01.09.2012, 10:49

Wildunfall Polnischer Elch stirbt bei Kollision auf der A10 nahe Berlin

Moose / Elch

Foto: picture alliance / Arco Images G / pa

Moose / Elch Foto: picture alliance / Arco Images G / pa

Ein Elch hat am Morgen die A10 in Brandenburg überquert und wurde von einem Auto erfasst. Ein Mensch wurde verletzt, das Tier starb.

Ein ungewöhnlicher Wildunfall hat am Samstagmorgen auf der A10 bei Berlin für Behinderungen gesorgt. Ein Elch überquerte zwischen Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) und Erkner (Oder-Spree) die Autobahn und wurde von einem Auto angefahren, überlebte den Zusammenstoß aber zunächst.

Als ein weiterer Wagen anhielt, weil dessen Fahrer helfen wollte, konnte ein Lastwagen nicht mehr rechtzeitig stoppen. Beim zweiten Unfall starb das Tier.

"Anfangs dachten die Beteiligten noch, es handelt sich um einen Hirsch", berichtete ein Polizeisprecher. Woher der Elch stammt, war zunächst unklar. Brandenburgs Jäger beobachten jedoch seit Jahren immer häufiger Elche in den Wäldern.

Der Fahrer des VW Polo wurde bei der Kollision verletzt und musste ins Krankenhaus, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Anschließend wurde der Kadaver des 600 bis 800 Kilogramm schweren Tiers noch von einem Laster überrollt. Die Strecke war zeitweise gesperrt.

Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen vier bis fünf Jahre alten Stangenelch. "Er kam vermutlich aus Polen und ist durch die Oder geschwommen", sagte der Polizeisprecher. Nach seinen Angaben war das "sehr schöne Tier" in den vergangenen Tagen bereits von Jägern fotografiert und auch von Reisenden an der Autobahn gesehen worden. "Den Anrufern haben wir erst gar nicht geglaubt", sagte der Sprecher. Die Polizei habe dann nachgeschaut, das Tier aber nie selbst zu sehen bekommen.

Nach Polizeiangaben befinden sich an der Strecke Zäune zur Verhinderung von Wildunfällen. "Aber einen Elch hält das nicht ab." Weitere Elch-Unfälle befürchtet die Polizei nicht. Das Tier sei ein Einzelgänger gewesen. "So einen Fall haben wir hier noch nie gehabt", so der Polizeisprecher.

Verkehrsunfälle mit Elchen sind vor allem aus Skandinavien bekannt. Aber auch in Brandenburg, wo zunehmend oft Elche beobachtet werden, gab es in der Vergangenheit immer wieder Unfälle. Im August 2000 starb ein Elch nach einem Zusammenstoß mit einem Linienbus im Spreewald, so das Agrarministerium. Insgesamt wurden seit der Wiedervereinigung acht tote Tiere in Brandenburg gefunden.

Bis zu 100 Mal Elche seit 1990 gesehen

Etwa 70 bis 100 Mal wurden die imposanten Wildtiere seit 1990 in der Region gesehen, berichtete Diplom-Forstingenieur Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE). Vor allem Jäger in den ostbrandenburgischen Landkreisen entlang von Oder und Neiße meldeten entsprechende Erlebnisse. Auch Engel gehörte zu den Glücklichen: "Das ist eine ganz eigenartige, wunderschöne Beobachtung. Man kommt sich vor wie in der größten Wildnis von Skandinavien", schwärmte er.

Die Geschäftsführerin des Wildparks Schorfheide, Imke Heiter, ist wenig verwundert über die zunehmende Anzahl von Elchen. "Er gehört zu den einheimischen Tieren", sagte sie. In ihrem Park gibt es drei Elche. Aber auch in freier Wildbahn sei die Hirschart seit den 1970er Jahren oft gesehen worden. "Das sind ganz alte Wildwechsel, wohin die Tiere zurückkehren", so Heiter.

Nach Angaben von Fortingenieur Engel gab es schon immer Elche in Brandenburg. "Er war aber hier nie so richtig heimisch wie in Polen oder noch weiter östlich, sondern zog immer mal durch. Zu DDR-Zeiten wurde er sogar gejagt."

(dpa/AFP/sei)
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