06.12.12

Potsdamer Klinik

Erneut Frühgeborene von Darmkeimen befallen

Auf einer Säuglingsstation sind erneut Keime festgestellt worden. Die betroffenen Babys in Potsdam sind aber nicht daran erkrankt.

Von Jens Anker und Gudrun Mallwitz
Foto: dapd

Kindernotaufnahme des Klinikums Ernst von Bergmann in Potsdam: Auf der Säuglingsstation sind erneut Darmkeime festgestellt worden
Kindernotaufnahme des Klinikums Ernst von Bergmann in Potsdam: Auf der Säuglingsstation sind erneut Darmkeime festgestellt worden

Erneut sind auf der Frühgeborenenstation im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann meldungspflichtige Darmkeime festgestellt worden. Betroffen sind zwei Frühchen. Die Kinder seien jedoch nicht erkrankt, teilte das Krankenhaus am Donnerstag mit. Die Klinik stuft die Keime grundsätzlich als harmlos ein. Für die Frühgeborenen bestehe keine Gefahr.

Bei den Babys sei eine Besiedlung der Körperoberfläche festgestellt worden. Keines zeigte bislang Symptome, wie die Klinikleitung am bekanntgab. Der Befund stamme vom Mittwoch und Donnerstag. Er gehe auf einen Abstrich vom Montag zurück. "Wir haben die Kinder sofort isoliert und das Gesundheitsamt in Potsdam informiert", sagte die Ärztliche Direktorin der Klinik, Ortrud Vargas Hein.

Suche nach der Ursache

Erstmals waren Ende Oktober bei einer Routineuntersuchung solche Keime am Potsdamer Klinikum entdeckt worden. Bei der regelmäßigen Kontrolle werden Abstriche von der Schleimhaut der Babys entnommen. Innerhalb von Wochen waren damals acht Frühgeborene betroffen. 16 Betten stehen auf der Station. Sechs Kinder zeigten keine Anzeichen einer Infektion. Bei zwei Kindern wurde eine Infektion mit Antibiotika behandelt. Allerdings waren nach Erkenntnissen der Ärzte die Infektionen nicht auf den Keim zurückzuführen. Wie sich die Darmkeime auf der Station ausbreiten konnten, ist immer noch nicht geklärt.

Eingeschleust werden solche Keime von Eltern, Ärzten, dem Pflegepersonal oder Besuchern der Kliniken. Die Erreger können an Türgriffen oder Händen zu finden sein. "Wir sind aber weiter danach auf der Suche", sagte der Chefarzt für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Andreas Knaust. Seit dem 4. November seien alle Abstriche negativ gewesen. Die jetzt gefunden Keime wurden über Analabstriche festgestellt. Es könne auch sein, dass sich die Kinder auf dem Geburtsweg infiziert haben.

Acht Fälle im Oktober

Die Keime des Typs Enterobacter sind bei weitem nicht so gefährlich wie die Serratien-Keime, die jüngst im Berliner Virchow-Klinikum gefunden wurden. Der Mensch trage sie in sich. Allerdings verfügen Frühchen über ein sehr schwaches Immunsystem. Solche Darmkeime würden immer wieder einmal auftreten, sagte jüngst die Ärztliche Direktorin Ortrud Vargas Hein. In diesem Jahr aber wurden sie zum ersten Mal im Oktober entdeckt.

Die Klinik war kritisiert worden, weil sie erst zwei Wochen danach die Öffentlichkeit informiert hatte. Von den damaligen acht Kindern sind inzwischen fünf entlassen. Die anderen drei bleiben nach Auskunft der Klinik – nicht wegen der Keime, sondern weil sie durch ihre frühe Geburt noch zu schwach für eine Entlassung sind. Der Chefarzt der Kinder-Klinik, Michael Radke, hob hervor: "Es muss niemand Angst haben, bei uns ein Kind zur Welt zu bringen."

Charité verschärft Hygienestandards

Auf einer Frühchenstation der Charité hatten die Keime sieben Frühgeborene befallen. Es handelte sich aber um sogenannte Serratien-Keime, die häufig bei Kindern auftreten, für Frühgeborene wegen ihrer geringen Abwehrschwäche jedoch gefährlich sind. Im Frühjahr dieses Jahres waren in Bremen zwei Frühchen an multiresistenten Keimen gestorben.

Wie andere Kliniken auch hatte die Charité seitdem ihre Hygienestandards noch einmal verschärft und die Neugeborenen verstärkt auf Keime untersucht. In Bremen waren dagegen Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene nicht befolgt werden, stellte ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft fest.

Die Keime in der neonatalen Station der Charité waren Anfang Oktober aufgefallen. Ein schwer krankes Baby, das zuvor im Virchow-Klinikum behandelt worden war, war nach einer Herzoperation im Deutschen Herzzentrum gestorben. Von 30 Frühgeborenen waren rund 20 von den Keimen befallen, ohne zu erkranken.

In Berlin auch noch kein Ergebnis

Die Ursache für den Keimbefall in Berlin steht bislang nicht fest. Nach dem Auftreten waren alle Kinder auf den fünf Stationen auf eine Infektion überprüft und das Personal sowie die Eltern der Patienten getestet worden. Bei Personal und Eltern fielen die Tests aber negativ aus. Ob die Ursache für die Infektionen jemals gefunden wird, ist fraglich: Nur bei jedem zweiten Serratien-Ausbruch ist der Übertragungsweg im Nachhinein sicher festgestellt worden.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Unglück in Moskau Total-Chef stirbt bei Kollision mit Schneepflug
Afghanistan Terroranschlag in Kabul auf Armeebus
Ukraine Panik bei Pressekonferenz in Donezk nach Explosion
DJ Hardwell Holländer zum zweiten Mal bester DJ der Welt
websiteservice.jpg
Websiteservice

Sie machen Ihr Business. Wir Ihre Websitemehr

Timetraveller.jpg
Timetraveller

Mit der Morgenpost und Timetraveller Geschichte erlebenmehr

Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Lichterglanz

Berlin erstrahlt beim "Festival of Lights"

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote