10.10.12

Ermittlungen

Entführer von Manager könnte ein ehemaliger Soldat sein

Die Verschleppung des Berliners war "präzise durchgeplant", heißt es. Ermittler vermuten deshalb, dass der Täter ein ehemaliger Soldat ist.

Foto: Steffen Pletl

Ein Berliner Investment-Manager erlebte qualvolle Stunden in der Hand eines Entführers. Der flüchtige Täter hat wohl mit dem Fall Pepper zu tun.

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Einen Tag nach Bekanntwerden der gescheiterten Entführung des Berliner Investmentmanagers Stefan T. hat die Polizei bislang 26 Hinweise auf den Täter. Einem Ermittler zufolge hat sich daraus noch keine heiße Spur ergeben. Ein Unbekannter hatte den 51-Jährigen am vergangenen Freitag in seiner Storkower Villa vor den Augen seiner Frau entführt und mit einem Kanu auf eine Schilfinsel verschleppt.

Das Opfer konnte sich Sonntag früh befreien und flüchten. Vom Haus eines Ehepaars aus wurde die Polizei alarmiert und eine Großfahndung nach dem Täter ausgelöst. Kriminalbeamte gehen aufgrund des in dem Storkower Haus gefundenen Projektils aus einer Ceska 9 Millimeter davon aus, dass der Gesuchte auch für die Anschläge auf die Familie Christian Pepper verantwortlich ist.

Dem Geschäftsmann gehört unter anderem das Europacenter. Vor mehr als einem Jahr hatte ein maskierter Mann in Tarnkleidung auf die Tochter gezielt und mit seinen Schüssen einen Leibwächter schwer verletzt. Bei einer anderen Attacke wurde die Ehefrau zusammengeschlagen. Die Polizei vermutet, dass der Mann die beiden Frauen entführen wollte.

Hunde und Taucher im Einsatz

Während Stefan T. mit seiner Familie inzwischen in den Urlaub gefahren ist, sucht ein Großaufgebot der Brandenburger Polizei weiter nach dem Täter. Inzwischen korrigierte die Polizei nach eingehenden Gesprächen mit dem Manager die Beschreibung des Mannes. Jüngsten Angaben zufolge soll er 1,65 bis 1,70 Meter groß, 40 bis 50 Jahre alt sein und deutsch sprechen – ohne einen auffälligen Dialekt.

Laut Polizei wechselte der Täter während der Entführung seine Kleidung, die aus dem Sport- und Outdoorbereich stammen soll. Zuletzt trug er eine schwarze Synthetik-Sporthose und eine hellolivgrüne Softshell-Jacke mit weißen Streifen auf beiden Ärmeln sowie hellgraue Lederhandschuhe mit auffälligen Nähten.

Für die Suche nach dem Täter gründete die Polizei die Ermittlungsgruppe "Imker" – benannt nach dem schwarzen, grobmaschigen Netz, mit dem der Täter wie ein Imker sein Gesicht verdeckte. Mehr als 300 Beamte, darunter Angehörige des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) und Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK), außerdem Bereitschaftspolizisten, Kriminaltechniker und Polizeitaucher, sowie Spürhunde wurden auf den Entführer angesetzt.

Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Soldaten oder möglicherweise Ex-Angehörigen einer Spezialeinheit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR handelt. "Der Mann hat die Entführung des Investmentmanagers präzise bis ins Detail durchgeplant, dazu muss er sich lange taktisch darauf vorbereitet haben", sagte ein Beamter. Ferner kleide er sich martialisch und militärisch, sein Ziel, die Schilfinsel, und der Aufenthalt dort zeigten auch, dass der Gesuchte nicht zum ersten Mal "draußen unterwegs" war und entsprechend ausgebildet sein könnte.

Offenbar genaue Ortskenntnisse

Die Orte der Anschläge auf Familie Pepper in Bad Saarow sowie der auf Stefan T. in Storkow liegen nur drei Kilometer voneinander entfernt. "Unser Täter muss sich in der Gegend sehr gut auskennen. Er besitzt detaillierte Kenntnisse über die Region Oder-Spree und die dortigen Gewässer Großer Storkower See und Scharmützelsee. Vielleicht ist er hier aufgewachsen oder hat hier gelebt", sagte der Ermittler weiter.

