist der Plenarsaal? Zwölf Meter.

Die BAM meldete Probleme beim Einbau von Medientechnik wie Mikrofone und Computer. Als Platzeck an offenen Kabelschächten vorbeiging, sagte er mit Verweis auf das Chaos am BER: "Kabelbündel habe ich lieben gelernt." Ein Hinweis darauf, dass beim neuen Flughafen Tausende Kabel falsch verlegt wurden.

Die Opposition im Landtag kritisierte die Mehrkosten von derzeit 18,5 Millionen Euro für den Landtagsbau und den mangelnden Überblick. "Offenbar hat Brandenburg kein gutes Händchen bei öffentlichen Bauten", sagte der Fraktionschef der Grünen, Axel Vogel. Er zeigte sich verwundert über die Aussage, dass erst in einigen Monaten ein Eröffnungstermin genannt werden kann. "Offenbar will man sich auch hier zum öffentlichen Gespött machen", sagte Vogel. mit dpa

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