08.12.12

Waldfriedhof

Jäger erlegen Wildtiere auf Stahnsdorfer Friedhof

Ein Dutzend Schützen hat am Sonnabend Rehe und Wildschweine über den Gottesacker bei Potsdam getrieben. Die Aktion ist umstritten.

Foto: dpa
Jagd zwischen Grabsteinen
Die Jagdbeute von Wildschweinen und Rehen auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Potsdam

Schüsse hallen über den Waldfriedhof. Hundegebell. Aufgeregtes Rascheln im schneebedeckten Dickicht. Dicht an dicht laufen die Männer über das Gelände und treiben das Wild.

Nach zwei Jahren Pause ist am Samstag auf dem Südwestwestkirchhof Stahnsdorf bei Potsdam wieder zur Jagd geblasen worden. Mehr als ein Dutzend Schützen und über 30 Jagdhelfer trieben Rehe und Wildschweine über den Gottesakter – oftmals mit Erfolg. Eine Aktion, die in der Öffentlichkeit umstritten ist.

"Wer möchte denn auf so einem Ort der Grausamkeit seine letzte Ruhe haben", fragt etwa Lothar im "Anti-Jäger-Blog". "Makaber", "pietätlos", "unglaublich" empörten sich Gegner bundesweit bereits bei anderen Einsätzen – etwa vergangenes Jahr im Dezember in Saarbrücken. Kirchhofsverwalter Olaf Ihlefeldt kennt die entsetzten Stimmen. "Es kommt viel Kritik – aber es ist eine Not", verteidigt der 45-Jährige die Stahnsdorfer Entscheidung.

Wildtiere richten großen Schaden auf dem Friedhof an

Mehr als 30 Rehe und rund 30 Wildschweine sind auf dem 206 Hektar großen Waldfriedhof – laut Kirchenangaben der größte evangelische Deutschlands – heimisch geworden. Die Tiere richten großen Schaden an: Fressen frischen Grabschmuck, wühlen sich durch die Gräber. "Manche Angehörigen kommen mit Tränen von ihrer Grabstätte zurück", berichtet Friedhofsgärtnerin Dina Tradowsky.

"Für jemanden, der eine große Grabstätte hat, ist das richtig tragisch. Vor allem neue Gräber sind sehr gefährdet", sagt Steinmetz Heinz-Otto Melior. Der 59-Jährige hat bereits mehrfach Wildschweine auf dem Friedhof angetroffen, auf dem zahlreiche Wissenschaftler, Politiker, Kulturschaffende oder Unternehmer ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

"Es scheinen sehr, sehr viele Tiere zu sein", so Tradowsky. Die Rehe lieben ihre Pflanzen, vor allem Schnittblumen. Die Angehörigen seien zwiegespalten: "Manche sagen: Meine Mutti hätte sich gefreut, dass sie Besuch von Rehen bekommt..." Bei Ihlefeld melden sich vor allem die Aufgebrachten: "Manche machen uns bittere Vorwürfe." Als Verwalter sei er auch verpflichtet, die Grabstätten zu schützen – darum die Jagd.

Schwierige Entscheidung für eine Jagd auf dem Friedhof

"Die Entscheidung für eine Jagd auf einem Friedhof ist immer schwierig zu treffen", meint der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, Wolfgang Bethe. Weil es befriedetes Gelände sei, werde zunächst versucht, das Wild zu vertreiben. Bei Wildkaninchen gelinge dies beispielsweise durch den Einsatz von Habichten oder Adlern. Bei Wildschweinen, die in Brandenburg auf ideale Bedingungen stoßen, sei dies schwieriger. "Und auf einem Friedhof droht ihnen üblicherweise keine Gefahr."

Nach Einschätzung des Verwalters wird es wohl weitere Aktionen geben. "Wir haben viel mehr Wild gesehen, als gestreckt werden konnte", so der Verwalter nach Abschluss der fünfstündigen Aktion.

Quelle: dpa/bee
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