Der Einsatz des SEK erfolge unter anderem deshalb, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich der Täter noch in einem lagerähnlichen Versteck in den Wäldern aufhält. Die Suche gestalte sich aufwendig. Allein ein Truppenübungsplatz dort habe die Maße acht mal zwölf Kilometer.

Bisher gehen die Beamten davon aus, dass der Täter möglicherweise als Angler getarnt das Seegrundstück der Familie T. wochenlang ausspionierte. Er habe vermutlich genau gewusst, wann die Familie aus Berlin das Ferienhaus in Storkow besuchen würde, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Zeugen hätten bereits Fotos von Anglern geschickt, die sie in der letzten Zeit zufällig aufgenommen hatten.

Die Bilder werden nun überprüft. Auch die technischen Kenntnisse des Mannes müssten besonders gut sein. Immerhin habe er sein Opfer Briefe schreiben lassen und dafür GPS-Koordinaten mitten in der Natur diktiert, mit der er die Ehefrau des Opfers auf eine Schnitzeljagd schicken wollte.

Fesseln nur locker festgezogen

Seiner Ehefrau hat Stefan T. möglicherweise sein Leben zu verdanken. So hat diese nach Angaben eines Sprechers die Schnüre bewusst oder instinktiv nicht ganz so festgezogen, nachdem der Täter sie am Freitagabend im Haus überwältigt und gezwungen hatte, ihren Ehemann zu fesseln. Auf diese Weise gelang es Stefan T. Sonntag früh, sich die Fesseln abzustreifen und zu flüchten. Fast zwei Tage hatte er auf einer Luftmatratze gelegen – der Täter soll sich etwa 30 Meter entfernt aufgehalten haben.

"Er hatte angekündigt, sein Opfer am Sonntag für drei oder vier Tage allein zu lassen", sagte der Sprecher. Wäre Stefan T. nicht geflüchtet, wäre er möglicherweise verdurstet oder aber von der Luftmatratze gerutscht und ertrunken. Dass die Frau trotz Drohungen des Täters die Polizei informierte, sei genau richtig gewesen.

Viele Anwohner sind durch die Entführung des Managers verunsichert. "Wir dachten zuerst, hier sei ein Prominenter irgendwo zu Gast, als wir all die Straßensperren sahen, an denen Autofahrer kontrolliert und die Personalien notiert wurden", sagte ein Spaziergänger. Die Angst, selbst ein Opfer des Mannes zu werden, sei groß. "Er muss ja nicht sofort eine neue Tat begehen, es reicht ja schon, wenn er sich von der Polizei in die Enge gedrängt fühlt und deswegen vielleicht Geiseln nimmt. Einige meiner Nachbarn öffnen nicht mehr die Tür, wenn man unangekündigt klingelt."

Keine zusätzliche Sicherheit

Karola Schmidt, Geschäftsfrau aus der Region, ist ebenso darüber besorgt, dass nach wie vor ein bewaffneter Mann in der Gegend auf der Flucht ist. "Das ist kein gutes Gefühl, zumal der Gesuchte ja bewiesen hat, wie skrupellos er ist." Über spezielle Sicherheitsvorkehrungen an ihrem Haus oder ihrem Uhrmacherladen denkt sie dennoch nicht nach. "Wenn ein Täter so etwas vorhat und entschlossen ist, wird er seinen Plan auch umsetzen."

Bei der Suche nach dem Entführer hofft die Polizei auch, dass die DNA-Spuren aus dem Kanu, das der Täter im Schilf zurückließ, weiterhelfen können. Auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" soll am heutigen Mittwoch (ZDF, 20.15 Uhr) über den Fall berichtet werden.

Hinweise nimmt die Polizei am Bürgertelefon unter 0700-33330331, anonym per Anrufbeantworter unter 0335-40070333 oder per E-Mail unter mordkommission-ffo@web.de entgegen.

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