Sprengstoff
Bandidos planten Anschlag auf Berliner Hells Angels
Die Ermittler erhöhen den Druck auf die Rockerszene. Jetzt durchsuchte die Polizei erneut Wohnungen und deckte offenbar Anschlagspläne auf.
Mit einer groß angelegten Razzia in drei Bundesländern ist die Polizei erneut gegen die kriminelle Rockerszene vorgegangen. In Sachsen, Brandenburg und Baden-Württemberg wurden am Mittwoch elf Wohnungen von ehemaligen Hells Angels durchsucht, sagte Polizeisprecher Volker-Alexander Tönnies in Berlin. Ziel war demnach, das Verbot der Rockergruppierung Hells Angels Berlin City durchzusetzen und Strukturen zu erhellen. Festgenommen wurde niemand. Rund 100 Beamte waren im Einsatz. Sie stellten in Brandenburg und Baden-Württemberg verbotene Bekleidung sicher.
Durchsuchungen liefen in Cottbus, Eberswalde und Britz (Brandenburg), Bautzen, Chemnitz und Dresden (Sachsen) sowie Karlsruhe (Baden-Württemberg), wie ein Sprecher der Berliner Polizei auf dapd-Anfrage sagte. Neben Wohnungen sei auch ein Vereinsheim in Chemnitz dabei gewesen.
In Brandenburg, wo vier Wohnungen durchsucht wurden, und in Baden-Württemberg waren die Einsätze laut Polizei nach etwa einer Stunde abgeschlossen. In Sachsen hielten sie am Vormittag vereinzelt noch an.
Bekleidung und Unterlagen sichergestellt
Es ging nicht um Festnahmen, wie der Sprecher sagte, sondern es sollte Vermögen der verbotenen Rockergruppe sichergestellt werden. Zugleich wollte die Polizei Erkenntnisse über grenzüberschreitende Strukturen und Immobilien gewinnen. Beschlagnahmt wurden nach bisherigen Erkenntnissen szenetypische Rockerbekleidung, die ebenfalls unter das Verbot fällt, und Unterlagen, die jetzt ausgewertet werden sollen.
Hintergrund der Razzien ist laut Polizei das Ende Mai von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erlassene Verbot der Ortsgruppe "MC Berlin City" des Rockerclubs Hells Angels. Im Einsatz waren insgesamt 100 Beamte der jeweiligen Landespolizei, die Berlin Amtshilfe leisten.
Serie von Razzien bundesweit
Der verbotenen Rocker-Ortsgruppe waren unter anderem Gewalttaten, Waffendelikte und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen worden. Der Einsatz wurde aber verraten, wobei die Polizei die undichte Stelle in den eigenen Reihen vermutet. Die Ermittlungen laufen noch. Die Hells Angels klagen gegen das Verbot.
Im gesamten Bundesgebiet ist die Polizei im vergangenen halben Jahr immer wieder mit Razzien gegen die rivalisierenden Rockerbanden Bandidos und Hells Angels vorgegangen. Besonders betroffen waren neben der Hauptstadtregion Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. In einer einstigen Lagerhalle der Hells Angels bei Kiel suchte die Polizei sieben Wochen lang nach der Leiche eines seit zwei Jahren vermissten Mannes.
Unterdessen wurde bekannt, dass Mitglieder der kriminellen Rockervereinigung Bandidos einen Anschlag mit Sprengstoff in der Hauptstadt auf Überläufer geplant haben sollen. "Wir wissen aus Ermittlungserkenntnissen, nach denen ein Anschlag in Berlin geplant gewesen sein soll", sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Laut "Tagesspiegel" sollten Überläufer zu den Hells Angels offenbar aus Rache mit einem Bombenanschlag getötet werden.
Drei Verdächtige sitzen in der Nähe von Rostock in Untersuchungshaft. Sie waren bereits Anfang Juli mit einem Kilo Sprengstoff im Gepäck am Rostocker Hafen gestellt worden. Die Ermittlungen werden von den Behörden in Mecklenburg-Vorpommern geführt. Den Männern, die mit einer Fähre aus Dänemark nach Deutschland einreisen wollten, werden Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.
Polizei bringt Rocker-Tresor zurück
Die Polizei hat in dem bei einer Razzia sichergestellten Tresor in Potsdam keine Waffen gefunden. Der Schrank werde in den kommenden Tagen wieder an die Eigentümer zurück gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.
Der Tresor war vergangenen Donnerstag bei Razzien in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt in einem Potsdamer Vereinsheim sichergestellt worden, das die Ortsgruppe der Hells Angels genutzt hatte. Das Charter HAMC Potsdam hatte zwar Mitte Juni seine Auflösung bekanntgegeben, nach Angaben der Polizei werden die Räume aber nach wie vor von Rockern genutzt. Während in zahlreichen Wohnungen Waffen und Betäubungsmittel gefunden wurden, fanden die Fahnder im Tresor "keine polizeirelevanten Gegenstände".



















