27.11.12

Prozess in Potsdam

Prostituierte bezichtigt Ex-Grünen Goetjes der Zuhälterei

Sie habe für den 34-Jährigen gearbeitet, sagte die Frau aus. Er habe sie an Freier vermittelt und die Hälfte ihres Lohnes kassiert.

Foto: dpa

Der Ex-Schatzmeister der Brandenburger Grünen, Christian Goetjes, gerät nach Zeugenaussagen unter Druck
Der Ex-Schatzmeister der Brandenburger Grünen, Christian Goetjes, gerät nach Zeugenaussagen unter Druck

Nach den Aussagen einer Prostituierten soll der Ex-Schatzmeister von Brandenburgs Grünen einen Escort-Service in Berlin betrieben haben. Sie habe für Christian Goetjes gearbeitet und sei von ihm über das Internet zur Prostitution angeboten worden, sagte die 22-Jährige am Dienstag im Untreue-Prozess gegen den 34-Jährigen vor dem Landgericht Potsdam. Nach ihren Angaben waren mindestens fünf weitere Frauen für Goetjes tätig. Der Angeklagte soll die Frauen demnach zu den Freiern gefahren und die Hälfte des Lohnes in Höhe von 100 Euro erhalten haben.

Die 22-Jährige hatte den Angeklagten angezeigt. Als Grund dafür gab sie an, er habe ihr nachgestellt, nachdem sie sich von ihm getrennt habe. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft, ob sich Goetjes der Zuhälterei schuldig gemacht hat. In Potsdam steht er vor Gericht, weil er knapp 274.000 Euro aus der Grünen-Parteikasse veruntreut haben soll. Dies hatte er zum Prozessauftakt gestanden. Mit dem unterschlagenen Geld will er uneigennützig in Not geratenen Prostituierten geholfen haben.

Bislang hat sich der Angeklagte, der keine abgeschlossene Berufsausbildung hat und lange bei den Eltern wohnte, als mittellos dargestellt. Vor diesem Hintergrund hatten sich die Grünen im Juni 2012 mit ihm auf eine Rückzahlung von lediglich 65.000 Euro geeinigt. Goetjes hatte der Partei gegenüber ein Schuldanerkenntnis abgelegt. Sollte sich herausstellen, dass er seine Vermögensverhältnisse falsch dargestellt hat, will die Partei juristisch gegen ihn vorgehen.

Nach Aussagen der Zeugin soll Goetjes den Escort-Service im Februar 2012 betrieben haben. Ob er sich möglicherweise im strafrechtlichen Sinne als Zuhälter betätigt hat, hängt laut Ermittlungsbehörden unter anderem von der Aufteilung des Geldes ab. Nach Darstellung der Zeugin hat sie freiwillig für den Escort-Service gearbeitet und auch etwa zwei Wochen in Berlin mit dem Angeklagten zusammen gewohnt.

Goetjes habe sich in sie verliebt, so die Zeugin. Als sie ihn abgewiesen habe, habe er sich gerächt: Er habe ihrer ahnungslosen Familie von ihre Tätigkeit als Prostituierte berichtet. Später soll er ihr auf der Straße aufgelauert und sie beschimpft haben. Darum habe sie den Angeklagten Ende Oktober angezeigt, so die Frau.

Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen aus dem Rotlichtmilieu geäußert. Für den Untreue-Prozess sind sie wegen der Glaubwürdigkeit des Angeklagten von Belang. Ursprünglich hatten die Potsdamer Richter in dieser Sache am Dienstag ein Urteil sprechen wollen. Am frühen Abend dauerte aber die Vernehmung der Frau an. Das Gericht hat bislang noch keine Termine zur Fortsetzung des Prozesses benannt.

Quelle: dpa/dapd/sei
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