Brandenburg
Hennigsdorfer Rockerclub Bandidos löst sich auf
Die Ortsgruppe der Bandidos del Este in Hennigsdorf am Nordwestrand Berlins hat sich nach eigenen Angaben zum 12. Juli aufgelöst.
Der anhaltende Druck der Sicherheitskräfte auf die kriminelle Rocker-Szene in der Region zeigt offensichtlich Wirkung: Die Ortsgruppe der Bandidos del Este in Hennigsdorf (Oberhavel, am Nordwestrand Berlins) hat sich nach eigenen Angaben zum 12. Juli 2012 aufgelöst. Dies geht aus der deutschen Internetseite der Gruppierung hervor, wo gleichzeitig die Auflösung des Chapters in Oberhausen (NRW) bekanntgegeben wird. Zuvor hatte die "Bild-Zeitung" darüber berichtet. Die brandenburgische Polizei konnte den Vorgang zunächst nicht bestätigen.
Damit setzt sich die Reihe der Selbstauflösungen von Rockervereinigungen im Bundesgebiet fort. Dabei bleibt jedoch unklar, ob dies womöglich eine Taktik ist, um Vereinsvermögen zu retten und Nachfolgeorganisationen zu gründen. Ende Juni 2012 hatte sich in Hannover der mächtige Ortsclub der mit den Bandidos verfeindeten Hells Angels nach einer Polizeirazzia aufgelöst. Er folgte damit den Beispielen Berlins, Potsdams und Bremens. In der vergangenen Woche war es dann für den Schweriner Ableger so weit – ebenfalls nach einer Durchsuchungsaktion der Sicherheitskräfte.
Ziel einer großangelegten Polizei-Razzia
Die Chefs der Innenressorts in Berlin und Brandenburg betonen immer wieder ihr Entschlossenheit, rigoros gegen die Rocker-Szene vorzugehen. "Das Signal ist klar: Wir dulden in Brandenburg keine organisierte Kriminalität", sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) nach der großen Razzia Anfang Juni.
Sein Berliner Amtskollege Frank Henkel (CDU) sagte am Wochenende, der Rechtsstaat werde mit allen Mitteln gegen die Rockerkriminalität kämpfen. "Dabei haben wir es mit einer der brutalsten und gefährlichsten Gruppen zu tun, die systematisch das staatliche Gewaltmonopol unterlaufen." Der Berliner Innensenator ließ keinen Zweifel an seiner Linie: "Ich werde dieses praktizierte Recht des Stärkeren nicht dulden. Nicht diese Verbrecher geben den Takt vor, sondern der Staat", betonte der CDU-Politiker. "Wir werden die Rocker in einen Zustand der ständigen Ruhelosigkeit versetzen. Sie sollen wissen, dass der Rechtsstaat wehrhaft ist."
Anfang Juni war das Hennigsdorfer Clubhaus der Bandidos Ziel einer großangelegten Polizei-Razzia, an der sich auch die Spezialeinheit GSG 9 beteiligte. Es wurden Drogen, Bargeld, scharfe Schusswaffen, zwei gestohlene Motorräder, mehrere Fahrzeuge und Baseballschläger beschlagnahmt. Seinerzeit überprüften rund 1100 Beamte insgesamt fast 80 Wohnungen, Arbeitsstätten und Vereinsheime der Bandidos, mit der Niederlassung in Hennigsdorf als Schwerpunkt. Auch wenn dort das Chapter "Berlin BMC del Este" angesiedelt war, lag der Schwerpunkt der Aktivitäten in der Bundeshauptstadt.
Laut "Bild" haben sich in der Region bislang ausschließlich Ortsgruppen der Hells Angels aufgelöst – vermutlich, um einem amtlichen Verbot oder Polizeimaßnahmen zuvorzukommen. Die Behörden gehen in Berlin von rund 500 Bandidos aus, in Brandenburg von etwa 400.
Nach einer Beschwerde der Berliner Staatsanwaltschaft verhaftete die Polizei in der Nacht zum Samstag einen zunächst auf freien Fuß gesetzten Rocker. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos nahmen das 28 Jahre alte Mitglied des verbotenen Rockerclubs "Hells Angels MC Berlin City" fest. Gegen den Beschuldigten und einen Mittäter hatte das Amtsgericht Tiergarten am 9. Juli Haftbefehl wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung erlassen. Gegen Auflagen waren die Männer jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Das wurde jetzt rückgängig gemacht.


















