Streit mit Bausenator

CDU besteht auf Tunnel für Dresdner Bahn in Lichtenrade

SPD-Bausenator Geisel will auf die Tunnellösung für die Fernbahnstrecke im Süden Berlins verzichten - und löst einen Koalitionsstreit aus. Nun droht die Bürgerinitiative Lichtenrade mit einer Klage.

Erst seit gut einem Monat ist Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) im Amt – und hat es bereits geschafft, den Koalitionspartner CDU vor den Kopf zu stoßen. Anders als im Koalitionsvertrag 2011 mit der Union verabredet, hat sich der Senator am Montag dafür ausgesprochen, für die neue Fernbahnstrecke im Süden Berlins auf eine Tunnellösung im Ortskern von Lichtenrade zu verzichten. Über die als Dresdner Bahn bekannte Trasse plant die Bahn eine schnelle Anbindung des künftigen Hauptstadtflughafen BER an die Innenstadt.

"Der unabgestimmte Vorstoß des Verkehrssenators Geisel, die Tunnellösung für die Dresdner Bahn durch den Berliner Ortsteil Lichtenrade aufgeben zu wollen, widerspricht der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU. Wir bestehen aber auf die Einhaltung eben dieser Koalitionsvereinbarung. Auch durch den neuen Senator", sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf.

Deutliche Worte findet auch der Berliner Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak. "Normalerweise hält sich ein neuer Senator 100 Tage zurück, um sich in sein Ressort einzuarbeiten. Wenn Herr Geisel dies auch getan hätte, dann wüsste er, dass das Land Berlin sich glasklar für eine Tunnellösung ausgesprochen hat", rügte der CDU-Politiker. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller habe dies seinerzeit als SPD-Landeschef unterschrieben.

Der neue Verkehrssenator hatte sich am Montag für eine ebenerdige Führung der aktuell bis 2023 geplanten Bahntrasse durch Lichtenrade ausgesprochen und dies mit geringeren Baukosten und einer kürzeren Bauzeit begründet. Ob der S-Bahn-Verkehr, wie von Geisel befürchtet, durch eine Tunnellösung länger beeinträchtigt wäre als bei einer ebenerdigen Variante, wollte die Deutsche Bahn auf Nachfrage der Welt nicht bestätigen.

Bei den Bürgervereinen in Lichtenrade ist man sich sicher, dass Geisels Aussage so nicht richtig ist. "Die Begründung zeugt leider von fehlender Ortskenntnis und geht von falschen Voraussetzungen aus", sagte Frank Behrend, Vorsitzender des Grundeigentümervereins Lichtenrade. Der Bau eines Tunnels würde im Schildvortrieb erfolgen, sodass die S-Bahn während der Bauzeit weitgehend ungestört fahren könne.

Die BI Lichtenrade Dresdner Bahn droht mit Klage, falls die Tunnellösung kippen sollte. "Wir haben 50.000 Euro für eine Klage auf dem Konto liegen und würden die auch einsetzen", so BI-Sprecher Manfred Beck. Vize-Vorsitzende Reiner Welz ergänzte: "Die Klage wird das Projekt mindestens zwei bis drei Jahre verzögern."

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