19.01.13

Frankfurt (Oder)

Mehr als 2000 Fledermäuse überwintern in Ruine

Große Fledermaus-Zählaktion in Frankfurt (Oder): Eine Brauererei-Ruine ist eines der größten Winterquartiere in Brandenburg.

Foto: dpa
Fledermäuse in der alten Brauerei
Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Bernd Heuser hält in der alten Brauerei in Frankfurt (Oder) ein Mausohr in den Händen

Lutz Ittermanns geübtem Blick entgeht nichts. Eine Lampe um den Kopf geschnallt, mustert er die Wände in den unterirdischen Gewölbekellern der alten Brauerei, späht in Ecken und Nischen, überprüft winzige Hohlräume und Spalten mit einem Endoskop zum Um-die-Ecke-gucken. Der Naturschützer ist auf der Suche nach schlafenden Fledermäusen, die sich während der kalten Jahreszeit in der Ruine in der Frankfurter City einquartieren.

Alljährlich im Januar gibt es diese stundenlange tierische Bestandsaufnahme in Brandenburgs größtem Winterquartier für vom Aussterben bedrohte Fledermäuse. Für das Große Mausohr, die größte in Deutschland vorkommende Art, sind die unterirdischen Gewölbekeller gar der bedeutendste Überwinterungsort im Land.

Klettern gehört dazu

Um genau zu wissen, von welcher Art die im Schein der Taschenlampe sichtbar werdenden Hautflügler sind, muss Naturschützer Ittermann immer wieder auf die Leiter steigen. Erst wenn er die kopfüber hängenden Winterschläfer aus der Nähe betrachtet, kann er sicher sein.

Sein Mitstreiter Bernd Heuer notiert alle Angaben über Anzahl und Arten. Um die Tiere möglichst nicht aus dem Winterschlaf zu holen, gehen die Naturschützer während der stundenlangen, tierischen Bestandsaufnahme äußerst behutsam vor. Während des Winterschlafes zwischen November und März sinkt die Körpertemperatur der Fledermäuse von 40 auf fünf Grad, sie verbrauchen nur wenig körpereigene Energie. Erst wenn einer der Naturschützer beherzt zugreift und eines der Tiere von der Wand holt, ist empörendes Piepsen zu hören.

"Wir betrachten nur die Exemplare näher, die beringt sind. Die Ringe kontrollieren wir, weil anhand dieser Kennzeichnung ersichtlich wird, wo die Fledermäuse herkommen. Und wir überprüfen gleichzeitig das Gewicht des jeweiligen Tieres", erklärt der Fledermausexperte.

Am Ende des Tages waren die Zahlen beeindruckend: Gezählt wurden insgesamt 2.032 Fledermäuse von acht verschiedenen Arten. Das waren rund 600 Tiere mehr als bei der Zählung vor einem Jahr. Erwartungsgemäß die größte Anzahl gab es mit 850 beim Großen Mausohr. Zu den seltenen Arten gehören die Mopsfledermaus mit zwei Exemplaren und die Bechstein-Fledermaus, die elfmal gesichtet wurde.

Quelle: jb
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