Flughafen-Anbindung

Bezirksverordnete fordern Tunnellösung für Dresdner Bahn

Seit vielen Jahren wird über die Bahntrasse durch Lichtenrade gestritten. Mit seinem Votum für eine ebenerdige Bauweise stößt Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) auf heftigen Widerstand.

Der politische Streit um die Trassenführung für eine neue Bahnverbindung durch den Berliner Süden kocht weiter hoch. Nach der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) haben sich jetzt auch die Bezirksverordneten von Tempelhof-Schöneberg parteiübergreifend für eine Tunnellösung bei der sogenannten Dresdner Bahn ausgesprochen. Sie fordern das Bezirksamt auf, sich gegenüber dem Senat entsprechend klar zu positionieren.

Für eine ebenerdige Lösung sei die Schall- und Lärmschutzproblematik für die Anwohner genauso wenig gelöst wie der Umstand, dass für diese Variante ein Autotunnel gebaut werden muss, der den S-Bahnverkehr über einen langen Zeitraum unterbrechen und nie zu einer zufriedenstellenden Verkehrssituation beitragen werde, heißt es in dem Beschlussantrag der CDU, der von der SPD und den Grünen übernommen wurde.

Unter dem Projektnamen "Dresdner Bahn" plant die Deutsche Bahn bereits seit mehr als 15 Jahren den Wiederaufbau einer Eisenbahnverbindung, über die unter anderem der künftige Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld mit dem Zug deutlich schneller als über die bestehende Anhalter Bahn erreicht werden kann. Die neue Strecke parallel zur S-Bahn-Trasse führt jedoch mitten durch den Tempelhofer Ortsteil Lichtenrade. Die Bewohner wehren sich vehement gegen die geplante ebenerdige Bauweise, bei der die Anwohner durch meterhohe Schallschutzwände vor Bahnlärm geschützt werden sollen.

Trasse teilt Lichtenrade

Diese Trasse würde Lichtenrade in zwei Teile spalten, durch Lärm und Erschütterungen würde zudem die Lebensqualität im Ort nachhaltig beeinträchtigt, so die Kritik. Befürchtet wird zudem ein Verkehrskollaps auf der Bahnhofstraße sowie eine Gefährdung des Einzelhandels. Zuletzt hatte sich auch der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Senat an die Seite der Anwohner gestellt und die Forderung nach einer Tunnellösung unterstützt. Ein entsprechendes Bekenntnis ist zudem Teil des Koalitionsvertrages, den SPD und CDU Ende 2011 für die Legislaturperiode geschlossen haben.

Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte durch den neuen Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Der hatte zu Wochenbeginn angekündigt, dass er noch in diesem Jahr eine Entscheidung im Abgeordnetenhaus zur Trassenführung herbeiführen will. Grundlage sei die Varianten-Untersuchung der Deutschen Bahn, die in den nächsten Wochen vorgestellt werden soll. Offenbar bereits in Kenntnis wesentlicher Aussagen der Studie, sprach sich Geisel deutlich für eine ebenerdige Bauweise aus.

Längere Bauzeit droht

Bei der Tunnelvariante drohten erhebliche Mehrkosten, vor allem aber eine deutlich längere Bauzeit. "Wir haben den BER mit dem Eröffnungstermin 2017. Und reden in der jetzigen Situation davon, dass er 2023 mit der Dresdner Bahn ordentlich öffentlich angebunden wird. Ich glaube nicht, dass wir uns leisten können, das um weitere vier oder sieben Jahre nochmal zu verschieben", sagte Geisel.

Er stellte aber auch klar, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei. Das letzte Wort hätte demnach das Abgeordnetenhaus. "Wir bauen, was bestellt wird. Aber alle sollten wissen, was es bedeutet, wenn ein andere Variante gewählt wird."

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