Prostitution
Schöneberger Straßenstrich nervt Anwohner
Prostituierte und Anwohner haben sich gemeinsam an einen Tisch gesetzt. Eigentliches Thema: das geplante Großbordell im ehemaligen Wegert-Haus an der Potsdamer Straße. Doch die Bürger wollen vor allem eines: Die Damen komplett aus dem Kiez verbannen. Besonders der von osteuropäischen Frauen dominierte Straßenstrich sorgt für aggressive Stimmung in der Nachbarschaft.
Von Katrin Lange
Die Debatte über das umstrittene Großbordell an der Kurfürstenstraße Ecke Potsdamer Straße in Schöneberg geht weiter: Nach der Ablehnung des Rotlicht-Projekts durch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat der Betreiber des geplanten Bordells Widerspruch erhoben. Das bestätigte am Mittwoch die Kanzlei des beauftragten Rechtsanwaltes Leander Gast. Details sollen jedoch erst am Dienstag bekannt gegeben werden, dann wird auch der Betreiber sein Konzept erläutern. Geplant ist ein sogenanntes Laufhaus mit 50 Zimmern, bei dem die Freier die Prostituierten in einer Art Angebots-Parcours besichtigen können.
Der Bezirk hatte vor drei Wochen den Antrag auf Umbau des ehemaligen Wegert-Hauses abgelehnt. Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) begründete seine Entscheidung mit Störungen und Belästigungen, die von einem Bordell ausgehen könnten.
Damit spricht er vielen Anwohnern aus dem Herzen, die am liebsten die Prostituierten komplett aus dem Kiez verbannen würden. 3400 Unterschriften hatten sie gegen das Großbordell gesammelt. Wie verhärtet die Fronten sind, wurde erneut am Dienstagabend in einer vom Quartiersrat Magdeburger Platz organisierten Debatte im Gemeindesaal der Zwölf-Apostel-Kirche deutlich. In der Podiumsdiskussion mit Anwohnern, Frauen vom Straßenstrich, dem Landeskriminalamt und verschiedenen Hilfevereinen zum Thema "Was Sie schon immer genauer wissen wollten – Prostitution im Kiez" kam es zu tumultartigen Szenen.
Während die Prostituierten Respekt für ihre Arbeit forderten, beklagten die Anwohner das Schmuddelimage ihres Kiezes, der zu kippen drohte. Am Ende versuchte Regine Wosnitza vom Quartiersrat zu vermitteln und bat die Anwohner, Fragen, Bitten und Wünsche an die Prostituierten per E-Mail an den Quartiersrat zu schicken (quartiersrat@tiergarten-sued.de).
Der Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße hat sich – nicht zuletzt durch die EU-Osterweiterung – verändert. Christian Hanke (SPD), Bezirksbürgermeister von Mitte, der als Gast gekommen war, sprach von einer aggressiven Szene, die wieder in geordnete Bahnen gelenkt werden müsse. Ähnlich sah es Petra Kolb vom Verein Fixpunkt. Die Art des Werbens habe sich verändert, sagt sie. Die neuen Frauen, zum Beispiel aus Bulgarien, seien nicht mehr "ganz so defensiv". Von Streit über Preise und Kondome spricht Michaela Klose vom Frauentreff Olga.
Eine Prostituierte widersprach vehement: "Wir hacken uns nicht die Augen aus", sagt die 40-Jährige. Probleme hätte es immer gegeben. Neu sei die Sprachbarriere. Auch Simone Kellerhoff vom Prostituierten-Treffpunkt Hydra will keine Aggressivität bemerkt haben. Sie nannte die Bulgarinnen "offensiv und euphorisch". Darüber konnten die Anwohner nur lachen. "Seit sechs Jahren muss ich in der Frobenstraße den Lärm bis früh um sechs ertragen", sagte Beate Pempeit. Eine Künstlerin stimmte ihr zu. Auch sie könne wegen eines neuen Kleinbordells in ihrem Haus kaum schlafen.
Beklagt wurden der Lärm sowohl aus Wohnungsbordellen als auch von Motoren, Türen, rufenden Freiern. "Prostitution hat in einem Wohngebiet nicht zu suchen", sagte Beate Pempeit und erntete Applaus von den Kiez-Bewohnern. Der Rat, den die Prostituierten den Anwohnerinnen zuriefen, lautete: "Umziehen".
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