19.12.12

Mordprozess

Scholl beschenkte und bespitzelte seine Geliebte

Im Prozess gegen den Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde hat dessen thailändische Geliebte ausgesagt. Sie arbeitet in einem Bordell.

Foto: dpa

Er gehörte er zu den erfolgreichsten Kommunalpolitikern Brandenburgs. Doch nun wurde der Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Heinrich Scholl (Foto-Mitte) hat laut Gericht seine Frau Brigitte (67) Ende Dezember 2011 in einem Waldstück erdrosselt. Auf dem Foto: der Angeklagte mit seinen Anwälten im Verhandlungssaal des Potsdamer Schwurgerichts.

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Auch am neunten Verhandlungstag im Mordprozess gegen Heinrich Scholl hat der Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde (Brandenburg) geschwiegen. Noch immer gilt die Erklärung seiner Verteidiger vom Prozessbeginn, in der Scholl abstreitet, seine Ehefrau Ende vergangenen Jahres umgebracht zu haben.

Daher setzte die Große Strafkammer am Landgericht Potsdam am Dienstag den aufwendigen Indizienprozess gegen den 69-Jährigen mit der Anhörung weiterer Zeugen fort.

Scholls Frau war am 29. Dezember 2011 in einem Waldstück bei Ludwigsfelde erdrosselt aufgefunden worden. Neben der Leiche lag der ebenfalls getötete Hund. Einige Tage später wurde Scholl wegen Mordverdachts verhaftet.

Nach wie vor geht es dem Gericht darum, ein möglichst aufschlussreiches Bild vom Verhältnis des Angeklagten zu seiner getöteten Ehefrau und über Scholls Leben zu bekommen. Anhaltspunkte versprachen sich die Richter daher durch die Aussage von Scholls thailändischer Geliebten, mit der er nach seinem Wegzug aus Ludwigsfelde von 2009 bis 2011 in Berlin eine etwa zweijährige Beziehung führte.

Bereits an vorangegangenen Verhandlungstagen hatte das Verhältnis des Angeklagten zu der wesentlich jüngeren Frau eine Rolle gespielt. Die 36 Jahre alte Thailänderin gab vor Gericht an, in einem Massagesalon und einem Bordell zu arbeiten. Scholls Ehefrau soll von der Beziehung gewusst haben, was auch die Zeugin bestätigte.

Geliebter teure Geschenke gemacht

In ihrer Vernehmung erklärte die Thailänderin, dass sie Scholl nicht geliebt habe, während der Angeklagte ernsthafte Gefühle für sie gehabt haben soll.

Scholl habe ihr teure Geschenke wie Schmuck, Luxus-Handtaschen und Modesaccessoires gemacht. Zudem habe er ihr teilweise die Miete und Anschaffungen für ihre Wohnung bezahlt, Beiträge für ihre Krankenversicherung übernommen und gemeinsame Urlaube in Barcelona und Thailand finanziert. Zwischen 40.000 und 70.000 Euro soll der Angeklagte für sie ausgegeben haben.

Die Luxussachen seien später bei einem Einbruch in ihre Berliner Wohnung gestohlen worden. Auch von einem Darlehen über 25.000 Euro sprach die Zeugin, das Scholl ihr gewährt haben soll.

Über das Ende der Beziehung gibt es unterschiedliche Versionen. Die Thailänderin erklärte, dass sie das Verhältnis beendet habe. Scholl habe sie zunehmend kontrolliert und überwacht. In seiner Eifersucht sei er ihr gefolgt und habe ihr vorgeworfen, dass sie sich mit anderen Männern treffe.

Nach Beschreibungen der Frau soll Scholl in solchen Situationen wütend gewesen sein. "Er hat zwar gelächelt, aber sein Herz dachte etwas anderes", sagte sie. Sie habe sich durch Scholls Kontrollen eingeschränkt gefühlt: "Ich hatte keine Privatsphäre mehr und keinen Freiraum", sagte sie.

Privatdetektei zur Bespitzelung beauftragt

Der Vorsitzende Richter Frank Tiemann hielt der Zeugin indes einen Brief entgegen, in dem Scholl die Beziehungen beendete, weil er weitere Kontakte der Frau zu anderen Männern nicht ertragen habe. Darin heißt es auch: "Wie du siehst, habe ich ein paar Dinge, die du nicht verdienst, mitgenommen." Aus diesen Zeilen habe die Frau geschlussfolgert, dass Scholl in ihre Wohnung eingebrochen sei, um die von ihm gemachten Geschenke zurückzuholen.

Bekannt wurde zudem, dass Scholl eine Privatdetektei beauftragt hatte, bevor er mit der Thailänderin eine Beziehung einging. Durch den vom Gericht verlesenen Ermittlungsbericht wurde offenbar, dass Scholl die Frau überwachen ließ. Er habe sich vom seriösen Lebenswandel der Frau überzeugen wollen, weil das für seine Position als Geschäftsmann wichtig gewesen sei.

Wie der bisherige Prozessverlauf widerspiegelte, war Scholl nach dem Ende der Beziehung zur der Thailänderin und der Aufgabe seiner Berliner Wohnung zurück nach Ludwigsfelde gezogen.

Quelle: dapd/sei
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